Die sozialistische Mitinitiatorin des Gesetzentwurfs, Maud Olivier, warf den Kritikern des Textes zum Auftakt "Scheinheiligkeit" vor. Sie hob hervor: "Zu sagen, dass die Frauen das Recht haben, sich zu verkaufen, bedeutet die Tatsache zu verschleiern, dass die Männer das Recht haben, sie zu kaufen."

Der Gesetzentwurf sieht eine Geldbusse von 1500 Euro für Freier vor. Im Wiederholungsfall kann der Betrag verdoppelt werden. Vorgesehen sind als Alternative oder Ergänzung zu einer Geldstrafe auch Kurse zur "Sensibilisierung" der Männer.

Zugleich soll der auf die Prostituierten zielende Straftatbestand des "Kundenfangs" abgeschafft werden, der die Frauen mit zwei Monaten Gefängnis bedroht, wenn sie öffentlich um Freier werben.

Die Prostitution, die in Frankreich legal ist, wird auch durch den neuen Gesetzentwurf nicht verboten. Dennoch hat der Text in den vergangenen Wochen eine heftige öffentliche Debatte ausgelöst, auch weil sich zahlreiche Prominente gegen eine Bestrafung der Freier wandten.

So zählte der Schriftsteller Frédéric Beigbeder zu den 343 Unterzeichnern einer spektakulären Erklärung, die öffentlich zugaben, die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen zu haben oder dazu bereit zu sein.

Zustimmung gilt als sicher

In Frankreich wird die Zahl der Prostituierten auf mindestens 20'000 geschätzt. Davon kommen 80 bis 90 Prozent aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, Afrika, China oder Lateinamerika. Viele Frauen sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Über den parteiübergreifenden Gesetzentwurf, für und gegen den am Freitag in Paris erneut auch Prostituierte demonstrieren wollten, soll am nächsten Mittwoch in der Nationalversammlung abgestimmt werden. Die Zustimmung gilt als sicher, Befürworter und Gegner des Entwurfs sind in allen Parteien vertreten.

Doch nur die Grünen und einige Konservative wollen die Bestrafung von Freiern wieder streichen. Der Text geht dann zu weiteren Beratungen in den französischen Senat.