Spanien

Ein Urteil gegen fünf Vergewaltiger empört ganz Spanien

Gegen ein Gerichtsurteil gegen fünf Vergewaltiger gingen zahlreiche Spanier auf die Strasse. (Symbolbild)

Gegen ein Gerichtsurteil gegen fünf Vergewaltiger gingen zahlreiche Spanier auf die Strasse. (Symbolbild)

Eine brutale Vergewaltigung hielt das Land zwei Jahre lang in Atem. Jetzt ist das Urteil gesprochen. Für viele kommen die Täter zu gut weg. Selbst Carles Puigdemont ist sauer.

Ein Gerichtsurteil hat Ende dieser Woche bei vielen Spanierinnen und Spaniern für Entsetzen gesorgt: Fünf Männer, die wegen Vergewaltigung einer 18-Jährigen vor Gericht standen, wurden wegen «sexuellen Missbrauchs» zu je neun Jahren Haft verurteilt. Ein Strafmass, das weit unter den geforderten 22 Jahren liegt – und der spanischen Bevölkerung arg missfällt.

Im Sommer 2016 war die junge Frau während «Sanfermines», dem «Fest der Stiere» in Pamplona, vergewaltigt worden. Die Täter, die sich selbst «das Rudel» nennen, drängten die Frau in einen Wohnungseingang und vergewaltigten sie alle nacheinander. Whatsapp-Nachrichten, Fotos und Videos belegen die Tat.

Richter wollte Freispruch

Noch am Abend des Urteilsspruches am vergangenen Donnerstag fanden in vielen Städten Demonstrationen unter dem Motto «wir glauben dir» statt. Gründe dafür meinen die Spanier genug zu haben: Einer der drei für den Fall zuständigen Richter wollte den Freispruch. In den vorliegenden Videos gäbe es keinerlei Beweise, dass die Frau nicht damit einverstanden war, so sein Plädoyer.

Dass die Männer wegen «sexuellen Missbrauchs» und nicht wegen «Vergewaltigung» verurteilt worden sind, «stellt einen erheblichen Unterschied dar», wie Pilar Estevez, Frauenrechtlerin und Mitglied der Feministischen Plattform Galiziens («Plataforma feminista gallega»), im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. «Anscheinend braucht es ein explizites Nein und Gegenwehr, damit einem geglaubt wird, dass es sich tatsächlich um eine Vergewaltigung handelt», so Estevez in Anspielung auf das Plädoyer des Richters.

«Eine Schande»

Unter dem Twitter-Hashtag #LaManada (Das Rudel) fällt die Kritik bisweilen heftig aus: «Es ist beschämend. Das sind wir Frauen Spanien also wert», klagt eine Nutzerin. «Heute haben sie alle Frauen verurteilt», beschwert sich eine andere. Selbst namhafte Politiker schalteten sich ein. Etwa Carles Puigdemont: «Es ist eine Schande (...). Wenn der Machismo durch die Tür der Justiz kommt, springt der Rechtsstaat aus dem Fenster.»

Auch die spanische Regierung hat sich zu Wort gemeldet: Sie will nun die Klassifizierung des sexuellen Missbrauchs überprüfen und falls nötig, erneuern. Die Anwälte des Opfers haben indes mitgeteilt, dass sie das Urteil nicht akzeptieren und in Berufung gehen werden.

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