Als Jekaterina vor die Kameras tritt, zwischen weisser Absperrwand und grünen Bankautomaten, kann sie ihre Tränen kaum zurückhalten. «Er schrieb, dass sie losfliegen, danach gab es keine Informationen mehr», sagt sie. Jekaterina war zum Flughafen Scheremetjewo geeilt, im Nordwesten Moskaus, wollte ihrer Freundin beistehen, deren Mann im Flugzeug Richtung Murmansk sass. In dem Flieger, dessen brennendes Heck russische Fernsehsender auch am Tag nach der Notlande-Katastrophe immer wieder über die Bildschirme laufen lassen.

Wie eine Fackel war die Maschine über das Rollfeld gerast, vor den Augen zahlreicher Passagiere auf dem grössten der vier internationalen Flughäfen der russischen Hauptstadt. Entsprechend schnell hatten sich viele Videos der Notlandung über die sozialen Netzwerke verbreitet. Es ist eines der schwersten Flugzeugunglücke in Moskau seit Jahren. 41 Menschen, darunter zwei Kinder und ein Besatzungsmitglied, waren in der brennenden Maschine verunglückt.

Flammeninferno: Über 40 Menschen verlieren in diesem Flugzeug ihr Leben

Flammeninferno: Über 40 Menschen verlieren in diesem Flugzeug ihr Leben

Ein russischer Jet der Fluggesellschaft Aeroflot ging am Sonntag auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo in Flammen auf. 41 Menschen starben.

Die Sprecherin des Ermittlungskomitees wagte es auch nach Stunden kaum, die Zahl der Toten in den Mund zu nehmen. Sie sprach von «37 Überlebenden». Jekaterina war da längst hinter der Absperrwand verschwunden. Andere Angehörige beklagten sich über die unzureichende Kommunikation. «Sie könnten doch wenigstens etwas bekannt geben. Warum erfahren wir alles nur aus den Medien?», sagte ein Mann der russischen Online-Zeitung «meduza». Auch die Fluggesellschaft Aeroflot veröffentlichte schnell die Namen der Überlebenden. Das ist ungewöhnlich in einem Land, in dem nach jedem Unfall mit Toten in kürzester Zeit die Namen der Verunglückten samt Geburtsdatum online abrufbar sind.

Notsignal nach dem Start

Die Piloten des im August 2017 produzierten Suchoi-Superjets hatten bereits nach dem Start ein Notsignal abgesetzt. Die Maschine war knapp eine halbe Stunde nach dem Start auf den Flughafen Scheremetjewo zurückgekehrt. Beim Landeanflug hatte sie zwei Mal aufgesetzt und fing Feuer – wohl, weil der volle Tank bei der harten Landung beschädigt worden war. Die Menschen retteten sich über Notrutschen. Der Pilot und mehrere Passagiere hatten von einem Blitzeinschlag gesprochen. Danach soll der Funkverkehr zusammengebrochen sein. Die Ermittler werten nun die Flugschreiber aus, was mehrere Tage dauern kann. Sie untersuchen ebenfalls, ob die Piloten und das technische Personal ausreichend qualifiziert gewesen seien.

Der Suchoi Superjet-100 gilt als der Stolz der russischen Zivilluftfahrt. Der Kurzstreckenflieger ist die erste Neuentwicklung im russischen Flugzeugbau seit dem Ende der Sowjetunion. Doch es gibt ständig Probleme. Immer wieder bleibt der Flieger am Boden. Bei einem Probeflug stürzte im Mai 2012 eine SSJ-100 in Indonesien ab, 45 Menschen starben. Kurz zuvor war es zu mehreren Zwischenfällen mit dem Fahrwerk des Suchoi in Minsk in Weissrussland, in Astrachan im Westen Russlands und in Kasan, 800 Kilometer östlich von Moskau, gekommen. Aeroflot hat derzeit 50 Superjet-Maschinen im Einsatz, vor allem für regionale Flüge. Eine Petition, den Betrieb der Flieger einzustellen, haben bereits mehr als 10 000 Menschen unterschrieben. Aeroflot teilte mit, die Jets trotz des Unfalls weiter einzusetzen.

So sieht das ausgebrannte Flugzeugwrack aus

So sieht das ausgebrannte Flugzeugwrack aus

Ein russischer Jet der Fluggesellschaft Aeroflot ging am Sonntag nach der Landung auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo in Flammen auf. 41 Menschen starben.

Am Flughafen Scheremetjewo herrschte am Tag nach der Katastrophe eine Mischung aus Gedränge und Ruhe. «Es ist das Schlimmste im Leben, einen Menschen zu verlieren. Da kommt es nicht darauf an, dass sich nun alles verschiebt und ich stundenlang auf meinen Flieger warten muss», sagte eine Frau. Andere regten sich über verschobene Flüge auf. «Ich habe viel Geld für meine Flüge nach und in China bezahlt. Und nun komme ich hier erst mal nicht weg», beklagte sich ein Mann, der einen Flug über Peking nach Haikou gebucht hatte. Beim Aeroflot-Stand lagen Blumen und Kuscheltiere. Manche Menschen hielten inne, andere eilten mit ihren Koffern vorbei.