Riad

Die Saudis forcieren den Fussball-Krieg mit Iran

Abdulrahman bin Musaid, Saudischer Prinz: «Wir wollen nicht zu ihnen und wollen auch keine iranischen Teams in unserem Land sehen.»

Abdulrahman bin Musaid, Saudischer Prinz: «Wir wollen nicht zu ihnen und wollen auch keine iranischen Teams in unserem Land sehen.»

Konflikt zwischen Saudis und Iran weitet sich auf Fussball aus: mKurz nach der Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran stellten Fussballfunktionäre in Riad klar, dass Mannschaften aus dem wahabitischen Königreich nie mehr im Iran spielen würden.

Nur wenige Minuten nach der Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran stellten Fussballfunktionäre in Riad klar, dass Mannschaften aus dem wahabitischen Königreich nie mehr im Iran spielen würden. «Wir wollen nicht zu ihnen und wollen auch keine iranischen Teams in unserem Land sehen», gab Prinz Abdulrahman bin Musaid per Twitter die propagandistische Linie im nun auch den Fussball erfassenden Dauerkonflikt mit Teheran vor.

Die Steilvorlage wurde von den lokalen sowie den grösstenteils von Riad kontrollierten panarabischen Medien dankbar aufgenommen. Auf Sonderseiten berichten sie seit dem letzten Mittwoch in epischer Breite über den «Hass und Terror», dem saudische Fussballmannschaften schon seit Jahren im Iran ausgesetzt seien. Das beginne schon bei der Einreise am Flughafen und setzte sich in den Hotels und den Stadien fort, behauptet der Sportreporter der Zeitung «Al Riadiyya» empört.

Minuziös schildert er «die schmutzigen Tricks», derer sich der Iran bediene, «um unsere Spieler nicht nur einzuschüchtern, sondern systematisch zu terrorisieren». Der Höhepunkt der «niederträchtigen Kampagnen» werde in den Stadien erreicht, in denen fanatische Fans politische, sektiererische und religiöse Slogans brüllten und die Spieler mit Steinen und leeren Softdrink-Dosen traktierten. Unzählige Male habe man die iranischen Demütigungen klaglos hingenommen, zitiert «Al Riadiyya» saudische Funktionäre. Nach der Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran, der mit der Hinrichtung des saudischen Schiitenführers Nimr al Nimr eine gezielte Provokation von saudischer Seite vorausgegangen war, sei das Mass dann voll gewesen.

Am Donnerstag stellte der saudische Fussballbund beim asiatischen Kontinentalverband AFC den Antrag, die Auswärts– und Heimspiele gegen iranische Teams in der am 23. Februar beginnenden asiatischen Champions League, in der es in drei Gruppen zu saudisch-iranischen Derbys kommen würde, auf neutralem Territorium austragen zu dürfen.

Iran will nicht ausweichen

Iran reagierte prompt. Mit einem Hinweis auf die Artikel 3 und 4 der AFC-Satzung, in der ausdrücklich auf eine Trennung von Politik und Sport verwiesen wird, bezeichnete Asghar Bagherian, Präsident des iranischen Meisters und Champions-League-Teilnehmers Sepahan Isfahan, die saudischen Forderungen als unlogisch und illegitim. Die beste Antwort auf die «saudischen Anmassungen» sei es, die Saudis mit einem starken Spiel auf ihrem eigenen Boden zu schlagen, verlangte der Chef der iranischen Premier League, Mehdi Taj. Auch sein Heimrecht werde der Iran nicht aufgeben.

Bahrain kommt nun ins Spiel

Über die saudischen Verlegungsanträge sowie die zu erwartenden iranischen Proteste will der AFC Ende des Monats entscheiden. Vorsitzender des Verbandes ist mit Scheich Salman al Chalifa ein Mitglied der bahrainischen Herrscherfamilie, die in der letzten Woche ebenfalls die diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrach.

Rein politisch, also zugunsten der Saudis, kann der Scheich aus Bahrain wohl nicht entscheiden. Salman al Chalifa, der sich auch für das Amt des Präsidenten beim Internationalen Fussballverband Fifa bewirbt, würde in diesem Fall seine Glaubwürdigkeit und als Parteigänger Riads damit vermutlich auch seine Wahlchancen einbüssen.

Um die Spannungen mit Riad zu reduzieren, hat Teheran am Freitag die Bestrafung der Botschaftserstürmer angekündigt. Die Sicherheit saudischer Fussballteams im Iran werde «selbstverständlich» garantiert. Doch Riad wird, wie es scheint, von seiner unnachgiebigen Linie nicht abrücken und auch den Fussball für eine Kampagne instrumentalisieren, welche die politischen und religiösen Gräben im Mittleren Osten weiter vertiefen wird.

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