Libyen

Ex-Aussenminister plaudert Gaddafis Geheimnisse aus

Machthaber und Despot Gaddafi

Machthaber und Despot Gaddafi

Fünf Monate nach Beginn des Aufstandes gegen Machthaber Gaddafi packt dessen früherer Aussenminister aus. Abdurrahman Schalgam, der von 2000 bis 2009 Minister war, berichtet von schmutzigen Geschäften, Attentaten und barbarischen Racheakten.

In Interviews mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Samstag) erzählt er unter anderem, wie Gaddafi 1983 einen ehemaligen Weggefährten, der nach einem gescheiterten Putschversuch ins Exil gegangen war, aus Marokko zurückholen liess, um ihn in Libyen "wie ein Schaf zu schlachten". Angeblich zahlte Gaddafi dafür an die Marokkaner 200'000 US-Dollar.

Dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak soll Gaddafi ein Flugzeug geschenkt haben. Der langjährige ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman, der auch im Nahost-Friedensprozess eine Rolle spielte, war nach Angaben des Ex-Diplomaten "Libyens Mann in Ägypten". Im Jemen unterstützte Gaddafi laut Schalgam verschiedene bewaffnete Gruppen.

Befehle per Telefon

Auch über die Macken des Gewaltherrschers breitet sich Schalgam aus. Angeblich hasst es Gaddafi, Dokumente zu unterzeichnen. Er regiere lieber mit telefonischen Anweisungen, sagt Schalgam.

Was niemanden überrascht, der Gaddafi kennt: "Er hält sich selbst für eine aussergewöhnliche Persönlichkeit", urteilt Schalgam. Der Politiker hatte den Ministerposten 2009 an Mussa Kussa abgegeben und war Botschafter Libyens bei den Vereinten Nationen in New York geworden.

Sowohl Kussa als auch Schalgam reichten ihren Rücktritt ein, nachdem Gaddafi begonnen hatte, den Aufstand gegen sein Regime mit der Armee und ausländischen Söldnern zu bekämpfen.

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