Parteitag

Eine schrecklich nette Familie – Superman Donald führt die Trumps an

Don Junior, Melania (die aktuelle Ehefrau), Donald, Ivanka, Eric und Tiffany kurz vor Trumps Wahl 2016.

Don Junior, Melania (die aktuelle Ehefrau), Donald, Ivanka, Eric und Tiffany kurz vor Trumps Wahl 2016.

Die Trumps präsentieren sich am Parteitag in der Manier einer Dynastie. Die Rollen sind klar verteilt. Die Republikaner stellen ihren Präsidenten ins Zentrum.

Ist das bereits die Kehrtwende? Unter Republikanern macht sich vor dem letzten Abend des Wahlparteitags eine Spur Optimismus breit. Und zwar nicht nur, weil die Inszenierung am nationalen Konvent bisher weitgehend fehlerfrei über die Bühne ging – sondern auch, weil Präsident Donald Trump das Weisse Haus hemmungslos als Requisite einsetzt und sich um Normen foutiert, die sicherstellen, dass Staatsangestellte nicht Wahlkampf betreiben.

Den Republikanern ist es gelungen, einen deutlichen Kontrapunkt zum Parteitag der Demokraten in der vorigen Woche zu setzen. Während der Parteikonvent der Demokraten ganz im Zentrum der Coronapandemie stand, stellen die Republikaner alleine ihren Präsidenten ins Zentrum.

Donald, 74: Der Superman

Der fünffache Familienvater und aktuelle US-Präsident Donald Trump wird heute Abend seinen Auftritt haben.

Der fünffache Familienvater und aktuelle US-Präsident Donald Trump wird heute Abend seinen Auftritt haben.

Der 74-Jährige sei ein Supermann, behaupteten Redner nach Redner nach Redner, der das Land auf Vordermann bringe – und sich gegen den vereinten Widerstand des Establishments und der Medien durchsetzen werde.

Vielleicht stösst diese Botschaft tatsächlich auf offene Ohren. Trotzdem: Auffällig ist es schon, wie stark die Republikaner den Fokus auf den Präsidenten setzen – einem Politiker, der bei mehr als der Hälfte der Amerikaner höchst unbeliebt ist. Dazu passt, dass sich für Trump nicht nur Politiker oder Aktivisten ins Zeug legen, sondern auch fast sämtliche erwachsenen Mitglieder seiner engeren Familie – von Gattin Melania bis hin zu Schwiegertochter Lara, der Frau seines Sohnes Eric; von Kimberley Guilfoyle, der aktuellen Freundin von Donald Trump Junior, bis hin zu Ivanka, dem heimlichen Star der Sippe. Die Trump-Präsidentschaft: ein Familienunternehmen.

Doch welche Rolle spielen die Mitglieder der illustren Familie beim Wiederwahlversuch ihres Oberhaupts?

Melania, 50: Die Botschafterin

Melania Trump: «Mein herzliches Beileid allen, die jemanden in dieser Krise verloren haben. Ich bete für die Kranken und Betroffenen».

Melania Trump: «Mein herzliches Beileid allen, die jemanden in dieser Krise verloren haben. Ich bete für die Kranken und Betroffenen».

Melania Trump ist die einzige Rednerin am Wahlparteitag der Republikaner, die vor der Realität nicht die Augen verschliesst. Die First Lady, verheiratet mit dem Präsidenten seit 15 Jahren, sprach am Dienstag lange über die «drastischen» Folgen der Coronapandemie und darüber, wie das Virus den Alltag sämtlicher Amerikaner auf den Kopf gestellt habe. Auch sprach sie den Hinterbliebenen der mehr als 178000 Todesopfern ihr Beileid aus.

Aber natürlich steht Melania Trump ihrem Gatten immer noch treu zur Seite. Deshalb verteidigte sie den Präsidenten entschieden gegen den Vorwurf, er nehme seine Arbeit nicht ernst oder sage nicht die Wahrheit. Weil die First Lady aber darauf verzichtete, den politischen Gegner mit Dreck zu übergiessen, sorgte ihre (vorzüglich inszenierte) Rede für Aufsehen. Bereits wird darüber spekuliert, dass sie bis zum Wahltag unentschlossene Wählerinnen von den angeblichen Qualitäten des Präsidenten überzeugen könne.

Donald Junior, 42: Der Stift

Donald Trump jr.: «Peking-Biden wird unsere Wirtschaft und unser Ansehen auf der Weltbühne schwächen».

Donald Trump jr.: «Peking-Biden wird unsere Wirtschaft und unser Ansehen auf der Weltbühne schwächen».

Die Körpersprache. Die Syntax. Die Argumentationsketten. Wenn Donald Trump Junior den Mund auftut, dann gibt es keine Zweifel daran, wer sein Vater ist. Das älteste Kind von Donald Trump ist eine fast perfekte Kopie des Präsidenten. Auch deshalb ist er an der republikanischen Basis äusserst beliebt – bereits wird über eine politische Karriere spekuliert.

