USA

Facebook als Werkzeug russischer Propagandisten: Vertreter wehrt sich

Vertreter von Facebook, Twitter und Google haben erstmals öffentlich Auskunft über die Rolle gegeben, die soziale Netzwerke im Wahlkampf gespielt haben.

Vertreter von Facebook, Twitter und Google haben erstmals öffentlich Auskunft über die Rolle gegeben, die soziale Netzwerke im Wahlkampf gespielt haben.

Vertreter der sozialen Netzwerke haben sich im Senat in Washington gegen den Vorwurf gewehrt, als Werkzeug russischer Propagandisten gedient zu haben.

Vertreter von Facebook, Twitter und Google haben am Dienstag während einer Anhörung im Senat in Washington erstmals öffentlich Auskunft über die Rolle gegeben, die soziale Netzwerke im Wahlkampf des vergangenen Jahres gespielt haben – und wie staatlich finanzierte Trolle aus Russland den Ausgang des Rennens um das Weisse Haus beeinflussten.

In absoluten Zahlen gemessen waren die Russen dabei höchst erfolgreich. So sprach der Facebook-Rechtsvertreter Colin Stretch von 80 000 Meldungen, die in den Jahren 2015 und 2016 von russischen Trollen, die für die sogenannte Internet Research Agency arbeiten, formuliert wurden und sich um brennende innenpolitische Themen in den USA drehten – die Gewalt von Polizisten gegen Minderheiten oder die Angst gewisser Bevölkerungskreise vor Flüchtlingen aus mehrheitlich muslimischen Nationen. Stossrichtung dieser virtuellen Botschaften: «Zwietracht säen», damit das Vertrauen in amerikanische Institutionen untergraben werde, sagte Stretch. Diese Propaganda tauchte im «News Feed» von 29 Millionen Facebook-Nutzern auf und wurde fleissig geteilt oder weiterverbreitet. Insgesamt kamen damit 126 Millionen Menschen in Kontakt mit russischen «Fake News».

Stretch gab sich insgesamt zerknirscht über die Rolle, die seine Firma für den politischen Diskurs in den USA gespielt habe. Er versprach, dass Facebook künftig ein grösseres Gewicht auf die «Authentizität der Inhalte» legen werde, die publiziert würden – ohne dabei die Meinungsäusserungsfreiheit der Amerikaner zu beschneiden. Wie dies genau geschehen soll, konnte Stretch allerdings nicht erklären.

Unterstützung erhielt der Facebook-Jurist von Sean Edgett, dem Rechtskonsulenten von Twitter, und Richard Salgado, dem Direktor der Google-Sicherheitsabteilung. Sinngemäss sagten Edgett und Salgado, es könne nicht im Interesse ihrer Unternehmen sein, russischen Propagandisten als trojanisches Pferd zu dienen.

«Fake News»-Anteil überschaubar

Allerdings machte der Facebook-Vertreter, ebenfalls stellvertretend für sämtliche anwesenden «Social Media»-Giganten, auch darauf aufmerksam, dass die russischen Beeinflussungsversuche in Relation mit sämtlichen Inhalten gesehen werden müssten, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden. So rechnete Stretch vor, dass der Anteil der russischen «Fake News» 0,004 Prozent sämtlicher Meldungen entspreche, die in den vergangenen zwei Jahren auf dem Facebook-«News Feed» publiziert wurden. Auch der Twitter-Vertreter Edgett wartete mit einer solchen Statistik auf: die 36 746 Konten auf dem Kurznachrichtendienst, die der russischen Internet Research Agency zugerechnet wurden und die antiamerikanische Propaganda verbreiteten, entsprächen 0,012 Prozent aller Twitter-Konten.

Andererseits: Der Ausgang der Präsidentenwahl war ausgesprochen knapp. So gewann der heutige Präsident in Michigan 10 704 Stimmen mehr als seine Konkurrentin; in Wisconsin betrug der Vorsprung 22 748 Stimmen und in Pennsylvania waren es 44 292.

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