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Ex-Militärchef wird Sri Lankas Präsident

Sri Lanka wählt einen Machthaber, der Menschen verschwinden liess. Die Tamilen sorgen sich. Aus gutem Grund.

Warum die Menschen Angst vor ihm haben, wollte ein Journalist vor zehn Jahren wissen, als er mit dem damaligen Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa sprach. Damals machten die weissen Transporter die Runde auf der Tropeninsel, mit denen Oppositionelle, Journalisten und bekannte Tamilen aufgriffen wurden. Viele von ihnen blieben für immer verschwunden. Der «Mann mit dem Transporter» wurde Rajapaksa daher genannt. Nun ist er zurück: Am Sonntag gewann der 70-jährige Ex-Offizier die Präsidentschaftswahl in Sri Lanka.

© EPA

Seine erste Amtshandlung werde es sein, «die nationale Sicherheit und Recht und Ordnung wiederherzustellen», kündigte Rajapaksa auf Twitter an. Nur wenige Tage nach den sogenannten Osterattentaten von diesem Jahr, den islamistischen Terroranschlägen von Ende April auf drei Kirchen und drei Luxushotels mit 259 Toten, hatte Rajapaksa seine Kandidatur bekannt gegeben. Seine Rechnung, vom Schock und Trauma der Menschen nach der Terrorwelle zu profitieren, ist offenbar aufgegangen. Der Kandidat der Regierungspartei UNP, Sajith Premadasa, konnte sich nicht gegen Rajapaksa durchsetzen. Er erhielt nur knapp 42 Prozent der Stimmen, während Rajapaksa auf über 52 Prozent kam.

Gotabaya Rakapaksa baute auf das Siegerimage seines Bruders, Mahinda Rajapaksa, der den 26-jährigen Bürgerkrieg gegen die tamilischen Rebellen gewann und Sri Lanka ein Jahrzehnt mit eiserner Hand regierte. Er und seine Partei, die Sri-Lanka-People’s-Front-Partei, haben versprochen, Chaos und Unsicherheit in Sri Lanka zu beenden. Dazu will Gotabaya Rajapaksa seinen Bruder Mahinda umgehend zum Premierminister des Landes machen. Der 73-jährige Mahinda darf nicht noch einmal als Präsident kandidieren.

Sein Versuch vor einem Jahr, Premier zu werden, scheiterte, weil sich das Parlament querstellte und dem amtierenden Regierungschef Ranil Wickremesinghe die Stange hielt. Dies dürfte sich nun ändern.

Geister der Vergangenheit kehren zurück

Daneben will Gotabaya auch alle Armeeangehörigen, die wegen Kriegsverbrechen verurteilt sind, begnadigen. Die Rajapaksa-Familie hat ihre politische Heimat im Süden der Insel, wo die Mehrheit der Bevölkerung buddhistische Singhalesen sind. Statt für Versöhnung stehen die Rajapaksas für religiöse und ethnische Polarisierung der Insel. Gotabaya wird als Kraft hinter einem buddhistischen Schlägertrupp gesehen, der gezielt gegen Muslime in Sri Lanka agiert, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Extremistengruppe spielte eine wichtige Rolle bei den Ausschreitungen gegen Muslime 2014 und soll auch für die antimuslimische Gewalt in Kandy 2018 verantwortlich gewesen sein. Die Rajapaksa-Familie steht zudem für eine enge Zusammenarbeit mit China, das während der Regierungszeit von Mahinda Rajapaksa massiv auf der Insel investierte. Sri Lankas Wirtschaft liegt im Argen. Vor allem die wichtige Tourismusbranche ist von den Terrorattentaten schwer getroffen worden.

In Vavuniya, einer Stadt im mehrheitlich von Tamilen bewohnten Norden Sri Lankas, protestieren Familien seit mehreren Jahren. Mit Fotos und Plakaten erinnern sie an Angehörige, die hier während der Endphase des Bürgerkrieges gegen die tamilischen Separatisten verschwanden. Sie wollen weitermachen, auch wenn der damalige Verteidigungsminister und mutmassliche Hintermann dieses Verschwindenlassens nun Präsident Sri Lankas ist.

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