IS-Kämpfer

Einsperren oder integrieren? Wie verschiedene Länder mit «ihren» Extremisten umgehen

Mehr als 40 000 Ausländer aus rund 120 Staaten haben sich in den vergangenen Jahren islamistischen oder anderen Gruppen in Syrien angeschlossen.

Mehr als 40 000 Ausländer aus rund 120 Staaten haben sich in den vergangenen Jahren islamistischen oder anderen Gruppen in Syrien angeschlossen.

Das Anti-Radikalisierungs-Netzwerk der EU (RAN) schätzt, dass rund 5000 der ausländischen Kämpfer aus westeuropäischen Ländern stammen.

Mehr als 40 000 Ausländer aus rund 120 Staaten haben sich in den vergangenen Jahren islamistischen oder anderen Gruppen in Syrien angeschlossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war bei der Rekrutierung von Ausländern die erfolgreichste, aber keineswegs die einzige Organisation. Das absehbare Ende des Krieges nach den militärischen Erfolgen der syrischen Armee, die beinahe vollständige Niederlage des IS und zuletzt die Forderungen von US-Präsident Donald Trump an die Europäer lassen die Frage nach dem Umgang mit den ausländischen Kämpfern in Syrien dringender werden.

Das Anti-Radikalisierungs-Netzwerk der EU (RAN) schätzt, dass rund 5000 der ausländischen Kämpfer aus westeuropäischen Ländern stammen. Unter den EU-Staaten sticht Frankreich mit etwa 1900 Extremisten heraus. Aus Deutschland sollen rund 1000 Kämpfer nach Syrien gegangen sein. Schätzungsweise 5500 Kämpfer – darunter etwa 300 Deutsche – sind inzwischen in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Viele IS-Mitglieder sagen von sich selbst, dass sie den Dschihadisten lediglich auf friedliche Weise als Köche oder Verwaltungsmitarbeiter gedient haben – ihnen die Teilnahme an Gefechten oder Gräueltaten nachzuweisen, ist schwierig. Eine britische Frau und ihre beiden Töchter, die beim IS gefasst wurden, gaben laut Medienberichten sogar an, sie seien während einer Urlaubsreise «zufällig» bei den Extremisten gelandet.

Bei ihrem Vormarsch gegen die letzten noch verbliebenen Gebiete des IS im Osten Syriens haben die mit den USA verbündeten Truppen der Kurdenmiliz YPG viele ausländische Dschihadisten gefangen genommen und deren Familienangehörige in Auffanglagern untergebracht.

Kämpfer könnten freikommen

Die Reaktion der Heimatländer der Extremisten ist unterschiedlich. Die russische Regierung etwa kennt bei den Kämpfern kein Pardon. Russland wolle die Extremisten in Idlib «auslöschen» und sie nicht nach Hause zurücklassen, schrieb Marc Pierini von der Denkfabrik Carnegie Europe in einer Analyse. Unterdessen bereiten die USA laut Medienberichten das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba für die Unterbringung amerikanischer IS-Kämpfer vor.

In Westeuropa gibt es keine einheitliche Haltung. Deutschland zögert mit einer Rücknahme extremistischer Bundesbürger und verweist auf die schwierige Beweisführung gegen mutmassliche IS-Mitglieder: Es bestehe das Risiko, dass gewaltbereite IS-Anhänger in Deutschland freikämen.

Grossbritannien hat zwei besonders berüchtigten IS-Mitgliedern die britische Staatsbürgerschaft entzogen und ist mit ihrer Überstellung nach Guantánamo einverstanden. Frankreich und Norwegen wollen ihre Staatsbürger nach einer Heimkehr vor Gericht stellen. In Belgien will die Regierung ein Gerichtsurteil anfechten, das sechs Kindern von IS-Kämpfern und ihren Müttern die Heimkehr erlauben soll.

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