Die Deutsche Flugsicherung wurde vom Bundesverkehrsministerium angewiesen, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.

Grossbritannien dehnte die Maßnahmen auf Somalia aus. So sollte ab Mitternacht keine unbeaufsichtigte Luftfracht aus Somalia mehr ins Land gelassen werden. Für den Jemen galt diese Beschränkung bereits. Druckerpatronen mit mehr als 500 Gramm Fassungsvermögen sind im Handgepäck künftig bis auf weiteres verboten, gab Innenministerin Theresa May bekannt. Als Frachtgut sind sie nur noch erlaubt, wenn sie von ausgewiesenen Absendern stammen.

In die Niederlande darf keine Luftfracht mehr aus dem Jemen. Das berichteten niederländische Medien. Dies gilt auch für Kanada. Der kanadische Verkehrsminister Chuck Stahl sagte am Montag, es liege keine spezielle Bedrohung gegen das Land vor. Das Verbot sie eine reine Vorsichtsmassnahme, die auf einer generell Risikoeinschätzung beruhe, berichteten kanadische Medien.


Die jemenitische Regierung reagierte mit Kritik und Enttäuschung auf das deutsche Einflugverbot für im Jemen gestartete Flugzeuge. Die Entscheidung der deutschen Regierung sei eine «kollektive und unlogische Bestrafung», erklärte ein Regierungssprecher am Montagabend in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Dieser Schritt nutze lediglich den Terroristen von Al-Kaida, «die immer versucht haben, auf diese Weise den Interessen und dem Ruf Jemens zu schaden», sagte er.

Die USA entsenden Mitarbeiter der Transportsicherheitsbehörde TSA in das Land auf der arabischen Halbinsel. Sie sollen nach dem Aufheben des Verbots für Luftfracht aus dem Jemen dafür sorgen, dass Sendungen in die USA genauer unter die Lupe genommen werden, sagte TSA-Chef John Pistole dem TV-Sender CBS. Die USA verlängerten das Verbot unterdessen bis zum 8. November.

Verbot bis 8. November

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betonte am Montag, die Bundesregierung habe schnell und angemessen reagiert. «Mit unseren Sofortmassnahmen soll sichergestellt werden, dass keine Fracht aus dem Jemen nach Deutschland kommt. Jetzt müssen mögliche Lücken im System der Luftfrachtsicherheit aufgedeckt und geschlossen werden.»

Zuvor hatte das Bundesverkehrsministerium bereits das Unternehmen DHL aufgefordert, jede Fracht aus dem Jemen auf seinem Drehkreuz in Leipzig streng zu kontrollieren. Der Paketdienst überprüft seitdem bis auf weiteres die Fracht aus dem Jemen, gleichermassen wie UPS und FedEx. Das Luftfahrtbundesamt hatte zudem allen jemenitischen Airlines, die nach Deutschland fliegen, ein Einflugverbot erteilt.

Der Sprecher der Regierung in Sanaa nannte die Verschärfung eine «hastige und übertriebene Reaktion». Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus. Sein Land werde dennoch weiterhin der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft beim Kampf gegen den Terrorismus verpflichtet bleiben.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzt zur Hebung der Sicherheit im Luftverkehr auf europäische Zusammenarbeit. Das Problem dabei seien die unsicheren Herkunftsländer, sagte er am Montagabend beim Besuch eines Paketumschlagzentrums auf dem Flughafen Köln/Bonn. «Die Zuverlässigkeit der Drittstaaten und deren Kontrolle werden wir zu überprüfen haben.»

«Das System ist so, dass man sich verlässt auf den sicheren Abflughafen. Jedes Paket, das von Deutschland in alle Welt transportiert wird, wird geröntgt.» Deutschland sei aber vor allem Umschlagplatz für Pakete aus dem Ausland, die in andere Länder weitergeflogen würden. Würde man diese in Deutschland auch noch alle genau kontrollieren, «dann würde der internationale Frachtverkehr zusammenbrechen».
(dpa)