Als es auf der Pressekonferenz nach dem Gipfeltreffen von Helsinki um Syrien ging, warf Wladimir Putin Donald Trump einen Fussball zu: «Mehr wirst Du von mir nicht bekommen», interpretierten russische Reporter das Geschenk ihres Präsidenten nach der gerade zu Ende gegangenen Fussball-Weltmeisterschaft. Wochenlang hatten Experten über einen «grossen Deal» spekuliert, den Trump und Putin über Syrien abschliessen könnten. Die USA würden Assad als Präsidenten akzeptieren und seiner Armee freie Hand lassen, wenn Putin, der seine «carte blanche» in Syrien längst bekommen hat, im Gegenzug für einen Abzug der Iraner und deren Milizen aus dem Bürgerkriegsland sorgt.

Tatsächlich blieb es in Helsinki bei vagen Absichtserklärungen: Trump schwadronierte, wie sehr ihm die Sicherheit Israels am Herzen liege. Um Iran, deutete er in der finnischen Hauptstadt an, brauche man sich ohnehin bald keine Sorgen mehr machen, weil «die Sanktionen bereits greifen würden und das Land am Kollabieren» sei.

Grünes Licht für den Diktator

Putin liess mit kalter Miene wissen, dass «Opfer unter der Zivilbevölkerung leider unvermeidlich sind, wenn Krieg geführt wird». Verantwortlich für den hohen Blutzoll seien «Terroristen» (sprich Rebellen), deren Bekämpfung «ein gemeinsames Anliegen» sei. Trump nahm diese zynische Feststellung unwidersprochen hin und lächelte freundlich. Damit war klar, in welche Richtung es in Syrien weiterhin geht: Die durch massive russische Bombardements unterstützten Assad-Truppen können die «erfolgreiche» Rückeroberung des Landes fortsetzen, ohne von den USA dabei behindert zu werden.

Gut 65 Prozent des Landes hat Baschar al-Assad bereits zurückerobert. Während die syrische Kriegsmaschinerie die Grenze mit Jordanien «sichert», finden in Damaskus, Homs und Aleppo wieder Musikfestivals statt. Erdgas wird gefördert. Gegen Ende des Jahres sollen zwischen den grossen Metropolen Syriens wieder Personenzüge verkehren. Bereits im Herbst werden in Damaskus erste Touristengruppen aus Europa erwartet.

Plötzlich das «kleinere Übel»

In Syrien herrsche «Aufbruchstimmung», behauptete unlängst der Fernsehsender al-Dschasira. Auf allgegenwärtigen Plakaten werde der syrische Präsident als «grosser Sieger» gefeiert. Seine zahlreichen Kriegsverbrechen sind für die USA im Moment kein Thema mehr. Assad gilt plötzlich als «das kleinere Übel». «Monster» sind aus amerikanischer Sicht nur die Iraner. Für ihren Abzug aus Syrien soll Russland sorgen – hoffen die USA, die in Syrien freilich nicht über die Mittel verfügen, um Moskau zur Umsetzung ihrer Forderungen zu zwingen.

Ein iranischer Abzug aus Syrien sei «absolut unrealistisch», stellte Russlands Aussenminister Lawrow vor zwei Wochen klar. Die gut 80 000 Soldaten und pro-iranischen Milizionäre in dem arabischen Land sind fester Bestandteil der syrischen Streitkräfte, die ohne die Unterstützung aus Teheran längst kollabiert wären. Allenfalls auf eine «Einschränkung der iranischen Militäraktivitäten» in Syrien will Russland nach israelischen Medienberichten hinwirken. Doch wer soll überprüfen, ob Teherans Verbände in Syrien tatsächlich einen «50-Kilometer-Sicherheitsabstand» zu Israel halten?

Die militärische Präsenz der USA ist auf die überwiegend kurdischen Gebiete im Nordosten Syriens sowie eine Wüstenstellung im Südosten des Landes beschränkt. Gegen einen von Trump gewünschten Abzug der 4000 US-Soldaten wehrt sich das Pentagon beharrlich. In diesem Fall, so amerikanische Generäle, hätten die Iraner, die neuerdings in syrischen Uniformen kämpfen sollen, um unerkannt zu bleiben, endgültig freie Hand.