Er starb in einem Pflegeheim in Bad Feilnbach bei Rosenheim, wie zuerst der Bayerische Rundfunk berichtete. Die Todesursache des schwer kranken Demjanjuk war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei leitete die Staatsanwaltschaft Traunstein das übliche Todesermittlungsverfahren ein.

Der gebürtige Ukrainer war im Mai vergangenen Jahres wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28'000 Juden im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach Auffassung der Richter hatte er dort als KZ-Wachmann den Holocaust unterstützt.

In Sobibor im besetzten Polen hatten die Nationalsozialisten bis Ende 1943 etwa 250'000 Juden aus Polen, den Niederlanden, Tschechien und anderen besetzten Ländern Europas in den Gaskammern ermordet. Auch Juden aus Deutschland starben dort.

Urteil nie rechtskräftig

In dem monatelangen Prozess vor dem Landgericht München hatte Demjanjuk stets geschwiegen. Die Verhandlungen verfolgte er aus einem Spezialbett heraus. Während des Gerichtsmarathons waren zahlreiche Überlebende des Holocausts und des Vernichtungslagers Sobibor aufgetreten.

Das Urteil gegen Demjanjuk wurde nie rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten Revision beantragt. Deshalb hatte das Gericht, auch mit Blick auf das hohe Alter des staatenlosen Demjanjuk, den Haftbefehl aus Gründen der Verhältnismässigkeit aufgehoben.

Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft war er in dem Altenheim in der oberbayerischen Feriengemeinde untergekommen. Der 91-Jährige sass teilweise im Rollstuhl und litt unter anderem an einer Blutkrankheit.

Keine abschliessende Klärung

Demjanjuk war nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert. Dort wurde ihm später wegen falscher Angaben bei der Einreise die US-Staatsbürgerschaft wieder aberkannt. Nach wochenlangem Tauziehen wurde Demjanjuk am 11. Mai 2009 von den USA nach Deutschland abgeschoben, dort sass er bis zur Verurteilung zwei Jahre lang in Untersuchungshaft.

Mit dem Tod des 91-Jährigen können die Demjanjuk-Akten bei der Justiz geschlossen werden. Eine abschliessende Klärung der strafrechtlichen Schuld Demjanjuks durch die deutsche Justiz gibt es nun nicht mehr.

Dies gilt auch für ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen ihn, das bei der Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz lief. Dabei ging es um die Frage, ob Demjanjuk zeitweise auch Wachmann im ostbayerischen Konzentrationslager Flossenbürg und dort an der Ermordung von fast 5000 Menschen beteiligt war.