US-Forscher sind auf dem Weg zur "Pille für den Mann" einen Schritt weiter gekommen. Im Tierversuch gelangte das kleine Molekül JQ1 über das Blut an den Ort der Spermienentwicklung im Mäuse-Hoden und behinderte diese. Das Team um Martin Matzuk vom Baylor College of Medicine in Houston (US-Staat Texas) präsentiert die hormonlose Pille im Fachblatt "Cell".

Bei Mäusen hatte das Molekül die Zahl der Spermien reduziert und deren Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Die Tiere wurden unfruchtbar. Sexualtrieb und Hormonwerte seien aber nicht beeinträchtigt gewesen, und nach Absetzen der Substanz hätten sich die Spermien wieder ganz normal entwickelt. Auch beim Nachwuchs der Mäuse entdeckten die Forscher nach eigenen Angaben keine ungewollten Auswirkungen.

Krebsmittel hemmt Spermienproduktion

Das Molekül JQ1 stammt eigentlich aus der Krebsforschung. Co-Autor James Bradner vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston (US-Staat Massachusetts) wollte die Wirkung des Stoffes bei Krebs testen. Dieser hemmt eine Familie von Eiweissen, die die Aktivität von Genen beeinflussen. Zu dieser Proteinfamilie gehört auch BRDT, das wichtig für die Spermienentwicklung ist. JQ1 blockiert die Wirkung von BRDT.

Offenbar kann JQ1 problemlos die sogenannte Blut-Hoden-Schranke durchdringen, schlussfolgern die Forscher. Dieses Schutzsystem trennt den Blutkreislauf von dem Bereich im Hoden, in dem die Spermien reifen, und schützt diese so vor Krankheitserregern und Giften. An dieser Barriere seien viele der bisherigen Versuche gescheitert, ein Verhütungsmittel für den Mann zu entwickeln, erläutert Bradner.

Deshalb konzentrieren sich die Forscher meist auf die Gabe von Hormonen. Dabei treten aber häufiger als bei der Frau Nebenwirkungen wie Depressionen, Verhaltensänderung und Ähnliches auf. Da JQ1 nicht in den Hormonhaushalt eingreife, würden auch diese Nebenwirkungen vermieden, erklären die Forscher.

Allerdings wird es wohl niemals JQ1 in Pillenform geben: Da das Molekül an mehreren Stellen im Körper stark eingreife, könne es selbst nicht zum Verhütungsmittel werden, betonen die Mediziner. Mit den Erkenntnissen lasse sich aber möglicherweise eines entwickeln.