Mali

Es gibt Hoffnung für die Kulturschätze aus Timbuktus Bibliotheken

Die meisten historischen Schriften sind wohlbehalten (Symbolbild)

Die meisten historischen Schriften sind wohlbehalten (Symbolbild)

Ein Teil der jahrhundertealten Schriften in Timbuktus einzigartiger Bibliothek scheint gerettet. Die neuesten Nachrichten aus Mali lassen nach den Schreckensmeldungen über die Brandschatzung durch islamistische Rebellen hoffen.

Die Nachrichtenlage aus Mali ist weiterhin verworren. Aber in einem sind sich die Nachrichtenquellen einig. Nicht die ganzen Schätze aus den Bibliotheken, aus dem Ahmed-Baba-Zentrum, sind nach der Brandschatzungen der islamistischen Rebellen zerstört.
Die meisten in Timbuktu aufbewahrten historischen Schriften sind bei einem Brandanschlag unbeschädigt geblieben, zitiert die Nachrichtenagentur einen Experten. «Ich kann sagen, dass die überwiegende Mehrheit der Sammlungen nach unseren Berichten anscheinend nicht zerstört oder in irgendeiner Weise beschädigt wurde», sagte Professor Shamil Jeppie von der Universität Kapstadt am Mittwoch. Jeppie ist einer der weltweit führenden Kenner der Manuskripte.


Von einem Malier, der direkt mit der Erhaltung der wertvollen Schriften befasst ist, namentlich aber nicht genannt werden wollte, erfuhr Reuters, dass 95 Prozent der etwa 300 000 Dokumente in Timbuktu und der von Islamisten monatelang kontrollierten Region wohlbehalten seien.
Gegenüber dem «Time Magazin» sagte Mahmoud Zouber, Berater für Islamangelegenheiten unter Expräsident Amadou Toumani Touré: «Die Dokumente sind nicht verbrannt.» Es sei klar gewesen, dass die Manuskripte in der Bibliothek ein attraktives Ziel für Plünderungen und Zerstörung darstellten. Sein Büro sei deshalb im vergangenen Jahr dafür zuständig gewesen, einen Grossteil der Dokumente an einen sicheren Ort zu bringen.

In Sicherheit, aber wo?

Unsicher ist allerdings, wo dieser sichere Ort ist. Vom Vergraben im trockenen Wüstensand reden die einen, vom Einmauern, die anderen und von Transporten nach der Hauptstadt Bamako die dritten.


Timbuktu gehört ist Unesco-Weltkulturerbe - wegen seiner gebauten Stadt und vor allem wegen seiner Schriftentradition. Das Institut Ahmed Baba beherbergt ist das bedeutendste Schriftzentrum der Stadt. Ziel des in den 1970er-Jahren gegründeten Instituts war es, die Manuskripte zu sammeln, zu restaurieren, zu katalogisieren und fachgerecht aufzubewahren. Sie sind historisch mit der Islamisierung Westafrikas verbunden. Die Bibliothek, die zum gleichnamigen Institut gehört, wurde 2009 für etwa 7,5 Millionen Dollar und mit der Unterstützung Südafrikas errichtet.

Frühere Zerstörungen

Zerstörungen durch Islamistische Extremisten gab es schon früher, vor allem in Afghanistan und Pakistan. Im März 2001 hatten die afghanischen Taliban mit viel Aufwand zwei riesige Buddha-Statuen im zentralafghanischen Bamyan gesprengt - es gab einen weltweiten Aufschrei. Die Taliban rechtfertigten die Sprengung damit, dass die Skulpturen Götzen seien und "unislamisch". Taliban-Anführer Mullah Omar erklärte damals: "Muslime sollten stolz darauf sein, Idole zu zerstören. Es war ein Lob für Gott, dass wir sie zerstört haben."

Auch in Pakistan gab es dieses zerstörerische Aktionen, die pakistanische Regierung bezeichnete es 2007 als "Talibanisierung": In der friedlichen Swat-Region hatte ein militanter Islamistenführer sogar ein "Emirat" ausgerufen hat. Und genau wie in Afghanistan richtet sich der Hass der Islamisten auch gegen die Spuren der alten buddhistischen Hochkultur in der Region. Im Nordwesten des Swat-Tals haben damals Islamisten eine 40 Meter hohe, etwa 1300 Jahre alte und sehr bedeutende Buddha-Skulptur zerstört.

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