«Deine Heimat – Deine Wahl», so warb die FPÖ Vorarlberg 2014 für die Landtagswahlen. Hierzulande lautete der Aufruf während der letzten Legislatur schlicht: «Schweizer wählen SVP.» Die beiden Kampagnen kamen aus ein und demselben Büro, sie entstammten ein und demselben Kopf: Alexander Segert, Inhaber der Agentur Goal in Dübendorf. Der gebürtige Hamburger ist seit zwei Jahrzehnten für die Propaganda der SVP verantwortlich und massgeblich beteiligt an ihrem steilen Aufstieg zur wählerstärksten Partei.

Einem Aufstieg, den rote Ratten und schwarze Schäfchen pflastern, aber auch ein Onlinespiel, in dem 2009 auf Minarette geschossen werden musste. Ein Jahr später adaptierte die FPÖ Steiermark das Spiel, benannte es von «Minarett Attack» in «Moschee Baba» um – und verschärfte es: Statt bloss auf die Türme konnte man nun auch auf den Muezzin zielen, den muslimischen Gebetsrufer. Von österreichischen Gerichten wurde Segert vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen.

Rechtsextreme vorgeschickt

SVP und FPÖ teilen sich nicht nur den Propagandachef, sondern auch den politischen Stil. Heinz-Christian «HC» Strache, den Österreichs Rechtspopulisten lieber heute als morgen als Bundeskanzler sähen, warb 2013 mit einem Musikvideo für sich. Besser: einem qualitativ grotesk schlechten Rap mit dem Refrain «Steht auf, wenn ihr für HC seid!» 1,2 Millionen Mal wurde der Song auf Youtube geklickt. Die SVP zog im letztjährigen Wahlkampf gleich mit zwei Klamaukclips nach: «Welcome to SVP» knackt bald die Millionengrenze, «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg» wurde mehr als eine Viertelmillion Mal angeschaut.

Das Führungspersonal der zwei Parteien ähnelt sich auch in seiner Vorliebe, die Opferrolle einzunehmen und jegliches Geschichtsverständnis missen zu lassen. Strache nannte die Anhänger seiner Bewegung nach einem Angriff linksautonomer Kreise einst «die neuen Juden», SVP-Vordenker Christoph Blocher beklagte jüngst, die Medienberichterstattung gegen die Durchsetzungsinitiative habe ihn «an die Methoden der Nationalsozialisten den Juden gegenüber» erinnert. Auch sonst ist die Rhetorik vergleichbar: Stets betonen FPÖ und SVP die nationale Identität, indem sie gegen alles Fremde (Flüchtlinge, Islam) und das Establishment (Bern, Wien, Brüssel) wettern. Und beide Parteien schicken wiederholt Exponenten einzeln vor, um mit extremen Aussagen oder Forderungen das Terrain zu bereiten für eine weitere Verschärfung des politischen Klimas.

Gratuliert die SVP?

Bei der FPÖ nennt dann Andreas Mölzer, 2014 Spitzenkandidat für die Europawahl, die EU ein «Negerkonglomerat» und behauptet, David Alaba, gegenwärtig bester Fussballer des Landes, könne mit seiner dunklen Hautfarbe kein echter Österreicher sein. Bei der SVP fordert dann der Aargauer Nationalrat Andreas Glarner, kurz zuvor zum Asylchef der Partei aufgestiegen, einen Stacheldrahtzaun an der Grenze, um sich gegen eine «Flüchtlingsinvasion» abzuriegeln.

Bei allen Ähnlichkeiten unterscheiden sich FPÖ und SVP dennoch stark: und zwar sowohl in ihrer Geschichte als auch in einem zentralen Politikbereich. Während Erstere ihre Wurzeln im Nationalsozialismus hat und in aller Regel strikte Oppositionspolitik betrieb, ist Letztere aus der jahrzehntelang ländlich-biederen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) hervorgegangen und seit 1930 in der Regierung (und tritt meist gemässigter auf). Während die FPÖ (wie auch der vergleichbare französische Front National) national-sozial politisiert, stellt die SVP ihrer Schweiz-Liebe eine wirtschaftsliberale Haltung bei (ausser es geht um Bauern).

Offen ist, ob die SVP ihren Brüdern im Geiste gratulieren würde, wenn ihr Kandidat Norbert Hofer am Sonntag zum Bundespräsidenten gewählt wird. Eigentlich geböte es die Höflichkeit. Schliesslich hat FPÖ-Chef Strache im letzten Oktober auch zum SVP-Wahlsieg gratuliert und bei sich die Einführung der direkten Demokratie gefordert.