Annäherung

Exil-Kubaner reden von Ausverkauf und Verrat

Ein Befürworter der Annäherung bedankt sich in Miami bei Obama

Ein Befürworter der Annäherung bedankt sich in Miami bei Obama

Obamas Kehrtwende in der Kuba-Frage ist umstritten - gerade in Florida, wo hunderttausende Menschen mit kubanischen Wurzeln leben.

In Havanna läuteten am Mittwoch die Glocken. Und auf den Strassen der kubanischen Hauptstadt herrschte Ausgelassenheit, wie amerikanische Beobachter erzählten. In Little Havanna hingegen, dem legendären Wohnviertel im Westen von Miami (Florida), schluckten die meisten Exil-Kubaner nach der Ankündigung von Präsident Barack Obama, den Kalten Krieg mit dem Regime auf der Karibikinsel zu beenden, erst einmal leer. Dann meldeten sich die Hardliner zu Wort.

Präsident Obamas Kuba-Rede

Präsident Obamas Kuba-Rede

Fernsehsender in Miami berichteten von spontanen Protesten. Von Verrat und Ausverkauf war die Rede. Der republikanische Stadtpräsident von Miami, Tomás Regalado, gab bekannt, dass er sich gegen die Eröffnung eines kubanischen Konsulats in seiner Gemeinde wehren würde. Obwohl im Grossraum Miami doch mindestens 850 000 Menschen mit kubanischen Wurzeln leben.

Dann ergriff Senator Marco Rubio das Wort. Der Republikaner, dessen Eltern die Karibikinsel im Jahr 1956, also vor dem Putsch der Castro-Kommunisten, verlassen hatten, sagt von sich, er denke jeden Tag an die Heimat seiner Vorfahren. Er werde alles tun, so der 43-jährige Rubio, um die Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu sabotieren. Denn letztlich profitiere davon nur ein Regime, «das jeden Aspekt des kubanischen Lebens kontrolliert», und den angeblichen Wandel dazu nutzen werde, seine Macht zu vergrössern.

Dieser Zorn über einen Schritt, der in Lateinamerika und Europa weitgehend auf Zustimmung stiess, ist nur mit einem Blick in die Geschichtsbücher zu verstehen. Nach der Revolution auf Kuba, die 1959 mit der Machtübernahme von Fidel Castro endete, flüchteten Hunderttausende von Menschen ins naheliegende Miami – eine gute Flugstunde von Havanna entfernt.

Kalter Krieg in Miami

Unter diesen Flüchtlingen, die mit offenen Armen empfangen wurden, befanden sich auch Extremisten, die Rache schworen. Jahrzehntelang war Miami deshalb zentraler Schauplatz des Kalten Krieges zwischen der Supermacht und der aufmüpfigen Karibikinsel. Eingeschleuste Agenten aus Kuba lieferten sich mit Anti-Castro-Aktivisten einen regelrechten Abnützungskampf. Dabei floss auch immer wieder Blut. Zwei Beispiele: 1976 sprengten Exil-Kubaner unter dem Kommando des Terroristen Luis Posada, einem ehemaligen Zuarbeiter des Geheimdienstes CIA, eine Maschine der kubanischen Luftfahrtgesellschaft Cubana de Aviación in die Luft; alle 73 Passagiere starben. 1996 töteten die kubanischen Luftstreitkräfte vier Menschen, die für das vermeintliche Hilfswerk «Brothers to the Rescue» unterwegs waren. Die Kubaner schossen die beiden Cessna-Flugzeuge ab, weil diese angeblich kubanischen Luftraum verletzt hatten.

Umfragen zeigen allerdings, dass sich die Gemüter in den vergangenen Jahren abgekühlt haben – wohl auch, weil die Aktivisten der ersten Stunde mittlerweile hochbetagt sind. Im «Cuba Poll» des Cuban Research Institute der Florida International University in Miami sagte jüngst eine knappe Mehrheit der befragten Amerikaner mit kubanischen Wurzeln, sie würden ein Ende des Handelsembargos begrüssen. Unter jungen Exilkubanern sagten gar 62 Prozent der Befragten, sie lehnten den wirtschaftlichen Boykott Kubas ab.

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