Vergessen geht dabei, dass das Verhältnis zwischen ihm und dem berühmten Vater höchst komplex ist. Als Kind litt Donald Junior am stärksten unter dem Rummel, den sein Vater mit der Trennung von seiner Mutter Ivana Trump verursachte. Als junger Erwachsener verbrachte er seine Lehr- und Wanderjahre auf den Skipisten und in den Bars von Aspen (Colorado). Im Gegensatz zu seinen Geschwistern hat Don Junior die Bodenhaftung deshalb nie verloren. Er kann es mit einem Jäger aus Montana genau so gut wie mit einem konservativen Aktivisten aus Florida. Sein Vater tat sich anfänglich schwer mit diesem Willen zur Unabhängigkeit. Seitdem sein Ältester aber erfolgreich Stimmen für ihn sammelt, hat er sich damit abgefunden.

Ivanka, 38: Die Favoritin

Ivanka Trump: Das Lieblingskind von Vater Donald.

Ivanka Trump: Das Lieblingskind von Vater Donald.

Kürzlich fragte Don Junior seinen Vater: Wer ist dein Lieblingskind, «und warum ist es Ivanka?» Das war ein Witz, aber eigentlich ernst gemeint. Es ist kein Geheimnis, dass der Präsident seine älteste Tochter ihren Geschwistern vorzieht. Als einziges Kind dient Ivanka im Weissen Haus als Beraterin, zusammen mit ihrem Gatten Jared Kushner. Während Jared sich primär um den Weltfrieden kümmert – kürzlich vermittelte er einen ambitionierten Pakt zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten –, beschäftigt sich Ivanka mit wirtschaftspolitischen Fragen. So will die Präsidententochter zum Beispiel den Amerikanern das duale Ausbildungssystem schweizerischer Prägung schmackhaft machen.

Oder sie versucht, die chaotische Reaktion des Weissen Hauses auf die Coronapandemie unter Kontrolle zu bringen. Glücklich wirkt Ivanka, die ihr Geld einst als Fotomodell verdiente, dabei nicht. Gerüchtehalber heisst es, sie sei enttäuscht darüber, dass sie in Washington nicht mit offenen Armen empfangen worden sei. Ihren Auftritt an den Parteitagen hat sie erst heute Abend – kurz vor ihrem Vater.

Eric, 36: Der Streber

Eric Trump: «Dad, ich vermisse es, an deiner Seite zu arbeiten».

Eric Trump: «Dad, ich vermisse es, an deiner Seite zu arbeiten».

Ach, Eric. Er ist das mittlere der fünf Präsidentenkinder und jedes Mal, wenn er öffentlich auftritt, scheint er den Versuch zu unternehmen, sich bei seinem Vater in Erinnerung zu rufen. So schloss er seine Rede am Wahlparteitag der Republikaner mit den Worten ab: «Dad, ich vermisse es, jeden Tag an deiner Seite zu arbeiten, aber ich bin verdammt stolz darauf, an der Front dieses Kampfes zu stehen.»

Dabei hätte er diese etwas verzweifelten Appelle an die väterliche Liebe gar nicht nötig. Eric scheint ein fähiger Geschäftsmann zu sein. Als Trump vor dreieinhalb Jahren ins Weisse Haus einzog, übernahm er (theoretisch zusammen mit seinem Bruder Don Junior) die Leitung des Familien-Betriebs, der Trump Organization. Und obwohl das Geschäftsklima nicht immer vorteilhaft war – viele Amerikaner wollen nichts von Hotels, Restaurants oder Weinflaschen wissen, auf denen der Name Trump steht –, erwirtschaftete der Betrieb im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz.

Tiffany, 26: Die Unbekannte

Tiffany Trump: «Als frische Uni-Abgängerin kann ich alle von euch verstehen, die jetzt in diesen unsicheren Zeiten einen Job suchen».

Tiffany Trump: «Als frische Uni-Abgängerin kann ich alle von euch verstehen, die jetzt in diesen unsicheren Zeiten einen Job suchen».

Tiffany Trump ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt – was auch damit zusammenhängt, dass sie das einzige Kind aus der recht kurzen Ehe zwischen Donald Trump und Marla Maples (1993 bis 1999) ist. Nun soll sich dies aber ändern, wie die jüngste Tochter des Präsidenten am Parteitag der Republikaner ankündigte. Denn Tiffany, die soeben die renommierte Georgetown Law School in Washington abgeschlossen hat, möchte ihrem Vater als Bindeglied zu jungen Wählerinnen und Wählern dienen.

Am Dienstag sagte sie, ohne das Gesicht zu verziehen: Weil auch sie kürzlich die Uni abgeschlossen habe, verstehe sie «so viele von euch, die eine Stelle suchen». Ob solche Anbiederungen beim Zielpublikum auf Zustimmung stossen, sei dahingestellt. Immerhin stellte Tiffany mit ihrer Rede unter Beweis, dass auch sie eine treue Mitläuferin des Präsidenten ist. So wetterte sie in ihrer Rede gegen die dunklen Kräfte in den Medien, die darauf bestünden, «parteiische und erfundene Standpunkte» zu verbreiten.

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