Interview

Don Beyer war Obamas Botschafter in Bern: «Vier weitere Jahre Trump? Das will ich mir gar nicht vorstellen!»

Don Beyer vertritt seinen Heimatstaat Virginia im US-Repräsentantenhaus seit 2014.

Don Beyer vertritt seinen Heimatstaat Virginia im US-Repräsentantenhaus seit 2014.

Der 70-jährige Kongressabgeordnete spricht im grossen Interview über die Bedeutung der kommenden Präsidentschaftswahlen, Corona-Leugner im eigenen Land - und die Angst davor, dass die USA zu einer Autokratie werden könnten.

Der Interviewtermin auf der Videotelefonie-Plattform Zoom ist auf 18:00 Uhr angesetzt. Pünktlich auf die Minute schaltet sich der 70-Jährige von seinem Zuhause aus in Alexandria, Virginia hinzu. Wie schon zu seiner Zeit als Botschafter in Bern gibt sich Beyer jovial. Er ist im Homeoffice und trägt ein Poloshirt.

Hello Congressman, es ist Punkt 18 Uhr, das nennt man Schweizer Pünktlichkeit!

Don Beyer: (lacht) Stimmt, man kann viel lernen in der Schweiz!

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Uns geht es gut, danke. Wir haben uns seit Mitte März in Quarantäne versetzt. Ich war in dieser Zeit nur hier zu Hause oder im Kapitol in D.C. Das hat bisher gut funktioniert. Wir bestellen die Lebensmittel online, der Lieferant klopft dann an die Türe und lässt die Ware vor der Tür, ohne, dass wir sie oder ihn je sehen. Wir haben sicher mehr als sonst auf Amazon eingekauft. Und manchmal holen wir Essen auswärts. Dann rufen wir vorher an, fahren zum Restaurant und dort wird die Mahlzeit vom Personal in den Kofferraum gelegt. Und viele Zoom-Gespräche.

Haben Sie sich auf Covid-19 testen lassen?

Nein, bisher nicht. Wir hatten Kontakt mit einem Freund, der nachher positiv getestet wurde. Aber wir hatten danach keine Symptome. Und das war zu jener Zeit, als man nur bei Symptomen testete. Und seither waren wir fast komplett isoliert.

Bei unserem letzten Interview vor zehn Jahren in der US-Botschaft in Bern war auch Ihr quirliger Hund Chili dabei, der nicht so gut auf Fremde reagierte. Ist er noch da?

Nein, Chili hat uns leider vor etwa einem Jahr verlassen. Aber nun haben wir einen neuen Hund, Otto, und er ist viel pflegeleichter als Chili. Er ist ein klassischer Schosshund.

Die Pandemie ist in den USA bei Weitem noch nicht unter Kontrolle, im Gegensatz zu anderen Ländern. Wie erklären Sie sich das?

Viele von uns schämen sich, wie die USA diese Pandemie bisher gehandhabt haben. Es gab keine nationale Strategie. Die einzelnen Staaten mussten auf ihr eigenes medizinisches Material zurückgreifen, von den Beatmungsgeräten bis hin zu den Schutzanzügen. Alles musste über verschiedene Wege aus China und anderswo importiert werden. Die CDC (die Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention, Anm. d. Red.) waren beim Testen sehr langsam. Und dann wäre da der Präsident, der erst sehr spät zugab, dass das Coronavirus ein echtes Problem ist und die Masken wichtig sind.

Beyer mit seiner Frau Megan und Hund Otto.

Beyer mit seiner Frau Megan und Hund Otto.

Wie erlebten Sie die Lage als Politiker in D.C.?

Als ich im Juni in D.C. im Repräsentantenhaus war, trug jeder Demokrat eine Maske, aber kein einziger Republikaner. Es gibt eine echte politische Spaltung bezüglich der Frage, ob das Virus gefährlich ist und ob das Social Distancing und die Masken helfen. In der Folge haben viele Staaten den Lockdown zu früh beendet. Und so kam es zu einer zweiten Welle, oder gar einer Verlängerung der ersten Welle. Drei Monate nach Ausbruch der Krise rechnete man mit schlimmstenfalls 60’000 Toten in den USA. Nun könnten es Ende Jahr knapp 300’000 sein. Wenn die Regierung von Anfang an gesagt hätte: Nehmt es ernst, bleibt zu Hause, tragt eine Maske, haltet Abstand, dann könnten wir die Situation ähnlich im Griff haben wie Neuseeland.

