Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, erklärte, die Aufständischen hätten inzwischen fast im ganzen Land die Oberhand. Nur Sirte, die Heimatstadt von Gaddafi, Sebha und das südöstlich von Tripolis gelegene Bani Walid seien nicht unter Kontrolle von Rebellenkämpfern, sagte er bei einem Besuch in Ankara.

Doch auch das Gebiet um den Flughafen von Tripolis war am Freitag noch heftig umkämpft. Kampfflugzeuge der NATO unterstützten die Rebellen um Sirte und griffen nach Angaben der Allianz 29 gepanzerte Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen in der Nähe der Stadt an. Britische Kampfjets nahmen zudem einen Bunker ins Visier, der den Gaddafi-Truppen als Kommando- und Kontrollzentrale diente.

Die Aufständischen riefen die Einwohner von Sirte dazu auf, die Stadt kampflos zu übergeben. Im Gegenzug sollten nur aus Sirte stammende Kämpfer in die Küstenstadt einrücken, hiess es.

Spezialeinheiten suchen Gaddafi

Von Muammar al-Gaddafi fehlt weiterhin jede Spur. Sondereinheiten der Rebellen durchkämmten am Freitag verschiedene Viertel der Hauptstadt nach dem Diktator und seinen Söhnen.

Seine Feinde gehen davon aus, dass sich der langjährige Machthaber weiter in Tripolis aufhält. Dennoch fürchten sie, dass es ihm gelingen könnte, die Stadt durch das umfangreiche Netz unterirdischer Gänge und Bunker zu verlassen.

Folter und Exekutionen

Menschenrechtsorganisationen und ausländische Reporter berichteten unterdessen von Gräueltaten auf beiden Seiten. Aus den Kampfgebieten häufen sich Berichte über Folter und Exekutionen von Gefangenen. Fernsehsender zeigten Bilder von Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen.

Während der Gefechte in Tripolis starben mindestens 80 Patienten eines Spitals in einem umkämpften Viertel wegen fehlender Versorgung. Ärzte berichteten, Heckenschützen der Gaddafi-Truppen hätten bis Donnerstag jeden auf Distanz gehalten, der sich dem Spital im Viertel Abu Slim nähern wollte.