Boston

Eine Armee von Ermittlern sucht nach Spuren der Bombenleger

Aus 30 Bundesstaaten wurden Ermittler angefordert

Aus 30 Bundesstaaten wurden Ermittler angefordert

Über 1000 Ermittler aus 30 US-Staaten suchen nach Spuren der Anschläge auf den Boston-Marathon. Noch stehen sie mit leeren Händen da. Die Hoffnung richtet sich auf ein Puzzle der besonderen Art.

Bei Terroranschlägen wie beim Boston-Marathon ist es nicht anders als bei ganz "normalen" Verbrechen, meint Ray Kelly, der Polizeichef von New York. "Die ersten 24 Stunden sind die wichtigsten."

Doch in Boston ist auch am Mittwoch - zwei Tage nach dem Massaker mit drei Toten und über 180 Verletzten - nicht einmal ein Verdächtiger in Haft. Selbst Präsident Barack Obama muss eingestehen, dass die Ermittler im Dunklen tappen.

Abgleich mit weiteren "Fingerabdrücken"

Einen Durchbruch erhofft sich die Polizei jetzt vom Klein-Klein der Forensiker: gesucht wird der "Fingerabdruck" der Bombe. "Signature of a bomb" - wörtlich: die Unterschrift einer Bombe - heisst das neue Schlagwort der Experten.

Simpel gesprochen bauen die Forensiker darauf, dass selbst millimeterkleine Einzelteile des zerfetzten Sprengsatzes ihnen wichtige Hinweise geben, erklärt Barbara Starr, die Sicherheits- und Pentagonexpertin des TV-Senders CNN. Es geht dabei um das Explosivmaterial und Zünder - bis hin zu jedem kleinsten Draht, der verwendet wurde.

Die ersten Teilnehmer des Boston-Marathons sind zurück in der Schweiz

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"Diese Hinweise werden mit hunderten, wenn nicht tausenden "Fingerabdrücken" von Bombenresten verglichen", die die USA rund um die Welt gesammelt haben. Am Ende der Puzzlearbeit könnte es dann Hinweise auf den oder die Täter geben - die Betonung liegt auf: könnte.

Erste Erkenntnisse haben die FBI-Spezialisten bereits zutage gefördert: Der Zünder soll durch eine Art Eieruhr, wie man sie in der Küche benutzt, in Gang gesetzt worden sein, berichtet die "New York Times".

Das Explosivmaterial sei zusammen mit Nägeln und Metallkugeln in einen Schnellkopftopf gefüllt worden, der wiederum vermutlich in einem schwarzen Nylonrucksack versteckt wurde. Ziel sei es eindeutig gewesen, möglichst viele Menschen zu verstümmeln.

"Eine sehr komplizierte Ermittlung"

Doch die Frage ist: Wie heiss sind solche Hinweise wirklich? Offenbar in Ermangelung echter Fahndungserfolge klammert sich die Polizei derzeit an jeden kleinsten Strohhalm. So wurde es US-Fernsehsendern am Mittwoch gestattet, Fotos von Einzelteilen der Bomben zu veröffentlichen. Jetzt soll der Mann von der Strasse weiterhelfen.

"Dies ist eine sehr komplizierte Ermittlung", räumt Richard DesLauriers, Special Agent des FBI am Dienstagabend (Ortszeit) erstaunlich ungeschminkt ein. Soll das heissen: Die Polizei tappt im Dunklen?

Eines scheint sich zu erhärten: Die Bomben sind ganz offenbar eher simpler und primitiver Natur. Bombenbauer von Al-Kaida etwa gelten eher als Profis, die etwa raffiniertere Zünder als eine Eieruhr verwenden. Steckt "home-grown terrorism" dahinter - einheimische Terroristen also, die die Bombe legten?

Andererseits verweist Michael McCaul, Kongressabgeordneter mit Zugang zu Geheimdienstinformationen, darauf hin, dass der Sprengsatz Ähnlichkeiten mit Bomben auf US-Truppen im Irak und Afghanistan hätten, wie die "New York Times" berichtet. Könnten also doch islamistische Gruppen mit im Spiel sein?

Elektronische Ohren sollen Hinweise bringen

Weitere Hoffnungen setzten die Ermittler auf ihre elektronischen Ohren. Zehntausende oder gar hunderttausende Telefongespräche, E-Mails, Facebook-Nachrichten und andere Kommunikationen rund um den Globus werten die Spezialisten derzeit aus.

Es gilt, das sogenannte "pre-attack chatter" zutage zu fördern - Gespräche der Täter oder Helfershelfer, die kurz vor dem Anschlag geführt wurden.

Doch auch dies muss nicht unbedingt zu einem raschen Durchbruch führen. Beim vereitelten Anschlag des "Unterhosenbombers" auf ein Passagierflugzeug, das sich Weihnachten 2009 beim Landeanflug auf Detroit befand, konnten die Experten auch zuvor keine Gesprächsfetzen der Drahtzieher ausmachen.

Später stellte sich heraus: Es gab sehr wohl verschlüsselte Kommunikationen via Handy und Mail - die Experten hatten sie nur nicht erkannt.

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