Wo in der Ewigen Stadt Müllcontainer stehen, ist derzeit kaum ein Durchkommen: Im Umkreis von mehreren Metern sind Trottoir und Strassen von stinkenden Abfallsäcken, Altpapier und Glasflaschen übersät.

Weil die Container von der städtischen Müllabfuhr nicht mehr regelmässig geleert werden, werfen die Römer ihren Müll einfach daneben – es bleibt ihnen ja nicht viel anderes übrig. Die seit mehreren Tagen schwelende Krise betrifft vor allem die Wohnquartiere; im historischen Zentrum mit seinen Touristen- und Pilgermassen funktioniert die Entsorgung noch halbwegs.

Als offizielle Begründung für die mitunter tagelange Absenz der Müllautos geben die Behörden Probleme in einigen Betrieben an, in denen der Abfall sortiert und behandelt wird.

Nicht unwesentlich zum Notstand trägt auch ein Bummelstreik der Müllabfuhr bei, der sich gegen die Sparmassnahmen richtet, die Roms Bürgermeister Ignazio Marino bei den städtischen Werken angekündigt hat.

Schon ohne Bummelstreik beträgt der «Absentismus» bei den fast 8000 Angestellten der Römer Müllabfuhr rekordverdächtige 18 Prozent. Bürgermeister Marino hat nun Konsequenzen angedroht: «Die Situation ist absolut inakzeptabel. Der Zeitpunkt ist gekommen, an welchem einige Köpfe rollen müssen.»

Nur: Das Römer Müllproblem ist nicht in erster Linie ein personelles, sondern – wie einst in Neapel – ein strukturelles: Die 3-Millionen-Stadt weiss nicht, wohin mit ihrem Abfall.

Während mehr als drei Jahrzehnten wurde der Dreck einfach in die Deponie von Malagrotta gekarrt – täglich etwa 4000 Tonnen oder 1300 Müllauto-Ladungen.

Mit ihrer Fläche von rund 350 Fussballfeldern war die stinkende Abfallhalde vor den Toren der Stadt die grösste offene Deponie Europas – und nach EU-Recht völlig illegal. In Malagrotta landete alles: Hausmüll, Glas- und PET-Flaschen, Papier, leere Batterien, Matratzen, Kühlschränke – und vieles mehr.

Eine Alternative gibt es nicht

Erst der sozialdemokratische Marino hatte im vergangenen Oktober den Mut, die Deponie zu schliessen. Einen Plan B, mit welchem die Kapazitäten von Malagrotta hätten ersetzt werden können, hatte er jedoch auch nicht: In einem Vorort konnte zwar inzwischen eine Mini-Deponie eröffnet werden, doch der grösste Teil des Römer Mülls wird nun einfach in die Deponien und Verbrennungsanlagen Norditaliens gebracht.

Die Römer Lokalzeitung «Il Messaggero» hat unlängst von einem «Geheimplan» der Stadtbehörden und der Hauptstadtregion Latium berichtet, wonach ein Teil des Römer Abfalls demnächst auch ins Ausland verfrachtet werden soll.

Sollte der Bericht stimmen – und es spricht wenig dagegen – dann wäre die Ewige Stadt tatsächlich gleich weit wie Neapel, wo während der verschiedenen Abfall-Notstände der letzten Jahre die nicht abtransportierten Müllsäcke mitunter bis zum ersten Stock der Wohnhäuser gereicht hatten. Wie in Neapel fehlt auch in Rom ein geschlossener Müll-Kreislauf mit Verbrennungsanlagen für den nicht wiederverwertbaren Abfall.

Müll trennen ist ein Fremdwort

Im Unterschied zu Neapel, wo inzwischen wenigstens eine von vier geplanten Verbrennungsanlagen in Betrieb genommen werden konnte, wurde und wird in Rom der Bau von Verbrennungsöfen schon gar nicht in Betracht gezogen.

Sie gelten in Italien wegen ihrer Abgase noch immer als Teufelswerk. Stattdessen verspricht Marino – wie dies schon seine Vorgänger getan haben –, den Abfall durch vollständiges Recycling zum Verschwinden zu bringen.

Die Wahrheit ist jedoch, dass der Anteil des getrennt eingesammelten Mülls in Rom trotz jahrelanger erzieherischer Bemühungen durch die Behörden (die letzte Initiative war eine rührige, selbst entwickelte Mülltrennungs-App) immer noch bei sehr bescheidenen 40 Prozent liegt.