Die Frau des verstorbenen Al-Kaida-Führungsmitglieds Abu Omar al-Baghdadi äusserte sich gegenüber des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera über ihr Leben als Ehepartnerin eines international gesuchten Terroristen. «Ich habe die ganze Zeit zu Hause verbracht und auf die Kinder aufgepasst», erklärte die anonym gebliebene Frau in dem englischsprachigen Video anlässlich ihrer Verurteilung durch den Obersten Gerichtshof des Iraks. Sie habe keinen Zugriff auf Handy, Fernseher oder ähnliche Dinge gehabt.

Weil die ganze Familie stets mit dem Vater auf der Flucht war, habe sie auch nie die Möglichkeit gehabt, andere Leute zu treffen. Sie sei vollkommen isoliert gewesen. Der wahre Terror begann für die Verurteilte aber erst im April 2010, als US-amerikanische und irakische Soldaten ihr Haus zerstörten, ihren Mann und ihren 19-jährigen Sohn erschossen und den Rest der Familie verhafteten. Nicht nur die eigentlichen Opfer leiden also unter den Taten der Al-Kaida, sondern auch die Familien der Terroristen selber.

Irakische und amerikanische Truppen durchsuchen die Trümmer von al-Baghdadis Haus

Irakische und amerikanische Truppen durchsuchen die Trümmer von al-Baghdadis Haus

Vor Gericht beharrte die mittlerweile wegen «Beihilfe zu Terrorismus» verurteilte Frau darauf, zur Heirat mit dem Terroristen gezwungen worden zu sein. Sie habe die Ansichten und Taten ihres Ehemannes nie unterstützt. Trotzdem wurde sie in einem Gerichtsverfahren Ende Juni für schuldig befunden und zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Kein Einzelfall

Tatsächlich sind viele Fälle bekannt, bei denen irakische Frauen von Al-Kaida-Mitgliedern zur Heirat gezwungen und dann vergewaltigt wurden. Vor allem in Städten wie Baquba, in denen die Terrororganisation grossen Einfluss hatte, findet man viele Fälle, bei denen Terroristen der Al-Kaida nachts Frauen überfielen, sie zwangsheirateten und sich dann an ihnen vergriffen.

Natürlich werden diese Zwangsheiraten staatlich nicht registriert, weswegen die Kinder, die daraus entstehen, offiziell als unehelich gelten. Unehelichen Kindern werden laut irakischem Gesetz grundsätzliche Bürgerrechte entsagt. Die einzige Möglichkeit, einem Kind in dieser Situation eine glückliche Zukunft zu ermöglichen, ist oft, dieses zur Adoption freizugeben.