Die Liste wird immer kürzer. Für den Posten des Vizepräsidenten habe er «fünf oder sechs» Leute im Auge, verkündete Donald Trump am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Namen wollte der republikanische Präsidentschaftskandidat keine nennen. Er verriet aber, dass er für die Suche nach der idealen Nummer zwei einen Ausschuss eingesetzt habe, der unter der Leitung seines Adlaten Corey Lewandowski stehe. Das Ergebnis der Bemühungen werde wohl erst im Juli verkündet, kurz vor dem Parteitag in Cleveland (Ohio) – der traditionelle Zeitpunkt, zu dem ein Möchtegern-Präsident bekannt gibt, mit wem er (oder sie) ins Rennen um das Weisse Haus steigt.

Trump allerdings ist kein herkömmlicher Präsidentschaftskandidat. Nach einem Vorwahlkampf, der in der Republikanischen Partei für grosse Verwerfungen gesorgt hat, muss er einen grossen Wurf landen, um seine parteiinternen Gegner zufrieden zu stellen. Er hat bereits angekündigt, dass er einen altgedienten Berufspolitiker bevorzuge, der Erfahrung mit dem politischen Alltag in Washington habe. Er sei ein Geschäftsmann, verkündete Trump vorige Woche, und bringe das Talent mit, Abkommen zu schliessen und Kompromisse zu erzielen. Nun benötige er jemanden, der ihm bei der Verabschiedung von Gesetzen helfe.

Munteres Ratespiel

Dieses Kriterium erfüllt fast jeder der 54 Senatoren und 246 Abgeordneten im Repräsentantenhaus, die derzeit für die Republikaner amtieren. Deshalb ist in Washington seit Tagen ein munteres Ratespiel um die Person des Vize im Gange. Der aktuelle Favorit: Bob Corker (63), kantiger Senator aus Tennessee und aussenpolitischer Realist. Er bringt ausreichend Erfahrung als Politiker mit: Vor seiner Wahl in den Senat im Jahr 2006 war er als Stadtpräsident von Chattanooga tätig und revitalisierte die Industriemetropole.

Der frühere Bauunternehmer gilt als unabhängig, auch weil er dank einer guten Nase viel Geld verdient hat. Sein Vermögen wird von der renommierten Publikation «Roll Call» auf 18 Millionen Dollar geschätzt. Diese Woche sagte Corker, er habe keinen Grund anzunehmen, dass Trump ihn für das Vizepräsidium im Auge habe. Er sprach aber auch den parteiinternen Kritikern des Präsidentschaftskandidaten ins Gewissen und sagte, sie sollten einmal tief durchatmen.

Gingrich, Rubio, Christie, Carson?

Ein weiterer bekannter Name auf den Vizepräsidentschafts-Listen, die in Washington zirkulieren: Newt Gingrich (72), ehemaliger Präsident («Speaker») des Repräsentantenhauses in den 1990er Jahren und selbst ernannter Vordenker der Republikaner. Gingrich ist nach seiner gescheiterten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2012 primär als Kommentator tätig und mit lobenden Worten für Trump aufgefallen. Mit einer gewissen Regelmässigkeit erwähnt werden auch Marco Rubio (44), Senator aus Florida und gescheiterter Präsidentschaftskandidat, sowie Joni Ernst (45), Senatorin aus Iowa. Ernst, eine ehemalige Berufssoldatin (sie war während des Irak-Krieges in Kuwait stationiert) will diese Gerüchte nicht kommentieren. «Ich konzentriere mich derzeit nur auf Iowa», sagt sie bloss.

Im Rennen befinden sich allem Anschein auch Chris Christie (53), Gouverneur aus New Jersey und Ben Carson (64), ehemaliger Topchirurg. Beide Republikaner scheiterten mit ihren Kandidaturen für das Weisse Haus kläglich, stehen aber Trump treu zur Seite. Christie gilt am rechten Parteirand aber als unzuverlässig. Bereits haben führende Exponenten des religiösen Flügels deshalb ein Ultimatum gestellt: Trump müsse einen Vize bestimmen, der für die Evangelikalen tragbar sei – sonst blieben sie im November zu Hause.