Ihr Heimatstaat Virginia hat etwa gleich viele Bewohner wie die Schweiz, aber 35 Prozent mehr Todesfälle.

Ja, und die Schweiz ist nicht die führende Weltmacht. Es gibt leider so viele Leute hier, die denken, dass das Virus nicht echt sei, oder glauben, sie seien immun dagegen. Es gibt auch Minister, die dazu aufriefen, in die Kirche zu kommen, Gott werde sie beschützen. Die Leute folgten, wurden krank und starben.

Und nun gehen mancherorts die Schulen wieder auf…

Genau. Dabei wurden in den letzten zwei Wochen 97’000 Schulkinder positiv auf Corona getestet. Millionen wurden wahrscheinlich gar nicht getestet und die meisten Kinder weisen bekanntlich keine Symptome auf. Die Konsequenz ist klar: Sie tragen das Virus zu ihren Eltern, Grosseltern und so weiter.

In der Schweiz sind die Schulen geöffnet, allerdings je nach Kanton mit unterschiedlichen Masken-Regeln für Schüler und Lehrer.

Die Masken machen keinen Spass, aber sie helfen!

Vor einigen Tagen haben ein Infektiologe und der Präsident der Staatsbank von Minneapolis in der «New York Times» einen neuen Lockdown gefordert. Denken Sie, das wird nötig sein?

Ich glaube, ein Lockdown würde uns helfen, die Todeszahlen und Krankheitsfälle zu minimieren, bis wir einen Impfstoff haben. Aber ich glaube nicht, dass es einen geben wird. Die meisten Todesfälle gab es lange vor allem in Alters- und Pflegeheimen. Nun sehen wir mehr Fälle bei jüngeren Menschen. Traurigerweise scheinen sich viele damit abzufinden, dass wir täglich 500 bis 1000 Menschenleben verlieren, bis die Impfung da ist.

Beyer macht sich Sorgen über die Corona-Pandemie in den USA: «Traurigerweise scheinen sich viele damit abzufinden, dass wir täglich 500 bis 1000 Menschenleben verlieren.»

Beyer macht sich Sorgen über die Corona-Pandemie in den USA: «Traurigerweise scheinen sich viele damit abzufinden, dass wir täglich 500 bis 1000 Menschenleben verlieren.»

Und wenn die Impfung da ist?

Das ist das andere Problem. In den USA gibt es eine sehr grosse Bewegung von Leuten, die gegen jegliche Impfungen sind. Es gibt Schätzungen, dass bis zu 25 Prozent der Bevölkerung diese Abwehrhaltung einnehmen könnten. Anthony Fauci, der Corona-Experte des Weissen Hauses, sagte kürzlich, dass die Corona-Impfung nicht so effektiv sein werde wie eine Masernimpfung mit einer 93-Prozent-Erfolgsquote, sondern bloss mit 50 bis 60 Prozent. Wenn sich dann zusätzlich ein Grossteil gegen eine Impfung wehrt, dann müssen wir wohl noch länger mit dieser neuen Welt leben.

Sie waren vier Jahre lang Botschafter von Präsident Barack Obama in Bern. Was vermissen Sie am meisten von der Schweiz?

Die Menschen. Meine Familie und ich, wir liebten unsere Schweizer Freunde. Und ich vermisse die Berge und die Kultur. Ich scherze oft, dass ich das Wetter am meisten vermisse. Diesen Sommer war es hier regelmässig bis zu 38 Grad heiss.

Und in Bezug auf die Politik?

Was ich am meisten bewundere, ist der Schweizer Glaube an die geteilte Macht. Das haben wir in den USA nicht mit unserem Zwei-Parteien-System, in dem stets die Mehrheit obsiegt. Ich habe zwar viele Freunde auf der Republikanischen Seite. Aber es ist sehr schwierig, einen gemeinsamen Nenner bei politischen Themen zu finden.

