Die Top 10 der geheimen Dokumente

Diese zehn Wikileaks-Depeschen nerven Hillary am meisten

US-Aussenministerin Hillary Clinton warnte wegen Wikileaks diverse Regierungen vor. (Archiv)

US-Aussenministerin Hillary Clinton warnte wegen Wikileaks diverse Regierungen vor. (Archiv)

Über 290 vertrauliche Dokumente hat Wikileaks schon veröffentlicht. Dieser Dokumentenberg wird schnell unübersichtlicht - wir zeigen die zehn interessantesten Depeschen, die bereits veröffentlicht wurden.

Der «Spiegel» und vier renommierte Zeitungen The New York Times, The Guardian, Le Monde und El Pais haben die 251 287 Telegramme von US-Diplomaten ganz gut zusammengefasst. Doch wer den Inhalt und die Bedeutung der Wikileaks-Dokumente wirklich verstehen will, der muss seine eigenen Hände dreckig machen - und die Dokumente im Original selbst lesen.

Doch welches sind die wichtigsten Dokumente im riesigen Heuhaufen? Einerseits können diejenigen Telegramme herausgefiltert werden, die entweder von der US-Aussenministerin höchstpersönlich verschickt wurden oder an sie adressiert waren. Andererseits kann aufgrund der Klassifizierung (als wie geheim wurde das Dokument eingestuft?) abgeleitet werden, in welchen Telegrammen die grössten Geheimnisse und die delikatesten Probleme angesprochen wurden.

Unter den vorerst erst 291 zugänglichen Dokumenten sind deshalb die folgenden zehn Telegramme besonders spannend:

07STATE152317 Am 3. November 2007 beordert Aussenministerin Condoleezza Rice den US-Botschafter in Peking, Chinas Regierung per Demarche dringend zu ersuchen, eine unmittelbar bevorstehende Sendung von ballistischen Raketenteilen von Nordkorea nach Iran auf dem Flughafen Peking zu stoppen.

09PARIS1254 Am 11. September 2009 traf sich «Mr. Europa» Philipp Gordon mit hochrangigen französischen Regierungsmitgliedern. Die Franzosen dämpften Erwartungen nach einer Verbesserung der US-russischen Beziehungen: «Einige in Russland sind zum Schluss gelangt, dass ihren Interessen besser gedient sind, solange der Westen im Afghanistan-Sumpf beschäftigt ist und der Status quo in Iran fortbesteht.»

09BAGHDAD1103 Die US-Botschaft in Bagdad bestätigt im April 2009, dass Quds-Brigaden der iranischen Revolutionswächter das Machtvakuum nach Saddam Husseins Sturz im Jahr 2003 geschickt ausnutzten und Paramilitärs in den Irak entsandten.

09STATE47326 Im Mai 2009 bekundet US-Aussenministerin Hillary Clinton grosses Interesse an Meldungen der französischen Agentur AFP, wonach die iranische Regierung «anti-amerikanische Slogans von Gebäuden in Teheran entfernt habe». Die Handlung wird als Antwort auf Präsident Obamas Dialogbereitschaft mit Iran interpretiert.

10STATE15856 Hillary Clinton ist im Februar 2010 besorgt, dass eine türkische Firma 40 Granatwerfer, welche die USA 1995 in die Türkei lieferten, nach Iran weiterverkaufen könnte.

10STATE17263 In diesem Telegramm von Hillary Clinton an die US-Botschaft in Moskau vom 24. Februar 2010 werden detailreiche russische Präsentationen in Washington über die Atomprogramme von Nordkorea und Iran zusammengefasst. Aus russischer Sicht geht von den wenig entwickelten Raketenprogrammen beider Länder keinerlei Gefahr aus, die einen westlichen Raketenschild rechtfertigen würden.

09MANAMA642 Ein gutes Beispiel für Amerikas «soft power»: In diesem Gesprächsprotokoll zwischen General Petraeus und dem König von Bahrain fragt König Hamad: «Könnten nicht amerikanische Flugzeugbauer an der Flugshow von Bahrains Luftwaffe teilnehmen?» Die beiden machen abfällige Bemerkungen über den französischen Rafael-Militärjet, dessen Technologie restlos veraltet sei.

09STATE119085 Ein ausführliches Manual vom November 2009 beschreibt, wie US-Diplomaten mit «Walk-ins» umgehen sollen - mit Überläufern aus feindlichen Ländern.

05MOSCOW009533 Williams Burns ist heute Assistant Secretary of State for Political Affairs und damit Amerikas ranghöchster Karrierediplomat. Seine Depeschen aus Moskau sind reinste Poesie - etwa seine äusserst unterhaltsame Beschreibung einer «wilden Hochzeit in Dagestan» vom August 2006.

09TRIPOLI771 Bereits ein Klassiker! Die Beschreibung von Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafis «Ekzentrizitäten»: Seine Angst vor Flügen übers Meer, seine Begeisterung für Flamenco und für seine ukrainische Krankenschwester Galyna Kolotnytska - die inzwischen berühmt gewordene «lüsterne Blondine.»

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