Der konservative Richter Brett Kavanaugh (53) ist am Freitag seinem Ziel, Mitglied des höchsten Gerichtes in den USA zu werden, ein grosses Stück nähergekommen. Mit 51 zu 49 Stimmen entschied sich der Senat in Washington, die Parlamentsdebatte über die umstrittene Personalie abzuschliessen. Sämtliche Republikaner (mit Ausnahme von Lisa Murkowski aus Alaska) stimmten dabei mit «Ja», während sämtliche Mitglieder der demokratischen Fraktion (mit Ausnahme von Joe Manchin aus West Virginia) «Nein» sagten. Gemäss dem leicht angestaubten Regelwerk der kleinen Parlamentskammer ist damit der Weg frei für eine Schlussabstimmung, die an diesem Wochenende über die Bühne gehen soll. Das Büro von Vizepräsident Mike Pence gab bereits bekannt, dass er sich am Wochenende in der Hauptstadt aufhalten werde. Im Falle eines Patts gibt der Vizepräsident, der formal auch Präsident des Senats ist, nämlich den Stichentscheid ab.

«Ein Mann voller Wut»

Die kurze Debatte am Freitag zeigte, dass die Diskussionen der vergangenen Wochen Wunden hinterlassen haben. So nannte der Republikaner Chuck Grassley, gemeinhin kein Mann der lauten Töne, die Anschuldigungen der Demokraten gegen Richter Kavanaugh «monströs». Radikale linke Kreise hätten sich zum Ziel gesetzt, das Leben eines ehrbaren und unschuldigen Mannes zu zerstören, sagte der langjährige Senator aus Iowa. Und er verwies darauf, dass es der Bundespolizei FBI in den vergangenen Wochen nicht gelungen sei, Menschen zu finden, die die schweren Anschuldigungen gegen Kavanaugh bezeugen könnten. Die Demokratin Dianne Feinstein wiederum sagte, Kavanaugh sei «ein Mann voller Wut und Aggressionen». Er sei nicht zum Richter am Supreme Court geeignet. Feinstein wies auch darauf hin, dass die Vorwürfe gegen Kavanaugh – wonach er als Teenager zu Beginn der Achtzigerjahre mehrere Frauen sexuell belästigt oder genötigt habe – von den FBI-Agenten nicht widerlegt worden seien. Vielmehr könne sich niemand, ausser den angeblichen Opfern Christine Blasey Ford und Deborah Ramirez, an die Vorfälle erinnern.

Kavanaugh selbst bestreitet die Anschuldigungen entschieden. Vor dem Justizausschuss des Senats sprach er vorige Woche über eine politische Verschwörung. Er beschuldigte die Demokraten, sie wollten an ihm Rache nehmen, weil er in den Neunzigerjahren bei den Ermittlungen gegen Präsident Bill Clinton eine führende Rolle gespielt hatte als Berater von Sonderermittler Ken Starr. In einem Meinungsbeitrag, der am Freitag im «Wall Street Journal» abgedruckt wurde, räumte Kavanaugh allerdings auch ein, dass er sich während der Anhörung wohl hin und wieder im Ton vergriffen habe. «Ich war sehr emotional am vorigen Donnerstag», schrieb er, emotionaler als jemals zuvor. «Vielleicht war ich bisweilen zu emotional.»