Die US Air Force macht keinen Hehl daraus, wofür sie das Geld einsetzt: «Wir müssen unsere technologische Überlegenheit bewahren, die Nation schützen – und unsere Gegner überrumpeln.» So begründet das US-Militär die knapp 200 000 Dollar, die es zur Bewahrung seiner Dominanz in ein Forschungsprojekt steckt. Der Empfänger des Geldes sitzt allerdings nicht in den USA, sondern in der Schweiz: Es ist die ETH Zürich. Die Eidgenössische Technische Hochschule forscht im Dienste der amerikanischen Streitkräfte.

Der 200'000-Dollar-Deal läuft bis September 2020. Das geht aus einer von der US-Regierung betriebenen Website für Staatsausgaben hervor. Die ETH selbst weist den Geldgeber öffentlich nicht aus. Und es existieren weitere Projekte mit US-Beteiligung. Die Trump-Regierung steckte in den vergangen zwei Jahren 600'000 Dollar in die Hochschule. Noch mehr erhielt die Schwester-Universität: Fast 1,4 Millionen kassierte die ETH Lausanne (EPFL). Ein Rekord. Den Grossteil bezahlt das Pentagon. Die Air Force und die Navy beteiligen sich an den Kosten.

Darf eine vom Bund finanzierte Hochschule für ausländische Regierungen forschen oder verstossen die Projekte gegen die Neutralitätsklausel? «Dass die US-Armee Forschungen der ETH bezahlt, ist grenzwertig», sagt Ständerätin Anita Fetz (SP/BS). Auch wenn es sich nicht um riesige Beträge handle, müsse das Engagement hinterfragt werden. «Die Air Force möchte die Erkenntnisse für ihre Zwecke nutzen, ansonsten würde sie kein Geld in die Projekte stecken», sagt Fetz.

Die ETH Zürich widerspricht. Es handle sich dabei um Grundlagenforschung, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Im Fall der 200'000 Dollar ginge es konkret um die Optimierung von Algorithmen. «Die US Air Force unterstützt auch nichtmilitärische Forschung.» Zudem würden alle Ergebnisse publiziert. Die Erkenntnisse stehen damit allen Interessierten offen, nicht nur dem Pentagon. Die Zahlung sei – abgesehen von jährlichen Rapporten – an keinerlei Bedingungen geknüpft.

Doch manchmal geht es um mehr als Algorithmen. 2014 investierte die Air Force 140'000 Franken in die ETH. Im Gegenzug tüftelten die Wissenschafter an neuen Flügelmodellen, um Tragflächen von Flugzeugen oder Rotorblätter von Helikoptern zu verbessern. Auch damals stellte sich die ETH auf den Standpunkt der Grundlagenforschung. Was die Air Force aus den Erkenntnissen machte, bleibt offen. Das US-Militär dürfte sich allerdings Vorteile aus den neuen Technologien erhofft haben.

Mag Trump Zürich nicht?

Seit Jahren steckt die US-Regierung Geld in Schweizer Universitäten. Über die Zeit haben sich Millionenbeträge angehäuft (siehe Tabelle). Während sich das Pentagon vor allem für Projekte der beiden ETH interessiert, kommt das Geld für andere Hochschulen meistens von weniger heikler Stelle. Oft unterstützt das amerikanische Gesundheitsdepartement die hiesigen Forscher. Dabei geht es um den Kampf gegen Krebs, Entwicklung neuer Medikamente oder komplexe Bioanalysen.

In der Trump-Ära haben sich die Investitionen allerdings verschoben. Einige Universitäten wie die EPFL, die Universität Lausanne (800'000 Dollar) oder die Hochschule St. Gallen (600'000) bekamen seit Trumps Amtsantritt deutlich mehr Geld als zuvor, manche so viel wie nie. Trumps liebstes Kind scheint die Universität Bern zu sein. Knapp drei Millionen investierte die Regierung alleine in den vergangenen Monaten.

Bei anderen Instituten sind die Gelder hingegen eingebrochen. So erhielt die Universität Zürich gemäss Datenbank in diesem Jahr keinen Cent, 2017 waren es lediglich 8800 Dollar. In der Obama-Ära bezog die Hochschule jährlich bis zu 800'000 Dollar. Mag Trump die Universität Zürich nicht? «Das denke ich nicht», sagt Rektor Michael Hengartner mit einem Schmunzeln. Die Gelder seien meist projektgebunden und könnten sich deshalb von Jahr zu Jahr unterscheiden. Er sieht die US-Finanzierung positiv. «Die Doktrin ‹America first› gilt auch in der Forschung», sagt Hengartner. Wenn also Schweizer Wissenschafter im Wettbewerbsverfahren Gelder erhielten, sei das eine Auszeichnung – und der Beweis, dass amerikanische Institute nicht das Gleiche leisten könnten. «Man muss fast einzigartig auf der Welt sein, um Geld von der US-Regierung zu erhalten», sagt er. Allerdings sei es legitim zu fragen, warum sich das Verteidigungsdepartement für die hiesige Forschung interessiert.

Für Hengartner ist entscheidend, dass die Forschungsfreiheit gewährleistet bleibt und die Ergebnisse für die Allgemeinheit veröffentlicht werden. Meistens erhalten die Universitäten sogenannte Grants. Forscher beantragen Gelder, damit sie ihre eigenen Projekte umsetzen können, nicht Auftragsarbeit ausländischer Regierungen. Trotzdem bleibt das Engagement umstritten. Ständerätin Anita Fetz reagiert nun und will die Finanzierung durch das Pentagon in der Bildungskommission des Ständerats einbringen. «Wir müssen erfahren, wie die Gelder eingesetzt werden und welchem Zweck sie dienen.»