Ein Gericht befand am Dienstag den früheren Leutnant Carlos Antonio Carías sowie drei seiner Untergebenen für schuldig, zwischen dem 6. und 8. Dezember 1982 als Mitglieder der Spezialeinheit Kabil 201 Bewohner des Dorfes Dos Erres getötet zu haben.

Demnach erhielten sie für jeden der Getöteten 30 Jahre Haft sowie noch einmal 30 Jahre wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Gefährdung der Staatssicherheit". Trotz des Strafmasses ist die tatsächliche Haftzeit in Guatemala gesetzlich auf maximal 50 Jahre begrenzt.

Nach Angaben von Augenzeugen wurden bei dem Massaker alle Bewohner des Dorfes im Norden des Landes mit Ausnahme von sieben Kindern getötet. Das Gericht befand am Dienstag, die Angeklagten hätten "pervers" gehandelt, als sie nach dem Massaker das Dorf "von der Landkarte radierten".

Weitere Angeklagte

Neben den vier Verurteilten befinden sich im Zusammenhang mit dem Massaker derzeit drei weitere Männer in Guatemala und Kanada in Untersuchungshaft. Zudem wurde der Soldat Pedro Pimentel, der ebenfalls in die Tötungen verwickelt gewesen sein soll, nach seiner Auslieferung aus den USA festgenommen.

Es ist das erste Mal, dass in Guatemala frühere Soldaten wegen eines Massakers während des Bürgerkriegs verurteilt wurden. Den Befehl für das Massaker soll der frühere Militärmachthaber Efraín Ríos Montt gegeben haben, der 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt war.

Gegen ihn wird in Spanien und Guatemala wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner eineinhalbjährigen Gewaltherrschaft ermittelt.

Laut einem Bericht der nach dem Ende des Bürgerkrieges 1996 eingesetzten Wahrheitskommission wurden in dem 36 Jahre dauernden Konflikt zwischen Armee und linksgerichteter Guerilla rund 200'000 Menschen getötet oder verschwanden.