Frankreich

Empörung über «Idiotenwand» von französischer Richtergewerkschaft

Französische Justizministerin Christiane Taubira (Archiv)

Französische Justizministerin Christiane Taubira (Archiv)

Eine Pinnwand in den Räumen einer französischen Richtergewerkschaft, auf der unter dem Titel «Idiotenwand» die Fotos zahlreicher Politiker hängen, hat in Frankreich die Wellen hochschlagen lassen.

Die sozialistische Justizministerin Christine Taubira verurteilte am Donnerstag ein "mindestens unangebrachtes Verhalten" der linksgerichteten Gewerkschaft SM und rief die oberste Richteraufsicht des Landes an. Das Gremium müsse prüfen, ob die Richter gegen ihr Berufsethos verstossen hätten.

Die "Idiotenwand" in den Räumen der Richtergewerkschaft in Paris ist auf einem von der Internet-Nachrichtenseite Atlantico veröffentlichten Video zu sehen. Die meisten Fotos zeigen konservative Politiker, unter ihnen Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy und Ex-Innenminister Brice Hortefeux.

Zu sehen ist aber auch der derzeitige sozialistische Innenminister Manuel Valls. Auf einem Blatt Papier steht: "Bevor Sie einen weiteren Idioten hinzufügen, stellen Sie sicher, dass er nicht schon da ist."

Der sozialistische Parlamentspräsident Claude Bartolone sprach von einem "unerträglichen" Verhalten der Richter. "Es gibt Dinge, die tut man nicht", sagte Bartolone dem Sender RTL. Richter müssten auf das Bild achten, das sie gegenüber den Franzosen abgäben.

Der Chef der konservativen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, hatte zuvor gesagt: "Das ist empörend, das ist ein absoluter Skandal."

Die Richtergewerkschaft SM beklagte dagegen "politische Agitation". Die Wand sei unter der Präsidentschaft Sarkozys eingerichtet worden, als Richter "von allen Seiten attackiert" worden seien, sagte SM-Präsidentin Françoise Martres der Nachrichtenagentur AFP. Sie betonte zudem, das nun veröffentlichte Video der "Idiotenwand" sei an einem "privaten Ort" aufgenommen worden, der nicht öffentlich zugänglich sei.

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