Monatelang sei die Karte mit dem Zahlensystem verschwunden geblieben, schreibt Shelton im Buch "Without Hesitation: The Odyssey of an American Warrior" (übersetzt ungefähr "Ohne Zögern: Die Odyssee eines amerikanischen Kriegers").

Demnach flog die Sache erst auf, als die Karte - wie dies stets in regelmässigen Abständen erfolgt - durch eine neue ersetzt werden sollte. Da habe dann ein Mitarbeiter des Präsidenten schliesslich zugegeben, dass die alte Karte verlegt worden sei.

Wann immer ein Präsident reist, ist ein Offizier mit einem gepanzerten Koffer in seiner Nähe. Dieser Koffer, "Football" (Fussball) genannt, enthält ein zweites Codesystem zum Start von Atomwaffen. Zum Öffnen ist die als "Biscuit" (Biskuit) bekannte Karte nötig - wie jene, die laut Shelton irgendwann im Jahr 2000 verloren ging.

Ablenkungsmanöver

Bei zwei Gelegenheiten, so zitieren US-Medien aus Sheltons Buch, hätten Mitarbeiter des Weissen Hauses Militärvertretern auf Anfragen gesagt, die Karte könne derzeit nicht ausgewechselt werden, weil sie der Präsident bei sich habe.

Dieser befinde sich in einer Konferenz und könne nicht gestört werden. Das habe sich dann als falsch herausgestellt.

"Zu einem Zeitpunkt der Clinton-Regierung waren die Codes tatsächlich abhanden gekommen", schrieb Shelton. "Das war ein dickes Ding, ein gigantische Ding."

Neues Sicherheitssystem

Die nationale Sicherheitsberaterin von George W. Bush, Fran Townsend, sagte dem Nachrichtensender CNN, sie könne sich nichts Schlimmeres als das Verlegen der Code-Karte vorstellen.

Es gebe aber vielfältige Sicherungsmechanismen. Selbst wenn die Code-Karte in fremde Hände gelangt wäre, hätte mit ihr allein kein Atomschlag ausgeführt werden können.

Das Sicherheitssystem wurde offenbar inzwischen auch geändert: So wartet der Pentagon-Vertreter bei seiner monatlichen Überprüfung, bis der Präsident oder sein Mitarbeiter ihm die Karte zeigt; eine mündliche Zusicherung reicht nicht mehr aus.