Mexiko

«El Chapo» liess sich von Sean Penn im Dschungel interviewen

Der Beweis: Sean Penn (links) trifft «El Chapo» zum Interview. Sean Penn

Der Beweis: Sean Penn (links) trifft «El Chapo» zum Interview. Sean Penn

In der Hollywood-reifen Saga um Mexikos mächtigsten Drogenboss ist eine spektakuläre Episode hinzugekommen: Drei Monate, bevor Joaquín «El Chapo» Guzmán vom mexikanischen Militär geschnappt wurde, empfing er US-Schauspieler Sean Penn im Dschungel

Der Drogenboss hoffte wohl auf einen Film über sein Leben. Aber das Treffen half den Fahndern offenbar, Guzmán zu orten. Am Freitag wurde der 58-Jährige von den mexikanischen Fahndern gefasst.

Das US-Magazin "Rolling Stone" berichtete am Samstag in allen Einzelheiten über das konspirative Treffen im Dschungel, dem monatelange Geheimverhandlungen vorausgegangen waren. Penn schrieb im "Rolling Stone", er habe sich am 2. Oktober sieben Stunden lang mit Guzmán auf einer Dschungellichtung getroffen.

Das Magazin druckte ein Foto, auf dem Penn dem Drogenboss die Hand gibt. "Er hat mich in eine kumpelhafte Umarmung gezogen, mir in die Augen geschaut und eine lange spanische Begrüssung gesprochen", erinnert sich Penn.

Und zwischen zwei Schlucken Tequila habe "El Chapo" mit seinen Verbrechen geprahlt: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt", gab ihn Penn wieder. "Ich habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen."

Kein Schuldbewusstsein

Bei der Begegnung sagte Guzmán Penn zu, auch vor der Kamera zu sprechen. Zu einem weiteren Treffen kam es nicht, aber der Drogenboss übermittelte dem Schauspieler ein Video mit Antworten auf dessen Fragen. Ausschnitte davon zeigte der "Rolling Stone" auf seiner Website.

"Es ist eine Realität, dass Drogen zerstören", sagt er auf Spanisch. "Leider gab es dort, wo ich aufgewachsen bin, keine andere Möglichkeit zu überleben - und es gibt sie noch immer nicht."

Schuldbewusstsein über das durch seine Drogen hervorgerufene Elend zeigt er nicht. "An dem Tag, an dem ich nicht mehr existiere, wird das absolut nicht weniger werden."

Ermittler wussten Bescheid

Den Kontakt zwischen Penn und "El Chapo" stellte die mexikanische Schauspielerin Kate de Castillo her. Sie stand mit Guzmán wegen eines Filmprojekts über sein Leben in Kontakt.

Womöglich verfolgten die Ermittler die Kontakte und orteten Gespräche. "Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt Penn.

Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez hatte am Freitag berichtet, die Behörden seien über Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen. Der Drogenboss habe offenbar gehofft, es werde ein Film über ihn gedreht. Nach Angaben eines mexikanischen Regierungsmitarbeiters soll die Dschungel-Begegnung den Fahndern geholfen haben, Guzmán zu orten.

Verzweifelter Fluchtversuch

Auch wenn den Fahndern die Begegnung also nicht entging, so dauerte es doch mehr als drei weitere Monate, um den Verbrecher am Freitag zu ergreifen. Marine-Infanteristen fassten den Chef des Sinaloa-Kartells am Freitag in der Stadt Los Mochis im Westen des Landes. Bei dem Einsatz kamen fünf mutmassliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen.

Nach einem Zugriffsversuch in einem Haus floh Guzmán laut Ermittlern zunächst durch die Kanalisation, schaffte es noch, ein Auto zu stehlen, bevor er schliesslich doch noch gestellt und in ein Motel gebracht. Fotos zeigten ihn in schmutzigem Unterhemd in Handschellen auf einem Bett.

Vorbereitungen für Auslieferung

Diesmal soll es seine letzte Flucht gewesen sein. Der Drogenboss war schon mehrfach wieder entkommen - zuletzt im Juli: Unter der Dusche in seiner Zelle im vermeintlichen Hochsicherheitsgefängnis Altiplano war ein 1,5 Kilometer langer Tunnel gegraben worden, durch den er eines Tages einfach davon lief.

Bislang weigerten sich die mexikanischen Regierungen, "El Chapo" an die USA auszuliefern, wo er wegen Drogenhandels angeklagt werden soll. Am Samstag kündigte die Regierung in Mexiko-Stadt nun aber an, die Auslieferung vorzubereiten - um den Staatsfeind Nummer eins loszuwerden.

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