Der indische Botschafter bei der UNO, Asoke Mukerji, sagte am Donnerstag in New York, Milizen hätten die Soldaten gezielt getötet. Es sind die ersten Toten auf Seiten der UNO seit Ausbruch der Unruhen in dem Land am vergangenen Wochenende.

Die Soldaten wurden bei der Attacke auf das Lager in Akobo in der Provinz Jonglei getötet. In der Basis haben mehr als 10'000 Menschen aus der Ethnie der Dinka Zuflucht gesucht. Die UNO hatte zunächst den Kontakt zu ihrem, Stützpunkt verloren und nahm an, die drei indischen Soldaten seien vermisst.

Bei der Attacke wurden möglicherweise auch Zivilisten verletzt oder getötet, wie die UNO meldete. Die Angreifer auf den Stützpunkt sollen Lou Nuer gewesen sein. Die Lage war aber unübersichtlich.

"Die Situation ist sehr verworren und verändert sich fast stündlich", erklärte ein UNO-Sprecher in New York. Die UNO zogen unbewaffnetes Personal aus Akobo ab, für Samstag wurde eine Verstärkung von 60 Blauhelmsoldaten erwartet.

Bürgerkriegsrisiko "äusserst hoch"

Hintergrund der vergangenes Wochenende ausgebrochenen Kämpfe ist ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Die grösste Gefahr besteht darin, dass sich die Kämpfe zum Bürgerkrieg zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ausweiten.

Kiir gehört der Volksgruppe der Dinka an, die die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM dominieren. Machar ist ein Lou Nuer. Präsident Kiir sagte, dass es keinen Bürgerkrieg geben werde, solange nicht Kräfte an einem Umsturz arbeiten würden.

Ein Sprecher der südsudanesischen Streitkräfte bezifferte nach einem Bericht der "Sudan Tribune" die Zahl der Toten in der Hauptstadt Juba mit 450, davon seien 100 Soldaten. Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, schätzte zuletzt das Bürgerkriegsrisiko in dem Land als "äusserst hoch" ein.

Deutliche Worte aus Washington

US-Präsident Obama erklärte am Donnerstag (Ortszeit) in Washington, Südsudan stehe "am Abgrund". Die jüngsten Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen drohten, den jungen Staat "in die dunklen Tage seiner Vergangenheit zurückzuwerfen".

Die Gewalt, die nur dazu diene, "alte politische Rechnungen zu begleichen oder die Regierung zu destabilisieren" müsse sofort aufhören, hiess es in Obamas deutlich formulierter Erklärung weiter. Die Anführer des Landes müssten sich kompromissbereit zeigen.

Kurz zuvor hatte das Weisse Haus erklärt, angesichts der Unruhen im Südsudan bereits am Mittwoch 45 Soldaten zum Schutz der US-Bürger in das Land geschickt zu haben. Die Soldaten würden so lange dort bleiben, wie es die Sicherheitslage erfordere, erklärte Obama.

Evakuierung hat begonnen

Angesichts der jüngsten Unruhen rät die Schweiz vor Reisen in den Südsudan ab. Die Sicherheitslage in mehreren Landesteilen sei schwierig, heisst es auf der Webseite des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Es empfiehlt Schweizern vor Ort, das Land vorübergehend zu verlassen.

Deutschland hat bereits mit der Evakuierung ausländischer Staatsbürger aus Südsudan begonnen. Im Laufe der kommenden Stunden würden 55 Europäer nach Entebbe in Uganda in Sicherheit gebracht, sagte Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. Darunter seien neben deutschen Staatsbürger auch Franzosen, Schweizer und Niederländer.