Natürlich war es kein Zufall, dass der designierte amerikanische Aussenminister Mike Pompeo am Donnerstag ausgerechnet auf die Frage eines demokratischen Senators mit einer Anekdote antwortete, die Einblick in sein Weltbild gibt. Aber die Anekdote zeigte doch auch, dass der amtierende CIA- Direktor, der auf Wunsch von Präsi-dent Donald Trump den entlassenen Rex Tillerson ersetzen soll, nicht auf das angebliche Zerrbild reduziert werden kann, das in den vergangenen Tagen häufig von ihm gezeichnet wurde.

Kriegsgurgel, wurde er etwa genannt, oder ein Super-Falke, der nötigenfalls auch unilateral gegen einen Antagonisten der USA vorgehen würde. Ach was, sagte Pompeo im Dialog mit dem gemässigten Demokraten Chris Coons vor der aussenpolitischen Kommission des Senats. Und begann dann über eine Reise in ein fernes Land zu erzählen, ein «staubiger Ort», in dem er auch mit dem lokalen Geheimdienstchef zusammengetroffen sei. Dieser habe ihm gesagt: «Wissen Sie, was das Wichtigste ist, das Amerika für mein Team getan hat? Das Wichtigste ist, dass Sie eine Vorbildfunktion für meine Organisation übernehmen.» Diese Aussage habe ihn «unglaublich stolz» gemacht, sagte Pompeo, und fügte sinngemäss an, Amerika könne seine Vorbildfunktion als demokratische Supermacht nur dann ausüben, wenn die Vertreter der nationalen Regierung diese Werte verkörperten.

«Den Präsidenten repräsentieren»

Mit solchen Aussagen hofft der 54-jährige ehemaliger Parlamentarier, Unternehmer und Berufssoldat aus Kansas der Kritik entgegenzutreten, die linke Demokraten und rechte Republikaner an seiner Nomination üben. Die Anhörung am Donnerstag zeigte, dass sich Pompeo sehr wohl bewusst ist, dass er vor einer schwierigen Herausforderung steht. Als er gefragt wurde, wie er denn seine künftige Rolle beschreiben würde, sagte er: «Mein wichtigster Job wird es sein, den Präsidenten zu repräsentieren», und die Arbeitsmoral im Aussenministerium zu steigern. Und: Seiner Meinung nach übe der Aussenminister der USA die Rolle eines Chefdiplomaten aus, der unbedingt versuchen müsse, militärische Konflikte zu vermeiden.

Seine Antworten auf die hartnäckigen Fragen der Senatoren deuteten aber zum andern darauf hin, dass er sehr wohl der Meinung ist, dass die harte Linie, die Präsident Donald Trump häufig (vor allem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter) steuert, einen gewissen Verhandlungsspielraum zulässt. So sagte Pompeo, dass er den umstrittenen Atomdeal mit Iran «reparieren» wolle, weil er an einem «besseren» Vertrag interessiert sei. Auch behauptete er, dass er kein Verfechter eines Sturzes des Regimes in Nordkorea sei. Stattdessen gab er zu Protokoll, dass ein Angriff auf Pjöngjang «katastrophale Folgen» haben würde. (2017 sagte er: «Ich hoffe, wir finden einen Weg, das Regime von diesem System zu trennen.») Und er sagte, dass er einer Nachverhandlung des Pariser Klimaabkommens offen gegenüberstehe. Über den aktuellen weltpolitischen Brennpunkt, Syrien, wurde Pompeo nur am Rande befragt.

Auch bekräftigte Pompeo, dass er kein Anhänger eines Verständigungsfriedens mit Russland sei. Sämtliche Krisen im bilateralen Verhältnis zwischen Moskau und Washington liessen sich mit dem «schädlichen Verhalten» der russischen Regierung begründen, sagte er. Und leider habe Präsident Wladimir Putin «die Nachricht noch nicht erhalten», die Präsident Trump ausgesendet habe – dass sich solches Verhalten nicht lohne, und er einen «hohen Preis» bezahlen müsse.

Bestätigung ist offen

Ob solche Aussagen genügen, um die skeptischen Volksvertreter zufriedenzustellen, die in Pompeo bloss einen Hofschranzen des Präsidenten sehen, ist fraglich. Die Aussenpolitische Kommission setzt sich aus elf Republikanern und zehn Demokraten zusammen. Der isolationistische Republikaner Rand Paul hat bereits bekannt gegeben, dass er Pompeo nicht unterstützen könne. Noch weiss der designierte Aussenminister also nicht, ob er bald bestätigt wird.

Diese Mitarbeiter haben Donald Trump schon verlassen (müssen):