Conte kündigte eine Sondersitzung des Ministerrats an, um noch diese Woche den Notstand in mehreren Gebieten, darunter Friaul, Trentino Südtirol, Venetien, Ligurien und Sizilien, auszurufen.

Durch diesen Schritt sollen sofort Sonderfinanzierungen für die von Niederschlägen und Stürmen verwüsteten Regionen zur Verfügung gestellt werden können. "Die Lage ist durchaus kritisch", sagte Conte. In den nächsten drei Jahren werde die Regierung eine weitere Milliarde Euro für Projekte zur Vorbeugung von Naturkatastrophen aufwenden, kündigte der Premier an.

Die Stadt Palermo nahm am Dienstag Abschied von den neun Menschen, alles Mitglieder einer einzigen Familie, die am Samstag bei der Überschwemmung eines Landhauses in Casteldaccia auf Sizilien ums Leben gekommen sind. Eine riesige Menschenmenge beteiligte sich an der Zeremonie in der Kathedrale, bei der ein Trauertag ausgerufen wurde.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Die schweren Folgen der Unwetterkatastrophe haben auch Ermittlungen zur Folge. Laut den Behörden dürften Bauvorschriften missachtet worden sein, der Verdacht lautet auf fahrlässige Tötung. Der Bürgermeister von Casteldaccia, Giovanni Di Giacinto, berichtete, dass die Gemeinde im Jahr 2008 eine Anordnung erlassen hatte, das Landhaus abzureissen, da es ohne Genehmigungen zu nahe an dem Bach gebaut worden war. Die Anordnung war jedoch nie ausgeführt worden. Das Bachbett hätte zudem längst gereinigt gehört.

Inzwischen tobt in Italien eine hitzige Diskussion über Bausünden. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde Istat wird etwa jedes fünfte neue Gebäude ohne Baugenehmigung errichtet. Die regionalen Unterschiede sind gross: In Norditalien entstehen nur 6,7 Prozent der neuen Gebäude illegal, in Mittelitalien sind es 19 Prozent und in Süditalien 47 Prozent. Spitzenreiter ist die Region Kampanien, wo 64 Prozent aller neuen Bauten illegal errichtet werden.