So schnell kann es gehen. Am Wochenende noch galt der Neo-Republikaner Donald Trump als klarer Favorit im Kampf um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Konservativen – dank guten Werten in Meinungsumfragen und Tausenden von Schaulustigen an seinen Wahlkampfauftritten.

Offen sei einzig, sagten einflussreiche Stimmen, ob Trump diese Anhängerschaft dazu bewegen könne, an den Wahlversammlungen in Iowa teilzunehmen.

Am Tag nach diesen Versammlungen steht fest: Trump ist es tatsächlich gelungen, seine Wähler zu mobilisieren. Aus dem Nichts stampfte der New Yorker Baulöwe in Iowa eine Armee aus dem Boden, die 45000 Menschen stark ist.

Zum Vergleich: 2012 gewann der Republikaner Rick Santorum die «Caucuses» mit knapp 30000 Stimmen. Das Ergebnis von Trump ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass er einen Lebenswandel verkörpert, der vielen Konservativen in Iowa schlicht fremd ist.

Trotz dieses Erfolgs wird der Multi-Milliardär mit dem grossen Maul nun aber in vielen Nachwahlbetrachtungen als Verlierer dargestellt – weil es ihm nicht gelungen ist, als Sieger durchs Ziel zu gehen.

Der texanische Senator Ted Cruz gewann – auch dank der Unterstützung religiöser Republikaner – 6000 Stimmen mehr. Bereits ist die Rede davon, der Nimbus Trumps sei zerstört, weil der Wahlkampf des Immobilien-Spekulanten darauf aufbaute, dass er stets die Oberhand behalte.

Solche Instant-Analysen sind mit Vorsicht zu geniessen. Tatsache ist: Cruz hat, dank einem geradezu methodisch geführten Wahlkampf, einen wertvollen Sieg errungen. Dieser Triumph aber kam in einem Staat, in dem der religiöse Parteiflügel schon lange den Ton angibt. Cruz hat deshalb bloss eine Hürde genommen, die er nehmen musste – will er im Marathon zum republikanischen Parteitag in Cleveland (Ohio) im kommenden Sommer eine Rolle spielen.

Trump wiederum muss nun in New Hampshire oder South Carolina, den nächsten Stationen im Vorwahl-Zirkus, als Sieger durchs Ziel gehen. Gerade in New Hampshire sollte der New Yorker ein leichtes Spiel haben.

Die Republikaner im kleinen Ostküstenstaat haben schon lange eine Vorliebe für Politiker, die gegen den Strich bürsten und mit unliebsamen Wahrheiten um sich werfen.

Rubio ist nun der Kandidat des Partei-Establishments

Eine eigentliche Belastungsprobe steht auch Marco Rubio bevor, dem jungen Senator aus Florida, der in Iowa nur gerade 2000 Stimmen weniger als Trump erzielte.

Rubio präsentiert sich als ein Politiker, der mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft blickt und vor den Wählern gerne über Amerikas Potenzial spricht. Nach seinem guten Abschneiden in Iowa ist er nun de facto der Kandidat des Partei-Establishments in Washington, das der Meinung ist, Cruz und Trump seien zu extrem, um die Wahlen im November zu gewinnen.

Für Rubio, der diese Rolle gesucht hat, bedeutet dies: Er wird bis zu den Vorwahlen in New Hampshire zur Zielscheibe für die heftigen Attacken seiner gemässigten Konkurrenten.

Drei Gouverneure – Jeb Bush (Florida), Chris Christie (New Jersey) und John Kasich (Ohio) – möchten ihn vom Thron stossen. Falls er diese Schlammschlacht mehr oder weniger unbeschadet übersteht, ist auch Rubio ein ernsthafter Anwärter auf die Nomination zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Dieser Kandidat wird erst im Sommer gekürt. Zwar wird es wohl nicht bis Mitte Juli dauern, bis die Republikaner den Namen ihres Bannerträgers kennen. Aber die Konstellation nach dem ersten Wettbewerb im Vorwahl-Zirkus deutet auf eine längere Auseinandersetzung hin, mit drei etwa gleich starken Fraktionen.

Cruz ist der Kandidat des religiösen Parteiflügels, der auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Staatskritiker hat. Trump gibt dem populistischen Bodensatz der Republikaner eine Stimme, der unzufriedenen Mittelschicht. Und Rubio verkörpert eine moderne Version des traditionellen Republikaners, der es allen innerparteilichen Gruppierungen recht machen will – und kein Interesse daran hat, die innerparteiliche Ordnung auf den Kopf zu stellen.

Letztlich steht der Republikanischen Partei damit ein Kampf um ihre Zukunft bevor. Gehen Cruz oder Trump siegreich aus diesem Konflikt hervor, dann droht ihr die Zerreissprobe.