Knapp eine Woche ist es bereits her, dass das Kreuzfahrtschiff mit rund 4200 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio einen Felsen rammte und auf Grund lief. Die Rettungskräfte rechnen kaum noch damit, Überlebende im Wrack zu finden.

Elf Tote wurden bisher geborgen, zwanzig Menschen werden offiziell noch vermisst. Eine Wetterverschlechterung am Freitag könnten aber die kleine Chance für die Bergung von Überlebenden zunichte machen. Die Gefahr besteht, dass stärkerer Wellengang das 114'500 Tonnen schwere Schiff in die Tiefe reissen könnte.

Gefährliche Tauchgänge

Die Bergungsarbeiten sind gefährlich. Bereits am Mittwoch waren die Tauchgänge aus Sicherheitsgründen unterbrochen und nach einer Wetterberuhigung fortgesetzt worden.

"Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe", erklärte Luca Cari von den Rettungsmannschaften. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. "Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten." Zudem sei das Schiff wie ein Labyrinth, sagte Taucher Dilda.

Rettungsteams und Taucher von Feuerwehr, Küstenwache und Marine konzentrierten sich vor allem auf die unter Wasser liegende vierte Brücke des Schiffes. Wie in den vergangenen Tagen setzten sie Sprengstoff ein, um sich durch die Schiffshaut Zugang ins Innere zu verschaffen.

Drohende Umweltkatastrophe

Sorgen bereiten zusätzlich die rund 2300 Tonnen Treibstoff an Bord der "Costa Concordia", wovon das meiste hochgiftiges Schweröl ist. Italiens Umweltminister Corrado Clini erklärte, bei einer Verschlechterung der Wetterlage könne das Wrack 50 bis 90 Meter tief von dem Felsvorsprung abrutschen, auf dem es derzeit aufliegt. Dabei könnte der Rumpf weiter beschädigt werden und Öl austreten.

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks würde voraussichtlich mindestens mehrere Wochen dauern. Die Arbeiten durch ein niederländisches Unternehmen sollten am Samstag beginnen, vielleicht auch schon früher, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Giglio.

Was passiert nun mit dem Riesenschiff «Costa Concordia»?

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Kapitän suspendiert

Die zuständige Staatsanwaltschaft im toskanischen Grosseto ermittelt derweil weiter, wie es zur Havarie des Luxus-Kreuzfahrtschiffs kommen konnte. Im Zentrum der Ermittlungen steht Kapitän Schettino.

Ihm wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Schettino streitet alle Vorwürfe ab.

Aufgrund der massiven Vorwürfe ging "Costa Crociere", die Reederei des Unglücksschiffs, weiter auf Distanz und suspendierte am Donnerstag den beschuldigten Kapitän mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Ein Anwalt des Unternehmens sagte, man sehe sich nach dem Schiffbruch selbst als geschädigt an und werde Schettino nicht mehr juristisch verteidigen.