Was war während Ihrer Zeit die grösste Herausforderung?

Das wichtigste Dossier waren wohl die Verhandlungen mit dem Iran, bei denen die Schweiz als Mediator agierte. Die Schweiz spielte eine grosse Rolle im Hintergrund, um den Iran an den Verhandlungstisch zu bringen, um schliesslich das Atomabkommen zu vereinbaren. Das ist etwas, das ich an Donald Trump am meisten kritisiere: der Rückzug aus dem Nuklear-Deal mit Iran. An erster Stelle liegt der Rückzug vom Pariser Klima-Abkommen.

Und was ist mit den Verhandlungen über das Schweizer Bankgeheimnis? Damals hatten Schweizer Banker Angst davor, in die USA zu reisen und verhaftet zu werden.

Diese Verhandlungen waren oft frustrierend, denn ich konnte beide Seiten gut verstehen. Das Bankgeheimnis hat schliesslich eine lange Geschichte. Aber das scheint ja jetzt alles vorbei zu sein.

Hat das Image der Schweizer Banken in den USA stark darunter gelitten?

Es gab immer eine grosse Asymmetrie diesbezüglich. In der Schweiz war es ein riesiges Thema. Wenn ich aber in den USA war und über das Schweizer Bankgeheimnis sprach, zuckten die Leute nur mit den Schultern. In den USA kommen die Schweizer Banken noch immer vor allem in Spionageromanen und -Filmen vor wie «The Bourne Identity». Ich denke sie haben immer noch einen erstklassigen Ruf, sie stehen für Glaubwürdigkeit, Sicherheit…

…und ein klein wenig Zwielichtigkeit?

Vielleicht (lacht). Aber nicht so zwielichtig wie die Cayman Islands oder die Turks und Caicosinseln.

Inwiefern verfolgen Sie die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz?

Sehr, und ich unterstütze ein solches Abkommen. Ich habe auch schon einige Vorstösse dazu verfasst. Allerdings bin ich nicht allzu optimistisch, dass bis Ende Jahr noch viel in der Sache geht. Es gibt momentan so viele andere Handelsthemen, mit China oder wegen dem Brexit. Ich werde mich auf jeden Fall weiterhin dafür einsetzen, denn ein solches Abkommen würde beiden Ländern helfen.

Inwiefern hat Sie die Zeit in der Schweiz politisch geprägt? Denken Sie bei gewissen Themen anders als Ihre Kollegen im Kongress?

Absolut, bei vielen Themen sogar. Ich weise meine Kollegen oft darauf hin, dass der CO2-Fussabdruck der Schweizer einem Drittel von jenem der Amerikaner entspricht und das bei einer Lebensqualität, die mindestens so gut oder noch besser ist. Und ich betone oft, dass die Schweiz meistens einen Haushaltsüberschuss vorweisen kann. Unser Budgetdefizit hingegen ist inzwischen grösser als unser BIP. Wir könnten viel von der Schweiz lernen. Und dann bewundere ich wie gesagt die Schweizer Machtteilung.

Don Beyer hält die USA für ein Land der Mitte: «Wenn Joe Biden gewinnt, werden die USA nicht plötzlich nach Linksaussen rücken.»

Don Beyer hält die USA für ein Land der Mitte: «Wenn Joe Biden gewinnt, werden die USA nicht plötzlich nach Linksaussen rücken.»

Die in den USA keine Chance hätte?

Es ist fast wie bei Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft. Ich habe selber einen politischen Vorstoss dazu verfasst. Es geht um die Art und Weise, wie wir Kongressabgeordnete wählen. Weil wir heute so polarisiert sind, politisieren die Kandidaten je länger je mehr mit extrem linken oder extrem rechten Positionen. Für die Mittewähler bleibt da nichts übrig. Ich und andere versuchen, das zu ändern.

Wäre es also an der Zeit, dass sich die USA Gedanken über eine Alternative zum Zwei-Parteien-System machen würden, so wie in der Schweiz beispielsweise mit vier Regierungsparteien?

Ich wäre auf jeden Fall dafür. Wir versuchen nun, mit Wahlreformen vorerst auf Staaten-Ebene zu erreichen, dass ab und zu auch ein Vertreter der libertären oder der grünen Partei gewinnen könnte. Das täte dem politischen Klima gut.

