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Er war der Vertraute von Willy Brandt: SPD-Legende Egon Bahr ist gestorben

Der deutsche SPD-Politiker Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Bahr galt als Baumeister der deutschen Ostpolitik.

Der deutsche SPD-Politiker Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Bahr galt als Baumeister der deutschen Ostpolitik.

Der deutsche SPD-Politiker Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Bahr galt als Baumeister der deutschen Ostpolitik. Die Karriere des 1922 in Thüringen geborenen SPD-Politikers war eng mit dem ersten SPD-Bundeskanzler Willy Brandt verknüpft.

"Mit grosser Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der Nachrichtenagentur dpa. Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen "mutigen, aufrichtigen und grossen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer".

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Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den Verstorbenen als einen "bedeutenden politischen Akteur der deutschen Nachkriegsgeschichte". Mit seinem Einsatz für eine Aussöhnung mit den Ländern des Ostens habe Bahr gezeigt, "dass uns Deutschen Geschichte gelingen kann", schrieb Gauck in einem Kondolenzbrief an Bahrs Witwe Adelheid.

Mit Moskau und Warschau verhandelte Bahr über Verträge zu einem Gewaltverzicht und zur Normalisierung der Beziehungen. Er war erst Ende Juli noch in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukraine-Krise ausgesprochen.

Sie leiteten die politische Wende ein im Umgang mit der Sowjetunion: SPD_Kanzler Willy Brandt (Mitte) mit seinem Vertrauten Egon Bahr (rechts) und Moskaus Aussenminister Leonid Breschnew (l.).

Sie leiteten die politische Wende ein im Umgang mit der Sowjetunion: SPD_Kanzler Willy Brandt (Mitte) mit seinem Vertrauten Egon Bahr (rechts) und Moskaus Aussenminister Leonid Breschnew (l.).

Bahrs Expertise war auch andernorts bis zuletzt gefragt. So suchte er die Annäherung an die DDR, um die deutsch-deutschen Verhältnisse zu verbessern. Er wirkte unter anderem als Staatssekretär im Bundeskanzleramt.

Im Jahr 1972 wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben. Nach dem Rücktritt Brandts im Jahr 1974 wurde Bahr unter Nachfolger Helmut Schmidt Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

"Wandel durch Annäherung war sein Ziel, mehr Wandel, als wir alle erlebt haben, war letztlich nicht zu erreichen. Schon seit 1990 suchte er auch das Gespräch mit meiner Partei, mit mir", sagte der Vorsitzende der Linken-Fraktion im deutschen Parlament, Gregor Gysi. Bahr sei "für geregelte vernünftige Beziehungen zur Sowjetunion, zu ganz Osteuropa, einschliesslich der DDR" eingetreten.

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