Nahost

Ein amerikanisches Video soll die iranischen Angriffe auf zwei Tanker beweisen

US-Aussenminister Mike Pompeo beschuldigt den Iran für die Tanker-Angriffe.

US-Aussenminister Mike Pompeo beschuldigt den Iran für die Tanker-Angriffe.

Es ist ein unscharfes, verwackeltes Schwarz-Weiss-Video, mit dem das US-Zentralkommando in Bahrain die Mitwirkung iranischer Revolutionsgardisten beim Anschlag auf zwei Öltanker im Golf von Oman zu beweisen versucht.

Zu sehen sind mehr als zehn, teilweise uniformierte Menschen auf einem Schnellboot, von denen einige an der Wand eines Öltankers hantieren – und von dort womöglich etwas entfernen. Das «Corpus Delecti», nach US-Behauptungen «eine nicht explodierte Haftmine», ist nicht erkennbar.

Der US-Einschätzung, nach der es sich bei der Attacke auf den Tanker «Kokuka Courageous» um einen «Haftminenangriff» handelte, widersprach am Freitag der japanische Präsident des Besitzerunternehmens, Yataka Katada. Er sei nicht der Meinung, sagte er, dass das Schiff durch Minen beschädigt worden sei. Ein iranisches Marineschiff sei zwar in der Nähe gesehen worden. Ob es vor oder nach den Angriffen gewesen war, sei unklar. Bestätigt wurde dagegen, dass der ebenfalls am Donnerstag angegriffene norwegische Tanker Altair von der iranischen Marine übernommen wurde, nachdem die Crew aufs iranische Festland evakuiert worden war.

Die Beweisführung der Amerikaner ist in Teheran scharf verurteilt worden. Es handele sich um «haltlose Behauptungen der USA», welche man aufs Schärfste verurteile. Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA seien die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der persischen Golfregion, argumentierte ein iranischer Regierungssprecher.

Würde der Iran nicht unter den «härtesten Sanktionen aller Zeiten», wie sie Donald Trump einmal bezeichnet hatte, leiden, könnten alle Staaten der Region in Sicherheit und Frieden leben, lautet die iranische Logik. Die Revolutionsgardisten präzisieren: «Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt die Strasse von Hormuz offen», erklärte der Marinekommandeur Aliresa Tangsiri. Sei der Ölexport für die Islamische Republik nicht mehr möglich, gäbe es für die Offenhaltung der Meerenge «keine Logik mehr». Mit anderen Worten: Das Nadelöhr zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf, durch das jeden Tag zwischen 17 und 19 Millionen Fässer Öl (je 159 Liter) geschleust werden, könnte dann blockiert werden.

Vorrangig zum Einsatz würden dann vor allem Seeminen kommen. Diese spielten in der asymmetrischen Kriegsführung der Iraner die wichtigste Rolle, betont Bryan Clark vom Center for Strategic and Budgetary Assessments in Washington. Während des von Saddam Hussein begonnenen Tankerkrieges Mitte der Achtzigerjahre habe Iran noch «Minenmodelle aus dem Ersten Weltkrieg» eingesetzt. Heute verfüge das Land über 6000 moderne und gefährliche Minen mit Sprengköpfen von fast 1200 Kilogramm, vermutet die US-Denkfabrik «Center for Strategic and International Studies».

Teherans schwimmende Bomben

Iran sei auch im Besitz von sogenannten «intelligenten Minen», welche mehrere Ziele verfolgen und verschiedene Schiffstypen erkennen könnten. Für Feinde seien diese nur schwer aufzufinden, weil sie sich in der Regel nahe dem Meeresboden befänden. Mit ihren schwimmenden Bomben könnte Teheran den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz lahmlegen, «ohne auch nur einen Finger zu rühren».

«Alles, was die Iraner tun müssen, ist zu behaupten, dass sie die Meerenge vermint haben», sagt Jon Rosamund, der für das Sicherheitsmagazin «Jane’s» als Marineexperte tätig ist: «Der gesamte Tankerverkehr würde sofort zum Erliegen kommen.» Selbst mit einer geringen Anzahl von Seeminen, verstreut an viel befahrenen Stellen, könnten die Iraner eine grosse Wirkung erzielen, glaubt auch Bryan Clarke.

Die USA und ihre Partner wären dann nicht in der Lage, die Strasse von Hormuz «in wenigen Tagen wieder zu öffnen», befürchtet der frühere US-Admiral James Stavridis. Selbst wenn es den USA gelingen sollte, einen minenfreien Kanal in der Meerenge zu schaffen, würde der Schiffsverkehr ins Stocken geraten, weil jedes Schiff Begleitschutz der US-Navy bräuchte.

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