Grossbritannien und Schweden, wohin Assange ausgeliefert werden soll, übten scharfe Kritik.

Assange hält sich seit dem 19. Juni in der Botschaft Ecuadors in London auf, weil er von Grossbritannien nach Schweden ausgeliefert werden soll. Dort will ihn die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vernehmen. Die schwedische Justiz hat deswegen einen EU-weiten Haftbefehl gegen Assange erwirkt.

Assange fürchtet, in Schweden würde ihn kein fairer Prozess erwarten. Unter Umständen könne er von dort auch in die USA überstellt werden.

Das von ihm gegründete Internet-Portal Wikileaks hatte 2010 weltweit für Furore gesorgt, als es Hunderttausende vertrauliche US- Dokumente unter anderem über die Kriege im Irak und Afghanistan veröffentlichte. Die US-Regierung sieht in Assange seitdem einen Landesverräter. Ihm droht deshalb die Todesstrafe.

Grossbritannien enttäuscht

Grossbritannien bekräftigte bereits kurz vor der Asyl- Entscheidung, Assange auf jeden Fall ausliefern zu wollen. Nach der Mitteilung Patiños nannte das Aussenministerium in London die Entscheidung Ecuadors «enttäuschend».

Grossbritannien werde Assange kein freies Geleit gewähren. «Nach unserem Gesetz und vor dem Hintergrund, dass Herr Assange alle Möglichkeiten zum Einspruch genutzt hat, haben die britischen Behörden die rechtsverbindliche Pflicht, ihn nach Schweden auszuliefern», sagte eine Sprecherin.

Der schwedische Aussenminister Carl Bildt erklärte im Kurznachrichtendienst Twitter, sein Land weise «jede Anschuldigung entschieden» zurück, Assange würden im schwedischen Rechtssystem nicht alle Rechte zu seiner Verteidigung eingeräumt.

Netzaktivisten der Anonymous-Bewegung riefen ihre Anhänger über Twitter dazu auf, sich vor der Botschaft Ecuadors in London zu versammeln.

In anderen Äusserungen aus Kreisen der Anonymous-Bewegung wurde die Entscheidung Ecuadors begrüsst, Assange Asyl zu gewähren. Scharf kritisiert wurde hingegen die Haltung der britischen Regierung, die über mehrere gerichtliche Instanzen hinweg beschlossene Auslieferung Assanges nach Schweden durchzusetzen.

London droht mit Erstürmung

Grossbritannien drohte am Donnerstagmorgen vor der Asyl- Entscheidung damit, die ecuadorianische Botschaft in London zu stürmen und Assange dort festzunehmen.

Patiño erklärte, Ecuador habe den Südamerikanischen Staatenbund Unasur und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gebeten, die Aussenminister ihrer Mitglieder einzuberufen, um eine gemeinsame Stellungnahme zur britischen Haltung zu vereinbaren.

Vor der Botschaft im Londoner Stadtteil Knightsbridge stand am Donnerstag etwa ein dutzend Polizisten. Zudem demonstrierten dort rund 50 Menschen. Drei Protestteilnehmer wurden festgenommen. Wikileaks erklärte, dass ein Eindringen in die Botschaft «ein Verstoss gegen die Wiener Konvention» sein würde, die Auslandsvertretungen weltweit schützt.

Dass Assange sich mit seinem Asylantrag an Ecuador gewandt hatte, dürfte an den angespannten Beziehungen des Landes zu den USA liegen.

Im vergangenen Jahr hatte Ecuador die US-Botschafterin ausgewiesen, nachdem kritische Äusserungen der Diplomatin über Präsident Rafael Correa bei Wikileaks öffentlich geworden waren. Die USA wiesen daraufhin auch den ecuadorianischen Botschafter aus. Inzwischen sind beide Posten wieder besetzt.