Auf der Linken gibt es die Fans von Alexandra Ocasio-Cortez, kurz AOC, und Bernie Sanders. Auf der Rechten die Hardcore-Trump-Wähler. Kann diese Spaltung überhaupt noch grösser werden?

Ich glaube nicht. AOC und Bernie erhalten zwar viel Aufmerksamkeit, aber ihr Team auf der Linken ist im House äusserst klein. Wir halten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gerade eben nur, weil wir es schaffen, auch Leute von der Mitte zu überzeugen. Das gilt auch für die Republikaner. Insofern denke ich, dass die USA nach wie vor ein Land der Mitte sind. Wenn Joe Biden gewinnt, werden die USA nicht plötzlich nach Linksaussen rücken. Er wird zuerst mal versuchen müssen, alles wieder in die Mitte zu holen und dann langsam nach Mitte-Links.

Dennoch: Es scheint, als wäre der Graben bei den Demokraten grösser. Während Progressive zunehmend gegen bestehende Demokraten antreten und gewinnen, wie zuletzt Cori Bush in Missouri, folgen die Republikaner Trump, komme was wolle.

Da bin ich mir nicht sicher. Trumps ehemaliger Sprecher Anthony Scaramucci hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, Biden zu wählen und gesagt, dass Trump die Republikanische Partei zerstört. Alle Werte, welche die Partei einst ausmachten, sind verschwunden. Übrig geblieben ist der Rassismus. Es wird spannend zu beobachten sein, wie und um wen sie die Partei wiederaufbauen werden.

Trump verkündete zuletzt, er werde möglicherweise das Wahlresultat im Falle einer Niederlage nicht anerkennen. Viele Leute machen sich nun ernsthaft Sorgen, dass die USA eine Autokratie werden könnten. Sind das berechtigte Ängste?

(steht auf und holt ein Buch)

Ich lese gerade dieses Buch «The Twilight of Democracy – The Seductive Lure of Authoritarianism» (Deutsch: Die Zwielicht der Demokratie – die verführerische Verlockung des Autoritarismus). Sind diese Ängste berechtigt? Ja! Wir machen uns ernsthaft Sorgen darüber. Ich mache mir weniger Sorgen, wenn Trump sagt: Ich gehe nicht. Denn er hat sich beim Militär und bei den Geheimdiensten keine Freunde gemacht. Die Leute, die verantwortlich dafür sein werden, ihm die Tür zu zeigen, werden diese Aufgabe wohl sehr gerne übernehmen.

Aber?

Die grössere Gefahr ist, dass er sagen wird, die Wahlen seien illegal gewesen. Weil sich die Chinesen oder die Russen einmischen. Das könnte zu einem langwierigen, juristischen Nachspiel führen, weil er auf Wahlbetrug pochen könnte, obwohl er wohl als Einziger versuchen wird, zu betrügen. Das versucht er bereits beim Postdienst. Er höhlt ihn aus, weil diesen November erstmals zig Millionen von Amerikanern wegen der Pandemie erstmals per Post abstimmen werden. Wir müssen also mehr denn je dafür sorgen, dass jede Stimme gezählt wird.

Die USA waren seit jeher stolz auf ihr Checks-and-Balances-System. Ist es möglicherweise nicht stark genug?

Es ist definitiv nicht stark genug. Trump konnte so viele unglaubliche und illegale Dinge machen. Und die einzige Massnahme, die der Kongress hat, ist das Amtsenthebungsverfahren. Aber mit der 60-40-Regel im Senat hat es nicht funktioniert, da die Republikaner in der kleinen Kammer die Mehrheit hatten. Dieses Verfahren hat ihm überhaupt nicht geschadet und nun hat er das Gefühl, er könne tun und lassen, was er will. Ich hoffe deshalb sehr, dass Joe Biden die Balance verstärken wird.

Was könnte Trump tun, wenn er für weitere vier Jahre gewählt wird?

Das will ich mir gar nicht vorstellen. All jene, die darüber nachdenken, in so einem Fall nach Kanada oder in die Schweiz zu flüchten, müssen dann hierbleiben und kämpfen.

