Roboter

Effizienter und moralisch besser: Roboter sind die Soldaten der Zukunft

«Big Dog» soll einmal in der US-Army als Lastenträger zum Einsatz kommen.

«Big Dog» soll einmal in der US-Army als Lastenträger zum Einsatz kommen.

Wer ihm davon laufen will, muss sich sputen: Er legt 100 Meter in weniger als 12 Sekunden zurück. Der Jamaikaner Usain Bolt braucht für diese Distanz lediglich 9,58 Sekunden, doch Cheetah (engl. für Gepard) ist der schnellste Roboter auf vier Füssen.

Als Gepard-Roboter bezeichnen ihn seine Konstrukteure, weil er, auf vier Beinen sprintend, die Bewegungen der schnellsten Raubkatze nachahmt.

Noch befindet sich der Laufroboter in einem frühen Entwicklungsstadion und ist in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Er hängt nämlich an einer Hydraulikpumpe und wird auf einem Laufband gehalten. Dereinst soll er seine Fähigkeiten jedoch auf offenem Feld in die Dienste des US-Militärs stellen. Bereits jetzt stolziert der Roboter «Big Dog» über felsige Hügellandschaften. Er soll bald als Lastenträger für die US-Army zum Einsatz kommen.

Ist dieser Roboter der Soldat der Zukunft?

Ist dieser Roboter der Soldat der Zukunft?

Dreckige und gefährliche Einsätze

Neue Roboter-Modelle, welche Soldaten bei gefährlichen Einsätzen unterstützen, stehen ganz oben auf der Prioritätenliste der US-Army. Sie sollen Bomben entschärfen, riskante Transportaufgaben übernehmen und auch in Kampfhandlungen eingreifen. Schon jetzt ist das teilweise der Fall. Unbemannte Flugobjekte, so genannte Drohnen, sind zu einer effektiven Waffe geworden.

Die US Air Force bildet mehr Bedienungspersonal für den Betrieb unbemannter Flugobjekte aus als Piloten für Kampfjets und Bomber aus. Und auch Bodenfahrzeuge kommen vermehrt ohne Besatzung aus. Der US Kongress hat angeordnet, dass bis zum Jahre 2015 ein Drittel der Bodenfahrzeuge im Kampfeinsatz unbemannt sein soll.

Die effizienteren Soldaten

«Künftig werden Roboter einen noch grösseren Einfluss in Kampfhandlungen haben. Irgendwann werden sie sogar die effizienteren Soldaten sein als Menschen«, ist David Remy vom Institut für Robotik und Autonome Systeme der ETH überzeugt. An diesem Institut wird keine Forschung für militärische Zwecke betrieben. Umso mehr aber an amerikanischen Techniklabors. Die dabei erzielten Fortschritte in der Robotik fliessen direkt in neue Militär-Systeme.

«Kriegsmaschinen - Roboter im Militäreinsatz» heisst ein eben im erschienenes, sehr lesenswertes Buch, in dem die Entwicklung der technisierten Kriegsführung aus verschiedenen Perspektiven in 18 Essays, Interviews und Erzählungen beleuchtet wird. Betrachten die Autoren auch verschiedene Aspekte, so sind sie sich doch darin einig, dass der Krieg der Zukunft ein Roboterkrieg sein wird.

«Die entsprechenden militärischen Entwicklungen laufen in vielen Ländern, und die Verantwortlichen versprechen viel: Roboter sollen den Menschen weitgehend ersetzen, um die ‚dummen, dreckigen und gefährlichen' (dull dirty, dangerous) Aufgaben zu übernehmen.», schreibt Hans-Dieter Burkhard, Professor für künstliche Intelligenz an der Berliner Humboldt-Universität, in seinem Beitrag.

Autonom tötende Roboter

In einem ersten Schritt werden unbemannte Fahrzeuge vor allem zu Transportzwecken eingesetzt. «Denkbar ist etwa, dass ein Tanklastwagen in einem Kriegsgebiet von einem Roboter gesteuert wird, weil hier die Gefahr für einen Chauffeur vor einem Attentat sehr gross ist», erklärt Margarita Chli vom Institut für Robotik und Autonome Systeme an der ETH. Höher sind die technischen Hürden für Roboter, die wie Menschen oder Tiere auf Beinen gehen. Dazu müssen zahlreiche Gelenke und Gliedmassen von einer Software koordiniert werden.

Zudem sind die gehenden Maschinen viel weniger robust als beispielsweise kleine ferngesteuerte Raupenfahrzeuge. Kampfroboter zu entwickeln, die sich wie in Science-Fiction-Filmen immer mehr menschlichen Soldaten angleichen, ist aber auch gar nicht unbedingt nötig. «Nur in seltenen Fällen macht es Sinn menschenähnliche Roboter zu konstruieren», sagt David Remy. Dies sei etwa im Häuserkampf der Fall, wo Roboter sich in einer, ursprünglich für den Menschen gemachten Umgebung bewegen müssen.

Die moralisch besseren Soldaten

Noch werden Kampfroboter von Menschen gesteuert. Menschen, die teils mehrere Tausend Kilometer entfernt in einem klimatisierten Büro sitzen und über einen Monitor ins Kriegsgebiet blicken. Doch zunehmend werden Maschinen autonomer. Der «Trend zu mehr Autonomie», den Hans-Dieter Burkhard in seinem Artikel im Buch «Kriegsmaschinen» beobachtet, verläuft schleichend. Er beginnt mit der Navigation, geht weiter bei der Verarbeitung der Sensoren-Daten, der Auswahl der Ziele - und endet bei der Frage, ob autonom tötende Roboter sogar einmal die moralisch besseren Soldaten sein könnten. Roboter machen keine Fehler, wenn sie unter Stress stehen, sie halten sich ans Kriegsrecht - sofern sie dazu programmiert sind.

Der Vorteil von Kampfrobotern - seien sie nun ferngesteuert oder autonom - liegt auf der Hand. «Mit einer im Wesentlichen auf Roboter zurückgreifenden Armee rückt der Traum vieler westlicher Politiker vom ‚Krieg ohne Blutvergiessen' - zumindest für die eigene Seite - in greifbare Nähe», schreibt Niklas Schöring von der hessischen Stiftung für Friedens und Konfliktforschung in seinem Artikel.

Roboter als Selbstmordattentäter

Dass aber Roboter dereinst auch von Terroristen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden könnten, scheint noch kaum jemand zu bedenken, wie Florian Rötzer in seinem Beitrag thematisiert. Eine mit einem Sprengkörper bestückte kleine Drohne, stellt für Terroristen eine sehr effektive Waffe dar.

Kürzlich hat die US-Armee die Mikrodrohne Switchblade eingeführt, die gerade einmal 2 Kilogramm schwer ist und samt Startvorrichtung in einen Rucksack passt. Sie fliegt, angetrieben durch einen Elektromotor, schnell und leise. Und sie ist tödlich. Hat sie ihr Ziel anvisiert, fliegt sie wie ein Geschoss in dieses hinein und zündet beim Aufprall eine kleine Sprengladung. Switchblade ist der Selbstmordattentäter unter den Robotersoldaten.

Hans-Arthur Marsiske (Hrsg.): Kriegsmaschinen - Roboter im Militäreinsatz. Heise, 2012. 245 S., Fr. 28.90.

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