Irak

Dutzende Tote bei Angriffen auf schiitische Pilger im Irak

Schiitische Pilger in Kerbela (Archiv)

Schiitische Pilger in Kerbela (Archiv)

Im Irak sind schiitische Pilger wieder Ziel blutiger Anschläge geworden. Bei mehreren Angriffen kamen am Donnerstag Dutzende Personen ums Leben.

In der ostirakischen Stadt Al-Sadija tötete ein Selbstmordattentäter mindestens 35 Personen und verletzte 75 weitere. Der als Polizist verkleidete Attentäter hatte sich Sicherheitskreisen zufolge während des Aschura-Festes in Al-Sadija unter die Gläubigen gemischt und dann einen Sprengstoffgürtel gezündet.

"Ich war in der Nähe einer Gruppe von Pilgern und plötzlich habe ich eine laute Explosion gehört", sagte ein 47-jähriger Taxifahrer, der selbst Verletzungen davontrug. "Staub und Rauch breiteten sich aus und dann fand ich mich wieder umgeben von Leichen und Verletzten." Zu dem Anschlag bekannte sich niemand.

In der weiter südlich gelegenen Stadt Hafrijah wurden nach Behördenangaben neun Schiiten getötet. Der tödliche Angriff traf Gläubige, die sich in einem Zelt versammelt hatten. In der Stadt Kirkuk im Norden Landes wurden bei einem Doppelanschlag fünf Menschen verletzt worden. Schon am Mittwoch waren acht Menschen bei koordinierten Attentaten auf schiitische Pilger getötet worden.

Schiitische Pilger gedenken im Irak zum Aschura-Fest des Todes von Imam Hussein, einer religiösen Schlüsselfigur ihrer Glaubensrichtung. Ihre Prozessionen bieten eine Zielscheibe für Attentäter.

Grossaufgebot der Sicherheitskräfte

Vor dem diesjährigen Aschura-Fest wurden 35'000 zusätzliche Sicherheitskräfte rund um die zentralirakische Stadt Kerbela eingesetzt, um Anschläge zu verhindern. Während der zehntägigen Feierlichkeiten pilgerten nach Angaben der örtlichen Behörden zwei Millionen Schiiten zum Grab von Imam Hussein in Kerbela, unter ihnen 200'000 Gläubige aus dem Ausland.

Zehntausende Pilger versammelten sich dort auch am Donnerstag, um der Schlacht im Jahr 680 zu gedenken, bei der der Propheten-Enkel der Überlieferung nach zusammen mit zahlreichen Getreuen vom Kalifen Jasid getötet wurde. Während Hussein für die Schiiten als direkter Nachfahre des Propheten der rechtmässige Anführer der Muslime war, betrachteten die Sunniten die Kalifen als Nachfolger Mohammeds.

Die Schiiten stellen weltweit nur rund 15 Prozent der Muslime, doch sind sie im Iran, im Irak und in Bahrain in der Mehrheit. Radikalen Sunniten gelten die Schiiten als Ungläubige, das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere extremistische Gruppen verüben immer wieder blutige Anschläge auf sie.

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