Don Beyer im Video-Interview mit CH-Media-Redaktor Benjamin Weinmann

Don Beyer im Video-Interview mit CH-Media-Redaktor Benjamin Weinmann

Sie haben in den Partei-Vorwahlen den 38-jährigen Pete Buttigieg unterstützt. Nun ist aber der 77-jährige Joe Biden der Kandidat der Demokraten. Und viele Leute fragen sich: Ist er wirklich das Beste, das die Demokraten zu bieten haben?

Ja, auch wenn ich nach wie vor Pete Buttigieg bewundere. Selbst Joe Biden prophezeit, dass Buttigieg irgendwann Präsident sein wird. Aber Biden hat Recht, wenn er sagt, dass es bei diesen Wahlen um die Seele von Amerika geht. Es geht nicht um einzelne Themen, um die Umwelt, den Iran, Einkommensgleichheit. Es geht um Anständigkeit, darum, die Wahrheit zu sagen, Leute aufzumuntern, sich nicht selber zu bereichern. Es geht um verantwortungsvolles Führen. Klar, es gibt politische Unterschiede, aber der grösste Unterschied liegt darin, was für ein Mensch Joe Biden ist und was für ein Mensch Donald Trump ist.

Wie gut kennen Sie Joe Biden persönlich?

Ich bin kein enger Freund von ihm, aber ich habe ihn Dutzende Male getroffen und ich mag ihn sehr. Wir haben zudem eine grosse Spendengala für ihn in unserem Haus in Alexandria veranstaltet. Obwohl ich «Team Buttigieg» war, war meine Frau sehr früh für Biden.

Mehr als einmal ist Biden zuletzt in Fettnäpfchen getreten, als er zu schwarzen Wählern sagte, sie seien nicht wirklich schwarz, wenn sie nicht für ihn stimmen würden. Oder als er sagte, die Latino-Gemeinschaft sei diverser als die schwarze.

Niemand von uns ist stets politisch korrekt bei dem, was man sagt. Aber was zählt ist, dass er ein sehr grosses Herz hat und sich immer für die richtigen Themen eingesetzt hat. Und vor allem: Er lügt uns nie an, er ist kein Heuchler. Wir vergleichen hier mit dem grössten Narzissten in der US-Geschichte. Trump hat über 20’000 Mal nachweislich gelogen seit seiner Amtseinführung. Die Unterschiede sind gewaltig.

Da wäre aber noch der Vorwurf der sexuellen Nötigung von Bidens ehemaliger Angestellten Tara Read.

Ihre Vorwürfe sind unglaubwürdig. Alle Untersuchungen legen nahe, dass sie in ihrem Leben über viele andere Dinge gelogen hat. Diese Person hat null Glaubwürdigkeit. Deshalb haben die US-Medien auch nicht mehr darüber berichtet, seit sie mehr über ihre Geschichte recherchiert haben. Auf der anderen Seite gibt es 19 Frauen, die Donald Trump sexuelle Nötigung vorwerfen, und er hat Schweigegelder an Pornostars ausgezahlt.

Inwiefern glauben Sie, dass Russland oder China die Wahlen manipulieren werden?

Das würde mich gar nicht überraschen. Es gibt mehrere Leute, die behaupten, Trump sei ein russischer Agent. Egal was Putin anstellt, Trump schaut darüber hinweg.

Beyer glaubt nicht, dass die Bidens Wahl seiner möglichen Vizepräsidentin, Kamala Harris, eine allzu grosse Rolle spielen wird.

Beyer glaubt nicht, dass die Bidens Wahl seiner möglichen Vizepräsidentin, Kamala Harris, eine allzu grosse Rolle spielen wird.

Wie wichtig ist die Wahl der möglichen Vizepräsidentin, Kamala Harris?

Ich glaube nicht, dass das eine allzu grosse Rolle spielt. Der letzte Vizepräsidenten-Kandidat, der wirklich wichtig war, war wohl Lyndon B. Johnson 1960, als JFK gewählt wurde. Aber klar, Biden ist 77 Jahre alt, da braucht es jemanden an seiner Seite, wo die Leute sich sicher sein können, dass das Land auch bei ihr in guten Händen wäre.

