Die Pistole besteht fast ausschliesslich aus Plastik, kommt aus dem 3D-Drucker - und ist tödlich. Dass seine Feuerwaffe tatsächlich funktioniert, hat der amerikanische Jura-Student Cody Wilson letzte Woche demonstriert. Ein Kamera-Mann der BBC filmte den 25-Jährigen dabei, wie er mit der weissen Plastikpistole einen Schuss abfeuerte.

Lizenz für tödliche Waffe

Ein 3D-Drucker ist eine Maschine, mit der sich Objekte nach einer digitalen Vorlage Schicht für Schicht aufbauen lassen. Dafür wird Kunststoff erhitzt und durch eine Düse gepresst - wenn diese angebracht an einen Schlitten, hin und her fährt, erinnert das durchaus an den Druckkopf eines Tintenstrahldruckers.

Um eine Waffe selber drucken zu können, hat Wilson für seine Firma Defense Distributed erfolgreich eine staatliche Lizenz zur Herstellung von Waffen beantragt und auf E-Bay für 800 Dollar einen 3D-Drucker ersteigert. Mit diesem Gerät hat er die Waffe, gemäss den Vorgaben einer selber am Computer angefertigten Bauanleitung, ausgedruckt. Für den Schlagbolzen hat Wilson einen normalen Nagel verwendet; der Rest besteht aus Plastik. Damit die Pistole aber von einem Metalldetektor aufgespürt werden kann, hat Wilson einen Metallstreifen hinzugefügt. Dieser könnte aber natürlich von Bastlern, die Wilsons Waffe nachdrucken auch weggelassen werden.

Nach wenigen Schüssen kaputt

Zuerst hat Wilson die Pläne für die tödliche Plastikpistole im Internet veröffentlicht, sie dann aber auf Druck der Regierung wieder von seiner Website genommen. Über die Tauschbörse The Pirat Bay ist die Datei aber weiterhin verfügbar. „Natürlich kann die Waffe auch dazu verwendet werden, um jemanden zu verletzen", sagt Wilson gegenüber dem Forbes Magazine. „Aber ich denke nicht, dass das ein Grund ist, den Bauplan nicht zu veröffentlichen. Am Schluss wiegt die Freiheit höher."

Mit der Waffe können zwar nur wenige Schüsse abgefeuert werden, ehe sie kaputt geht - doch alle Teile können leicht ersetzt werden, indem man sie neu ausdruckt. Momentan dürfte es noch weitaus einfacher sein, sich anderweitig eine illegale Feuerwaffe zu beschaffen, dennoch gibt die funktionstüchtige Pistole einen Eindruck davon, wie 3D-Drucker den Zugang zu Waffen verändern könnten.

3D-Drucker und die neue industrielle Revolution

Einen einfachen 3D-Drucker bekommt man schon für unter 1000 Franken. Mit etwas technischem Know-how lassen sich damit kleine Gegenstände ausdrucken, deren Designs man im Internet findet. Technik-Enthusiasten glauben, dass 3D-Drucker eine neue industrielle Revolution auslösen könnte. Statt Gegenstände in Massenproduktion herzustellen, könnten sie nach den Bedürfnissen des Einzelnen individuelle angepasst oder sogar von jedermann zuhause ausgedruckt werden. «Die digitale Revolution hat die Werkstätte erreicht, die Ebene der realen Gegenstände, und hier könnte sie ihren wahren Einfluss entfalten», schreibt etwa Chris Anderson, der ehemalige Chefredaktor des Technologie-Magazins «Wired», in seinem neuen Buch «Maker».