Kuba

Ferien mit Che-Guevara-Feeling: Sozialismus-Safari, solange es noch geht

Über allem wachen die Augen von Fidel und des Che: Touristen auf dem Platz der Revolution in Havanna.Reuters

Über allem wachen die Augen von Fidel und des Che: Touristen auf dem Platz der Revolution in Havanna.Reuters

Bis August kamen laut kubanischen Behörden rund 2,5 Millionen Besucher auf die Insel, knapp 360 000 mehr als im Vorjahreszeitraum.Der Tourismus boomt wie nie – auch, weil viele befürchten, dass es mit dem «Che-Guevara-Feeling» bald vorbei ist.

Eine Karte mit Glückwünschen von US-Präsident Barack Obama klebt am Spiegel im Esszimmer von Raudelina Rodríguez – direkt neben der Kuba-Fahne. «Eine Amerikanerin hat mir die Karte zum Geburtstag geschenkt», sagt die 79-Jährige. Sie vermietet in ihrem Privathaus in Havanna Gästezimmer an Touristen. Von der Annäherung zwischen Kuba und den USA profitiert die Rentnerin. Ihre drei Zimmer sind ausgebucht.

Der Tourismus auf der Karibikinsel boomt. Bis August kamen nach Angaben der kubanischen Behörden rund 2,5 Millionen Besucher auf die Insel, knapp 360 000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach den Kanadiern führen die Deutschen die Gästeliste an. «Ein Grossteil möchte Kuba so ursprünglich erleben, wie es bislang ist. Immerhin kommen bereits viele amerikanische Touristen ins Land, die das Gesicht der Insel sicherlich verändern werden», sagt Jens Haege, Portfoliomanager bei DER Touristik Köln.

Die deutschen Reiseveranstalter haben bereits reagiert. Der Wettbewerb habe zugenommen, die Flugpreise seien gesunken, so Haege. Allein bei DER Touristik seien die Gästezahlen um rund 44 Prozent gestiegen.

Noch immer Mangelwirtschaft

Während Touristen fürchten, die typische Urlaubskulisse mit Oldtimern, Che-Guevara-Accessoires und Klängen des Buena-Vista Social-Clubs könnte bald verschwunden sein, hoffen die Kubaner auf Veränderung. Seit Präsident Barack Obama und sein Amtskollege Raúl Castro im Dezember 2014 das Ende der mehr als 50-jährigen Eiszeit verkündeten, weht in Kuba ein Wind des Aufbruchs. Die USA haben Reise- und Handelsbestimmungen gelockert, künftig sollen auch Charterflüge zwischen den USA und Kuba möglich sein. Doch die Veränderungen gehen nur sehr langsam vonstatten, sind bei der Bevölkerung noch nicht angekommen. Der kubanische Alltag ist noch immer durch Mangelwirtschaft geprägt.

Die kubanische Rentnerin Raudelina Rodríguez sagt: «Die Öffnung zu den USA bietet neue Möglichkeiten, vor allem für die Jugend. Ich habe ja nicht mehr viel von der Zukunft.»

Die kubanische Rentnerin Raudelina Rodríguez sagt: «Die Öffnung zu den USA bietet neue Möglichkeiten, vor allem für die Jugend. Ich habe ja nicht mehr viel von der Zukunft.»

Gut beobachten kann man dies im sogenannten Zentrum Havannas, das zwischen der sanierten und herausgeputzten Altstadt und dem wirtschaftlichen Zentrum Vedado liegt. Dort, rund 200 Meter vom Kapitol entfernt, befindet sich auch das Wohnhaus von Raudelina Rodríguez. Statt polierter Oldtimer düsen Fahrräder durch die kleinen Gassen, in denen zahlreiche Häuser leer stehen. In den Läden gibt es nur das Nötigste, häufig stehen die Menschen Schlange. «Noch immer ist es schwierig, das zu bekommen, was man braucht», sagt Raudelina Rodríguez. «Manchmal fehlt Butter, manchmal Milch.»

Privatvermietung seit 1997

Die 79-Jährige vermietet Privatzimmer seit fast 20 Jahren und hat sich in dieser Zeit ein Netz von Kontakten aufgebaut, um ihre Gäste zu versorgen. Die sogenannten «Casas Particulares» kosten zwischen 25 und 50 der konvertiblen kubanischen Pesos (CUC). Das sind zwischen 23 und 44 Euro (25 und 48 Franken). Sie sind an einem blauen Anker erkennbar. Die Privatunterkünfte sind seit 1997 gesetzlich erlaubt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stürzte Kuba in eine tiefe Krise. Um die Wirtschaft anzukurbeln, setzte die Regierung verstärkt auf Tourismus und erlaubte auch Casas Particulares.

So konnten sich viele Kubaner, so wie Raudelina Rodríguez, etwas dazuverdienen. Sie ist überzeugte Revolutionärin, sieht die neue Entwicklung aber voller Hoffnung. «Die Öffnung zu den USA bietet neue Möglichkeiten, vor allem für die Jugend. Ich habe ja nicht mehr viel von der Zukunft.» Einen Wunsch hat die 79-Jährige allerdings noch: Dass US-Präsident Barack Obama möglichst bald die Insel besucht. Sie würde ihn gerne einmal sehen, «auch wenn ich ihm nicht persönlich die Hand geben kann».

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