Und wenn Joe Biden Sie fragen würde, Teil seiner Regierung zu sein?

So was lehnt man nie ab. Aber das erwarte ich. Wenn, dann würde er wohl eher meine Frau anfragen. (lacht) Ich liebe meinen Job. Nächstes Jahr werde ich Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses beider Kammern. Und ich bin im Finanz- und Steuerausschuss. Da kann ich mich sehr gut einbringen.

Auf einer Skala von 1 bis 10, wie wahrscheinlich ist es, dass Donald Trump am 21. Januar 2021 noch immer Präsident sein wird?

Zwei. Ich kann mich aber auch täuschen.

Viele Leute täuschten sich vor vier Jahren, als alle dachten, Hillary Clinton würde gewinnen.

Genau, deshalb sind wir alle weiterhin so angespannt. Aber Biden hat einen grossen Vorsprung in Florida. Seit ich mich erinnern kann, hat kein Republikaner je ohne Florida gewonnen. Biden führt in Texas, in Arizona, in North Carolina. Vor sechs Monaten dachten wir, die drei Swing States wären Pennsylvania, Wisconsin und Michigan. Jetzt könnte Biden auch all diese anderen Staaten gewinnen, die traditionell republikanisch wählen. Wir müssen so deutlich wie möglich gewinnen, damit Trumps Betrugsvorwürfe gar nicht erst verfangen können. Beim Repräsentantenhaus sieht es sehr gut aus, dass wir die Mehrheit behalten oder gar ausbauen können. Und auch beim Senat stehen die Chancen gut. So könnten wir das Land in die richtigen Bahnen lenken. Das darf aber nicht zu schnell geschehen.

Verlief der Wandel unter Obama für manche Amerikaner zu schnell, was zur Wahl von Trump führte?

Es gab zu viel Wandel auf der ganzen Welt, mit der Globalisierung, Technologisierung, künstlicher Intelligenz und so weiter. Und ja, dann kam der Rassismus wieder hoch, weil wir mutig genug waren, einen schwarzen Präsidenten zu wählen.

Haben Sie noch Kontakt mit Präsident Obama?

Nein, wir verkehren nicht wirklich in denselben Kreisen. (lacht)

Und mit Leuten aus der Schweiz?

Ja, einige. Letzten Oktober waren wir beruflich in Genf und assen jeden Abend mit Freunden. Und diese Woche wären wir eigentlich nach Locarno ans Filmfestival gereist. Danach wären wir in Zermatt wandern gegangen. Oh well, dann halt nächstes Jahr. Wir möchten bis zum Ende unseres Lebens einmal pro Jahr in die Schweiz zurückkehren.

Vom Autoverkäufer zum Kongressabgeordneten

Don Beyer, US-PolitikerDonald S. Beyer Jr. (70) wurde im italienischen Triest als Sohn eines amerikanischen Armeeoffiziers geboren und wuchs in Washington D. C. auf. In den 80er-Jahren stieg er in den elterlichen Automobilhandel ein. In den 90er-Jahren war Beyer als Vertreter der Demokraten acht Jahre lang Vizegouverneur von Virginia. 2009 ernannte ihn Barack Obama zum US-Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein. 2014 wurde er ins US-Repräsentantenhaus gewählt, wo er seinen Heimatstaat Virginia vertritt. Beyer lebt mit seiner Frau Megan und den beiden Töchtern in Alexandria, Virginia. Zudem hat er zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe. (bwe)

Don Beyer, US-Politiker

Donald S. Beyer Jr. (70) wurde im italienischen Triest als Sohn eines amerikanischen Armeeoffiziers geboren und wuchs in Washington D. C. auf. In den 80er-Jahren stieg er in den elterlichen Automobilhandel ein. In den 90er-Jahren war Beyer als Vertreter der Demokraten acht Jahre lang Vizegouverneur von Virginia. 2009 ernannte ihn Barack Obama zum US-Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein. 2014 wurde er ins US-Repräsentantenhaus gewählt, wo er seinen Heimatstaat Virginia vertritt. Beyer lebt mit seiner Frau Megan und den beiden Töchtern in Alexandria, Virginia. Zudem hat er zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe. (bwe)

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