Nahost

Einigung zwischen Israelis und Palästinensern nach 50 Kampftagen

Eine palästinensische Familie feiert die Waffenruhe in Gaza

Eine palästinensische Familie feiert die Waffenruhe in Gaza

Die Waffenruhe für den Gazastreifen hat sich als belastbar erwiesen: Nach 50 Tagen Gewalt mit mehr als 2200 Toten habe es keinen Raketenbeschuss auf Israel und keinen Luftangriff im Gazastreifen mehr gegeben, sagte eine israelische Militärsprecherin.

Das Abkommen, das unter ägyptischer Vermittlung zustande kam, sieht unter anderem eine teilweise Aufhebung der Blockade des Gazastreifens vor. Nach Angaben der ägyptischen Regierung sollten die Grenzübergänge nach Israel umgehend geöffnet werden, um humanitäre Hilfe und Baumaterial in das abgeriegelte Küstengebiet zu bringen.

Zudem werde den Palästinensern der Fischfang in einem Gebiet von bis zu sechs Seemeilen vor der Küste erlaubt. Israel besteht aber darauf, die Einfuhr zu kontrollieren, um einen Missbrauch der Güter für militärische Zwecke zu verhindern.

Im Gazastreifen strömten Palästinenser in Geschäfte und Banken, um nach 50 Tagen Krieg einzukaufen und Geld abzuheben. Tausende, die vor den wochenlangen Bombardements und Häuserkämpfen flohen und Unterschlupf in Schulen oder bei Verwandten suchten, kehrten zu ihre Häuser zurück. Viele fanden nur noch Trümmerberge vor.

Beide Seiten feiern Sieg

Beide Seiten feierten sich nach der Einigung als Sieger. Die Hamas erklärte, die Palästinenser hätten einen "militärischen Sieg" eingefahren, weil sie angesichts der israelischen Angriffe "standhaft" geblieben seien.

Bereits nach der Verkündung der Waffenruhe durch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten in Gaza tausende Menschen bis spät in die Nacht auf den Strassen gefeiert. Freudenschüsse wurden abgegeben, von den Minaretten der Moscheen schallten Lobgesänge.

Die Hamas habe keines ihrer Ziele erreicht, sagte demgegenüber einer der Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Liran Dan, im Armeeradio.

Netanjahu sah sich allerdings auch mit Kritik konfrontiert. In der israelischen Tagezeitung "Maariv" hiess es etwa, man könne nicht von einem Sieg Israels sprechen. Der Konflikt habe dazu geführt, dass die Tourismusindustrie zusammengebrochen sei und sich die Wirtschaft in Richtung Rezession bewege.

Viele Punkte noch strittig

Binnen eines Monats soll nun in Kairo über viele grundsätzliche Probleme verhandelt werden, die den Konflikt heraufbeschworen hatten. Dazu zählen die israelische Forderung nach einer Demilitarisierung des Gazastreifens sowie die palästinensische Forderung nach einem Flughafen und einem Hafen für das Küstengebiet.

Das Golfemirat Katar, einer der wichtigsten Unterstützer der Hamas, äusserte die Hoffnung, dass das Abkommen dazu beitragen werde, "das Leiden des palästinensischen Volkes zu beenden und seine legitimen Forderungen zu erfüllen".

Iran begrüsste die Waffenruhe und legte sie als eine grosse Niederlage für Israel aus. Die jüngste Entwicklung habe ein weiteres Mal bewiesen, dass der Widerstand gegen Israel der einzige Weg für eine Befreiung Palästinas sei, teilte das Aussenministerium in Teheran mit.

Die blutige Konfrontation hatte am 8. Juli mit einer israelischen Militäroffensive begonnen, die den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Palästinensergebiet beenden sollte. Insgesamt 2143 Palästinenser wurden seither getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Darunter waren nach UNO-Angaben fast 500 Kinder. Auf israelischer Seite wurden in den vergangenen Wochen 64 Soldaten, fünf israelische Zivilisten und ein thailändischer Landarbeiter getötet.

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