Zypern

Flugzeugentführung unblutig beendet – Kidnapper trug Bombenattrappe

Ein Mann hat am Dienstagmorgen eine Airbus A320 der Egypt Air entführt. Die Maschine landete im zyprischen Larnaka. Nach über fünf Stunden ergab sich der psychisch labile Entführer der Polizei.

Eine Flugzeugentführung auf Zypern ist nach über fünf Stunden unblutig zu Ende gegangen. Am Dienstagmorgen hatte der Entführer einen Airbus der EgyptAir gekidnappt. Die Piloten des Flugzeugs hatten Kontakt mit den Fluglotsen in Larnaka aufgenommen und eine ausserplanmässige Landung wegen einer Entführung beantragt haben.

Kurz vor der Verhaftung des Flugzeug-Kidnappers: Eine Person steigt aus der Egypt-Air-Maschine in Larnaka

Kurz vor der Verhaftung des Flugzeug-Kidnappers: Eine Person steigt aus der Egypt-Air-Maschine in Larnaka

Der Entführer verliess freiwillig das Flugzeug und ging mit erhobenen Händen über die Piste in Richtung zweier Anti-Terror-Polizisten. Die Beamten hätten den am Boden liegenden Mann durchsucht und abgeführt.

Der Mann hat nach Angaben des zyprischen Aussenministers Ioannis Kassoulides eine Bombenattrappe getragen. Er habe mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in einen Riemen gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben.

Hier wird der ägyptische Flugzeug-Entführer abgeführt

An Bord der Maschine waren nach ägyptischen Behördenangaben 55 Passagiere, die meisten von ihnen Ägypter. Nach der Landung in Zypern liess der Entführer nach und nach die meisten Insassen frei.

Dem Zugriff war ein stundenlanger Nervenkrieg vorausgegangen, nachdem der Airbus A320 der Gesellschaft Egyptair am Morgen auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo entführt und zur Landung in Larnaka gezwungen worden war.

Die Flugzeug-Entführer lassen die ägyptischen Passagiere frei.

Der Flugzeug-Entführer lassen die ägyptischen Passagiere frei.

Widersprüche zu seinen Motiven

Gegenüber Beamten machte er während der Geiselnahme immer wieder widersprüchliche Angaben zu seinen Motiven. Die zyprischen Behörden schlossen einen terroristischen Hintergrund schon bald aus. Der Mann scheine "äusserst labil" zu sein.

Offenbar wollte der Entführer zu seiner Ex-Frau, die in Larnaka auf Zypern leben soll. Der Entführer soll gefordert haben, einen Brief an seine Ex-Frau zu übergeben, die in Larnaka lebe. Er habe den Brief, der auf Arabisch geschrieben ist, an seine Ex-Frau aus einem Fenster des Flugzeugs geworfen. 

Daraufhin forderte er die Freilassung von Häftlingen in Ägypten. Ausserdem verlangte er auch die Freilassung einiger oppositioneller Frauen in Ägypten oder wollte an einen anderen Flughafen gebracht werden.

Dieses Porträt-Bild soll den Flugzeug-Entführer im Innern des Flugzeuges zeigen

Verwirrung um die Identität des Entführers

Um die Identität des Entführers herrschte zunächst grosse Verwirrung: Das zyprische Staatsfernsehen wollte den Mann als Ibrahim Samaha identifiziert haben. Später bestätigten die Behörden, dass der Name des Entführers ein anderer sei: Saif al-Din Mustafa.

Gemäss «BBC News» handelte es sich bei Ibrahim Samaha um einen Passagier, der die Maschine frühzeitig verlassen konnte. 

«Er ist ein Idiot»

Der Entführer soll nach Medienberichten lange auf der Mittelmeerinsel gelebt haben und 59 Jahre alt sein. Er habe bis 1994 auf Zypern gelebt und fünf Kinder mit seiner Ex-Frau, berichtete die zypriotische Zeitung «Phileleftheros» auf ihrer Homepage.

«Er ist kein Terrorist, er ist ein Idiot. Terroristen sind verrückt, aber sie sind nicht dumm. Dieser Kerl ist es», zitierte der «Independent» einen Beamten des ägyptischen Aussenministeriums. 

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