Der Gipfel in Kanada war zu Ende, alle Delegationen sind aus La Malbaie abgereist und die Pressekonferenzen abgehalten. Mühsam hatten sich die Vertreter der G7-Staaten zu einer gemeinsamen Erklärung durchgerungen. Trump sage sogar, der Gipfel sei «ausgesprochen erfolgreich» verlaufen – doch dann kam alles irgendwie anders. Doch was ist genau passiert? Der Reihe nach!

1. Trudeaus Rede soll der Auslöser sein

Kanadas Trudeau hatte am Samstag in seiner Abschluss-Pressekonferenz gesagt, die Strafzölle, die Trump mit der Wahrung der amerikanischen Sicherheitsinteressen begründet, seien «etwas beleidigend». Kanada werde seinerseits die USA mit höheren Zöllen belegen. «Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren.»

Hier Spricht Justin Trudeau Klartext.

2. Trumps Ausraster

Längst auf dem Weg nach Asien, zieht US-Präsident Donald Trump stocksauer die Unterstützung des Dokuments zurück. In zwei wuchtigen Tweets gibt der Amerikaner dem Gastgeber des G7 die Schuld, Kanadas Premier Justin Trudeau. Ein falsches Statement habe er nach dem Gipfel abgegeben, nachdem er sich zuvor so bescheiden und demütig gegeben habe. Unehrenhaft sei das und schwach, polterte Trump. Mit ihren Zöllen reagierten die USA doch nur auf die Handelspolitik Kanadas! Einmal mehr stellt er sein Land als Opfer dar.

«Basierend auf den falschen Aussagen von Justin (Trudeau) bei seiner Pressekonferenz und dem Fakt, dass Kanada den amerikanischen Bauern, Arbeitern und Firmen massive Zölle berechnet, habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.»

Trump bezeichnete Trudeau als «sehr unehrenhaften und schwachen Gastgeber». Er drohte zugleich erneut mit Strafzöllen auf Autoimporte.

3. Trudeaus Reaktion

Zunächst reagiert Trudeau nicht auf Trumps Tweets, sondern lächelt den Affront beim bilateralen Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri weg. Später liess er sein Büro eine dürre Mitteilung verschicken: «Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben. Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat – sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten.»

Justin Trudeau und Mauricio Macri (rechts) während des Gipfels. Zu diesem Zeitpunkt schien die Welt noch in Ordnung zu sein.

Justin Trudeau und Mauricio Macri (rechts) während des Gipfels. Zu diesem Zeitpunkt schien die Welt noch in Ordnung zu sein.

4. EU steht zur G7-Erklärung

Die EU will trotz des völlig überraschenden Rückziehers von US-Präsident Donald Trump zu der G7-Gipfelerklärung stehen. «Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde», sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zu Sonntag der Nachrichtenagentur DPA.

EU-Ratspräsident Donald Tusk gab bekannt, dass die EU weiterhin zur G7-Erklärung steht.

EU-Ratspräsident Donald Tusk gab bekannt, dass die EU weiterhin zur G7-Erklärung steht.

5. US-Senator McCain rügt Trump und sagt Verbündeten Unterstützung zu

Der republikanische US-Senator John McCain hat Präsident Donald Trump wegen dessen nachträglichen Ausstiegs aus der G7-Abschlusserklärung gerügt. Er wendete sich direkt an die Bündnispartner und sagte ihnen Unterstützung zu.

«An unsere Verbündeten: die parteiübergreifende Mehrheit der Amerikaner bleibt für freien Handel, für Globalisierung & unterstützt Bündnisse, die auf 70 Jahre lang gemeinsam geteilten Werten basieren», schrieb der 81-Jährige, der an einem Hirntumor erkrankt ist, am späten Samstagabend auf Twitter.

McCain missbilligt Trumps Verhalten und sichert seine Unterstützung zu.

«Die Amerikaner stehen zu euch, auch wenn es unser Präsident nicht macht.» Trump, wie McCain ebenfalls Republikaner, hatte seinen Schritt mit der Haltung des kanadischen Gastgebers des Gipfels in La Malbaie, Justin Trudeau, zu US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium, erklärt. (sda/dpa/vom)