Michael Cohen legt nach. «Selbstverständlich», sagte der ehemalige Vertrauensanwalt von Donald Trump in einem am Freitag ausgestrahlten Fernsehinterview, «selbstverständlich» habe der heutige Präsident gewusst, dass die Schweigegeldzahlungen an ehemalige Geliebte «nicht richtig» gewesen seien.

Dennoch habe der damalige Präsidentschaftskandidat die Geldzahlungen an zwei Frauen, mit denen er aussereheliche Affären gehabt hatte, persönlich «angeordnet». Trump sei im Wahlkampf 2016 «sehr besorgt» darüber gewesen, dass eine Medienberichterstattung über Frauengeschichten seiner Kandidatur den Todesstoss versetzen würden, sagte der 52-jährige New Yorker.

Cohen war diese Woche vor einem Bundesgericht in New York zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er «ein eigentliches Sammelsurium» von Straftaten begangenen hatte, wie Richter William Pauley treffend formuliert hatte.

Eine dieser Straftaten: Cohen hatte zugegeben, wissentlich gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstossen zu haben – indem er Geldtransaktionen an das Playmate Karen McDougal und an den Pornostar Stormy Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heisst, eingefädelt hatte.

Bloss ein Gehilfe Trumps

Cohen behauptete allerdings in dem Interview, das auf dem Sender «ABC» ausgestrahlt wurde, dass er keine treibende Rolle gespielt habe. Vielmehr sei er bloss ein Gehilfe gewesen, der auf Anweisung Trumps und David Peckers gehandelt habe. Bei Pecker handelt es sich um einen ehemals engen Freund Trumps, der an der Spitze des Medienhauses «American Media» (AMI) steht und seine Publikationen schon seit Jahren dafür einsetzt, um Stimmung zugunsten von Trump zu machen und seine Kritiker in den Dreck zu ziehen.

AMI-Klatschblätter wie «National Enquirer» und «Globe» haben zwar nur eine Auflage von jeweils einigen Hunderttausend Exemplaren; sie liegen aber in Hunderten von US-Supermärkten an der Kasse, weshalb die Titelblätter stark beachtet werden.

Pecker selbst kooperiert seit einigen Monaten mit den bundesstaatlichen Ermittlungsbehörden. Bereits im September 2018 schloss AMI in diesem Zusammenhang einen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft in New York ab, in dem das Medienhaus zugab, im Zusammenhang mit den Zahlungen für Karen McDougal gegen die Wahlkampffinanzierungsgesetze verstossen zu haben. Denn «American Media» habe nie Interesse an der Lebensgeschichte des Playmates gehabt; vielmehr sei die Zahlung von 150'000 Dollar an McDougal erfolgt, um den Ausgang der Wahl zu beeinflussen.

Trump wiederum beharrt darauf, keinen Fehler gemacht und schon gar nicht gegen Strafgesetze verstossen zu haben. Die Zahlungen an die angeblichen Geliebten seien aus persönlichen und nicht politischen Gründen erfolgt, sagte er in den vergangenen Tagen.

Und falls sie dennoch gegen die höchst komplexen Bestimmungen über die Finanzierung von Wahlkämpfen verstossen würden, dann könne ihm dies nicht angelastet werden – er habe schlicht und einfach seinem Anwalt vertraut, sagte Trump. Cohen erzähle Lügen, weil er ein Serienbetrüger sei und seine Haut retten wolle.

Cohen wiederum stritt diese Darstellung im Gespräch mit «ABC»-Journalisten George Stephanopoulos entschieden zurück. Er wolle den Präsidenten nicht blossstellen, sagte er. Trump «kennt die Wahrheit», sagte der
ehemalige Vertraute des Präsidenten.