Dorothee Bär nimmt es gelassen. Erst gerade wurde die Bayerin (39) zur Digitalministerin ernannt, sieht sie sich schon dem Spott der digitalen Welt ausgesetzt. Die Politologin sagte in einem ZDF-Interview, das Thema Digitalisierung gehe über die Geschwindigkeit des Internets hinaus: «Das Thema muss doch sein: Kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, dann auch mal autonom fahren? Habe ich die Möglichkeit – zum Beispiel mit einem Flugtaxi – durch die Gegend zu fahren?»

So visionär die Gedanken über Flugtaxis sein mögen, prioritär ist die Frage nach diesen futuristischen Fortbewegungsmitteln nicht. In Sachen Netzgeschwindigkeit ist der Wirtschaftsgigant Deutschland ein Entwicklungsland. Die Rangliste mit dem schnellsten Internet führt Südkorea an.

Die Schweiz schafft es auf den fünften Platz – 20 Ränge vor Deutschland. Es gibt ländliche Regionen in Deutschland, in denen das Netz permanent zusammenbricht. Da sind Gedankenspiele zu Flugtaxis schon bemerkenswert.

Bär hat allerdings recht, wenn sie hinter der Digitalisierung mehr sieht als die landesweite Abdeckung mit Glasfaserkabel – wofür sie notabene als Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, so der offizielle Name ihrer Funktion, gar nicht zuständig ist. Die Mutter dreier Kinder will Deutschland zu einer «erfolgreichen Digitalnation» umkrempeln.

Behörden müssen digitalisiert werden, sie möchte den Datenschutz reformieren, der auf dem Stand des «18. Jahrhunderts» sei. Vor allem aber müssten sich die Schulen der Digitalisierung öffnen – Tablets statt Schulbücher, Programmieren als Lehrpläne in die Grundschulen.

Durch den neu geschaffenen Posten der Staatsministerin für Digitales will die Regierung das Thema Digitalisierung offensiver angehen. CSU-Chef Horst Seehofer hat mit der Ernennung Bärs zudem verhindert, dass die bayerische CSU von einem reinen Männer-Bund in der Regierung vertreten wird.

Anders als die CDU und die SPD, die die Hälfte ihrer Ministerien mit Frauen besetzen, sind das CSU-Innen-, Verkehrs- und Entwicklungsressort mit Männern besetzt. Bär ist zwar keine Ministerin, nimmt in ihrer Funktion als Staatssekretärin aber an den Kabinettssitzungen mit Merkel und Co. teil.

Handlungsbedarf sieht die neue starke Frau fürs Digitale nicht nur in Sachen Internet, sondern auch für ihre Partei: «Ich gebe zu, dass wir am Thema Frauen und Frauen in der CSU arbeiten müssen.»