Anderthalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund haben die Ermittler einen Tatverdächtigen gefasst. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft nahmen Beamte der Spezialeinheit GSG9 am Freitagmorgen einen 28-Jährigen im Raum Tübingen fest.

Dem deutsch-russischen Doppelbürger werden versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Den Ermittlungen zufolge handelte der Mann offenbar aus Geldgier.

Laut Bundesanwaltschaft kaufte er am Tag des Anschlags 15'000 Verkaufsoptionen für die Aktie von Borussia Dortmund. Der Kauf sei über die IP-Adresse des Mannschaftshotels "L'Arrivée" erfolgt, wo der Verdächtige ein Zimmer gemietet hatte. Den Kauf habe der Verdächtige über einen Konsumentenkredit finanziert.

Offenbar wollte der Täter möglichst viele Spieler verletzen oder gar töten, um die Aktie des Vereins zum Absturz zu bringen und dann mit dem Verkauf der Optionsscheine ein Vermögen zu verdienen.

Bei dem Anschlag am Dienstag vergangener Woche waren drei Sprengsätze in der Nähe des Dortmunder Mannschaftsbusses explodiert, als sich die Spieler auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen die AS Monaco befanden. Dabei wurden der Dortmunder Fussballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

Direkt nach dem Anschlag waren am Tatort gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischen Bezügen entdeckt worden. Es wurde aber stets bezweifelt, dass diese Schreiben tatsächlich von Islamisten stammen. Ermittelt wurde deshalb auch in Richtung von Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fussballfans und Allgemein-Kriminellen. 

Polizeieinsatz nach Festnahme dauert an

Nach der Festnahme im Fall des Sprengstoffanschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund dauert der Polizeieinsatz im deutschen Bundesland Baden-Württemberg am Freitagvormittag an. Die Polizei sperrte ein Wohngebiet in Rottenburg ab und durchsuchte ein Gebäude.

Vor dem Haus, das in einer Sackgasse liegt, stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Auch Hunde sind im Einsatz.

Durchsuchungen in vier Städten

Im Zuge der Festnahme eines Verdächtigen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat es Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten gegeben. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach.

Dies teilte das Innenministerium des Bundeslandes am Freitag in Stuttgart mit. Der 28 Jahre alte Tatverdächtige komme aus Freudenstadt. Beamte der Spezialeinheit GSG9 hatten den Mann am Freitagmorgen im Raum Tübingen festgenommen. Er soll aus Habgier versucht haben, möglichst viele Spieler des Vereins zu verletzen oder gar zu töten, um die Dortmund-Aktie zum Absturz zu bringen.

Innenminister Thomas Strobl sagte: "Der Ermittlungserfolg ist für mich einerseits beruhigend. Andererseits erschreckt mich, wenn sich der Tatverdacht erhärtet, die besonders verwerfliche kriminelle Energie, mit der der Täter zu Werke ging - Geldgewinn auf Kosten einer Vielzahl von Menschenleben." Das sei perfide und abstossend.

Kredite im Umfang zehntausender Euro

Der Verdächtige hat nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Verbraucherkredite in Höhe von mehreren zehntausend Euro aufgenommen. Mit dem Geld setzte er auf fallende Kurse der BVB-Aktie, und zwar mittels sogenannter Put-Optionen.

Er kaufte drei verschiedene dieser Papiere, wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Freitag in Karlsruhe sagte. Die meisten erwarb er demnach am Tag des Anschlags.

Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte der Gewinn den Ermittlern zufolge "ein Vielfaches des Einsatzes" betragen. Zum maximalen Gewinn könne die Bundesanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nichts sagen, teilte Köhler mit. Berechnungen von Finanzermittlern des Bundeskriminalamts stünden noch aus.

Die Aktie des Fussballklubs notierte am 11. April vor dem Anschlag bei 5,65 Euro. Am Tag danach sank der Wert bis auf 5,50 Euro - also lediglich um etwa drei Prozent. Selbst nach der Niederlage des BVB gegen den AS Monaco am 13. April ging die Aktie nur bis auf 5,38 Euro nach unten. Put-Optionen haben aber eine Hebelwirkung.