Das teilte der örtliche Gouverneur Michail Jurewitsch am Freitag der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge mit. Der Meteorit war um 09.20 Uhr Ortszeit (04.20 Uhr MEZ) am Himmel erschienen. Im Internet verbreitete Aufnahmen von Amateurfilmern zeigten ein Objekt, das sich mit einem Schweif über den wolkenlosen Morgenhimmel bewegte.

Die mehr als eine Million Einwohner zählende Stadt Tscheljabinsk und die umliegende gleichnamige Region wurden von einem grellen Blitz und einer Druckwelle erschüttert.

Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall. Auf zahlreichen Amateuraufnahmen waren Anwohner zu sehen, die panisch auf die Schockwelle reagierten. Viele starrten aber auch in einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit auf das Naturschauspiel.

Druckwelle zerstört Fenster

Durch die Druckwelle zerbarsten in der Region Fensterscheiben, mindestens ein Fabrikgebäude wurde schwer beschädigt. Den Angaben des Gouverneurs zufolge erlitten zwei Drittel der Betroffenen leichte Verletzungen durch umherfliegende Glassplitter oder andere Gegenstände. Den städtischen Behörden zufolge wurden allein in Tscheljabinsk 725 Menschen verletzt, darunter 159 Kinder.

Es sei "sehr, sehr selten", dass Menschen von Meteoritenschauern in dieser Weise betroffen seien, sagte Robert Massey, der stellvertretende Generalsekretär der britischen Königlichen Gesellschaft für Astronomie. Üblicherweise verglühten kleinere Flugkörper beim Eintritt in die Atmosphäre und hinterliessen nur einen Lichtschweif.

Nur einige Meter lang

Die Russische Akademie der Wissenschaften teilte mit, für das Ereignis sei ein Himmelskörper verantwortlich, der vermutlich mehrere Meter lang und mehrere dutzend Tonnen schwer gewesen sei. Der kosmische Brocken sei in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern verglüht. RIA Novosti hingegen zitierte Militärkreise, denen zufolge die Explosion sich nur fünf Kilometer über der Erde ereignet habe.

Valeri Schuwalow von der Akademie vermutet, dass es sich um einen Meteoriten aus Nickel und Eisen handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen. Der Astronom Sergej Smirnow meinte, dass der Meteorit vor dem teilweisen Verglühen mehrere Tonnen schwer gewesen sei. Splitter könnten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen.

Teile des Meteoriten seien auf der Erde eingeschlagen, erklärte die regionale Aussenstelle des Katastrophenschutzministeriums. Einem Militärsprecher zufolge wurde am Ufer des Sees Tscherbakul ein sechs Meter grosser Krater entdeckt. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen eines Lochs im zugefrorenen See.

Kein Zusammenhang mit Asteroid

Einen Zusammenhang mit dem Asteroiden 2012 DA14, der am Freitagabend (20.24 Uhr MEZ) in nur rund 28'000 Kilometern Entfernung und damit ungewöhnlich nah an der Erde vorbeifliegen wird, schlossen mehrere Experten aus.