Mexiko

Ein Kater will Bürgermeister werden und ärgert so die Classe Politique

Eine der zahlreichen Fanarbeiten für Kater Morris – angelehnt an das Barack-Obama-Poster «Hope».

Eine der zahlreichen Fanarbeiten für Kater Morris – angelehnt an das Barack-Obama-Poster «Hope».

Er hat 125000 Facebook-Fans, ist schwarz-weiss und hat bisher so viel Medienaufmerksamkeit wie kaum ein anderer Kandidat für ein Bürgermeisteramt in einer unbekannten Stadt: Wieso ist Kater Morris in Mexiko so erfolgreich?

Kater Morris ist schwarz-weiss, hat 125'000 Fans auf Facebook und will bei den anstehenden Regionalwahlen in Mexiko Bürgermeister der Stadt Jalapa werden. «Wählt Morris! So viele Ratten wollen politische Posten, dass nur eine Katze für Ordnung sorgen kann», lautet einer der Slogans auf seiner Webseite www.elcandigato.com. Er habe Erfahrung im Parlament, prahlt Morris auf einem Foto mit einem herzhaften Gähnen. «Wähle Morris, er tut auch nichts», so ein anderes Plakat. Nicht mal öffentliche Wahlkampfauftritte unternimmt er, denn die «verursachten Stress», sagten seine Erfinder Daniel und Sergio der Zeitung «Milenio».

Kater Morris will Bügermeister werden

Kater Morris will Bügermeister werden

Zu seinem Regierungsteam zählt Morris unter anderem Garfield, Hello Kitty und den gestiefelten Kater. Mit der Figur haben die Erfinder offenbar den Nerv ihrer politikmüden Landsleute getroffen: Fantasievoll designte Sticker, selbst bedruckte T-Shirts und Autoaufkleber des sympathischen Raubtiers sind plötzlich der Renner – weit über Jalapa hinaus.

Dank seiner kreativen Sympathisanten hat der Kater das, wovon seine Gegner nur träumen können: Medienaufmerksamkeit, täglich neue Wahlplakate und Spots – und alles kostenlos. Mit welchem Erfindungsreichtum die Fans zugange sind, zeigt ein 26-Sekunden-Spot auf Youtube: Ein Katzen-Standbild, unterlegt mit eintönigem Miauen. Erst die Untertitel bringen Aufklärung: «Wähle Kandidat Morris, er sorgt für mehr Katzenfutter, Bildung für alle Kätzchen, mehr Sicherheit und Arbeitsplätze.»

Korrupter Bundesstaat

Ein humorvoller Seitenhieb auf die dröge Kampagne und die politische Realität im Bundesstaat Veracruz, in dem Morris antritt. Dort regiert seit 80 Jahren die gleiche Partei der Institutionellen Revolution (PRI); der Bundesstaat gilt als einer der korruptesten Mexikos, in dem Polizei, Politiker und Drogenmafia eng miteinander verbandelt sind. Auch die Medien in Veracruz lässt Morris nicht ungeschoren. Sie hätten schon seit langem die kritische Distanz verloren, erklärte er in einem Communiqué.

So viel Erfolg ruft Feinde auf den Plan. Es handele sich um eine Schmutzkampagne, liess der Sprecher des PRI-Kandidaten verlauten. Der Vertreter der konservativen Partei der Nationalen Aktion hält die Katzenkandidatur für «respektlos», und das Wahlinstitut hat dazu aufgerufen, nur für «legal registrierte Kandidaten» zu stimmen. Aber Morris hat auch einige zum Nachdenken gebracht. Wie ein erfundenes Tier ohne einen Pfennig Geld den öffentlichen Raum erobere, sei ein Phänomen, das man studieren müsse, erklärte der Politologe Jacobo Dominguez der Zeitschrift «Proceso».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1