Grossbritannien

Donald Trump erneuert beim Staatsbesuch politische Feindschaften

Queen Elizabeth II (in Grün) begrüsst US-Präsident Donald Trump (Mitte) und dessen Ehefrau Melania (links) in London. Mit dabei: Prinz Charles und Camilla.

Queen Elizabeth II (in Grün) begrüsst US-Präsident Donald Trump (Mitte) und dessen Ehefrau Melania (links) in London. Mit dabei: Prinz Charles und Camilla.

Festliche Kanonenschüsse, militärische Ehren, drei Mahlzeiten in Londoner Königspalästen – die erste Etappe des Staatsbesuchs von Donald Trump und seiner umfangreichen Sippschaft stand am Montag unter royalen Vorzeichen. Zwischendurch fand der US-Präsident Zeit für politische Schnellschüsse.

Via Twitter beschwerte er sich über die Berichterstattung des Nachrichtensenders CNN und kanzelte Londons Bürgermeister als «kompletten Versager» ab: Sadiq Khan solle sich lieber um die Kriminalität in der britischen Hauptstadt kümmern, statt den «wichtigsten Alliierten des Vereinigten Königreichs» zu beleidigen.

Der präsidentielle Tadel adelt den Labour-Politiker in den Augen jener Mehrheit von Londonern, die Umfragen zufolge Trumps Besuch als zu teuer und unangemessen ablehnen. Parteiübergreifend wollten führende Politiker das Festbankett am Montagabend boykottieren, darunter Oppositionsführer Jeremy Corbyn, der Speaker des Unterhauses John Bercow sowie der liberaldemokratische Parteichef Vincent Cable. Er werde es sich daheim «mit ein paar Fischstäbchen» gemütlich machen, scherzte der frühere Wirtschaftsminister.

Trumps Fehde mit dem praktizierenden Muslim Khan reicht mindestens zwei Jahre zurück, als mehrere Anschläge islamistischer Terroristen die Hauptstadt erschütterten. Mehrfach äusserte sich der Präsident via Twitter verächtlich über London im Allgemeinen und Khan im Besonderen; dieser unternehme nicht genug gegen Terroristen und Kriminelle.

Seine beiden Khan-kritischen Tweets setzte Trump kurz vor der Landung von Airforce One auf dem Flughafen Stansted nördlich von London ab, wo Aussenminister Jeremy Hunt zur Begrüssung bereitstand. Dort stieg Trump in seinen Helikopter Marine One um und flog zum Winfield House, der Residenz des US-Botschafters in Londons Regent’s Park.

Harte Haltung gegenüber China

Gut zwei Stunden später ging es, wohl um etwaige Strassenproteste zu vermeiden, erneut per Marine One weiter in den Park des Buckingham-Palasts. Dort nahmen zunächst Thronfolger Prinz Charles und dessen Gattin Camilla die Gäste in Empfang, ehe der Präsident die Hand der britischen Queen Elizabeth II (im mintgrünen Kostüm) schütteln durfte. Deren Ehemann Philip, 97, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, weshalb der 70-jährige Prinz von Wales zunehmend an der Seite seiner Mutter, 93, das Land repräsentiert. Zwar mussten die Damen gelegentlich ihre Hüte gegen die frische Brise verteidigen, im Londoner Sonnenschein entstanden aber prächtige Fernsehbilder für Trumps Wiederwahlkampf im kommenden Jahr.

Nach dem Lunch im Buckingham-Palast sah das Programm am Montag noch zwei weitere Mahlzeiten mit britischen Royals vor. Am Nachmittag waren Melania und Donald Trump zum Afternoon Tea Gäste von Charles und Camilla in deren Londoner Residenz, dem Palast von St. James’s. Abends präsidierte die Queen im Buckingham-Palast das traditionelle Staatsbankett. Zwischendurch legte der Präsident in der Westminster Abbey gegenüber dem Parlament einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten nieder.

Schon vor seiner Auseinandersetzung mit Khan hatte Trump einige Handgranaten in die politische Debatte seines Gastlandes geworfen. In Interviews mit Blättern seines Verlegerfreundes Rupert Murdoch warb der US-Präsident für den Brexit ohne Austrittsvereinbarung, empfahl Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage als britischen Chefverhandler und empfahl den Konservativen die Wahl Boris Johnsons zum neuen Parteichef: «Er wäre ein exzellenter Premierminister.»

Bei seinen Gesprächen mit der scheidenden Regierungschefin Theresa May will Trump am Dienstag die Briten auf eine härtere Haltung gegenüber Iran und China festlegen. Umstritten ist vor allem die mögliche Beteiligung des chinesischen Telekom-Giganten Huawei am geplanten G5-Mobilfunk. Dies gefährde die enge Militär- und Geheimdienstzusammenarbeit mit den Briten, hiess es vorab in Washington.

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